Hohner macht den Blues

Weltstars spielen auf Mundharmonikas aus dem Schwarzwald


Trossingen. Schon als Kind griff Bobby Zimmerman aus dem US-Staat Minnesota gern zur Mundharmonika. Später wurde er so legendär wie sein Instrument – als Bob Dylan. Auch viele andere Stars wie Marius Müller-Westernhagen oder die Bläck Föös spielten sich damit zum Erfolg. Sie alle blasen auf einer Hohner-Harmonika, die aus dem Schwarzwaldstädtchen Trossingen stammt.

Die Erfolgsgeschichte begann 1857, als der Bauernsohn Matthias Hohner aus der Not heraus eine Mundharmonika-Manufaktur gründete. Seither wurden hier über eine Milliarde Mundharmonikas produziert.

Ein Rundgang durch die Produktion zeigt, warum diese und andere Instrumente mit dem Markennamen Hohner bis heute am Stammsitz gefertigt werden.

In dem handlichen Stück steckt jede Menge Expertenwissen: „Das fängt schon bei der Metall-Legierung an“, erklärt Matthias Keller, der bei Hohner den Bereich Forschung und Entwicklung leitet. Die richtige Mischung sorgt dafür, dass der Ton leicht herauskommt und dennoch stabil bleibt. Aus dem nach einem Geheimrezept gefertigten Metallstreifen werden die Stimmzungen gestanzt, die später den Ton angeben. Geschickte Frauenhände befestigen die feinen Plättchen auf einem Band.

Hier kommt es auf Hundertstel an, denn wenn der Abstand nicht stimmt, werden die Töne schief. Damit das nicht passieren kann, wird jede Stimmplatte manuell geprüft. Gespür für die Musik bringen die Mitarbeiter entweder schon mit oder erwerben sie im Laufe vieler Berufsjahre. Nicht wenige der 180 Beschäftigten arbeiten seit Jahrzehnten bei Hohner, manche schon in der dritten Generation. Der Instrumentenbauer war lange Zeit der größte industrielle Arbeitgeber in der Region.

Deutsche Auswanderer machten das Instrument in Übersee populär

Denn Hohner expandierte rasch: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lieferte das Unternehmen 80 Prozent der Produktion nach Übersee. Kontakte knüpfte der clevere Gründer über deutsche Auswanderer, die das Hosentaschen-Instrument als ein Stück Heimat mit in die USA nahmen.

Auch mit dem später eingeführten Akkordeon gelang die Globalisierung: Nachdem in den 1960ern die Rockmusik in Europa das Quetschinstrument verdrängte, feierte es in den Südstaaten der USA Erfolge. Heute liefert das Unternehmen jährlich rund eine Million Mundharmonikas, 25.000 Akkordeons und eine Million Blockflöten in 85 Länder der Welt.

Zwar gehört Hohner seit 1997 mehrheitlich der taiwanesischen HS Investment Group. Aber die Firma bleibt im Schwarzwald verwurzelt. Das alle vier Jahre stattfindende World-Harmonica-Festival lockt stets viele Stars der Rock- und Bluesmusik nach Trossingen.

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