Chemiestandort

Weltpremiere in Leuna


In Rekordtempo aufgebaut: Die erste „modulare“ Chlor-Anlage

Der Chemiepark Leuna ist laut Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt der europaweit expansivste Standort unserer Branche: 6 Milliarden Euro wurden hier seit 1990 investiert, 100 Firmen sichern 9.000 Arbeitsplätze. AKTIV präsentiert eine aktuelle Investition – und einen Mann, der den Aufbau in Leuna stark vorantrieb.

Leuna. Es ist ein kleiner, immer gleicher Handgriff, der das riesige Stahl-Ungetüm zur Ader lässt: Anlagenfahrerin Karola Demny öffnet einen Hahn und füllt Salzlösung in ein Plastikgefäß. „Eine Probe fürs Labor“, erklärt sie. „Ich muss sie an verschiedenen Stellen entnehmen. Auf diese Weise wird in den ersten Wochen immer wieder kon­trolliert, ob die Anlage optimal läuft.“

Es ist nicht irgendeine Anlage. Hier, bei der Firma Leuna Harze im Chemiepark Leuna, ist vor wenigen Tagen eine Weltneuheit angefahren worden – die erste in Modulbauweise errichtete Anlage zur Chlor-Alkali-Elektrolyse. Sie ist aus vorgefertigten Puzzleteilen zusammengesetzt, die jeweils nur so groß wie ein Container sind, sich einfach transportieren und kurzerhand vor Ort montieren lassen, mit wenigen Anschlussstellen für Apparatur und Elektrik. Lediglich 15 Monate haben die Thyssen­Krupp-Tochter Uhde und regionale Partner für den Aufbau benötigt: Rekordtempo!

30 Millionen Euro hat die Anlage gekostet und noch mal 30 Millionen Euro eine ebenfalls neue zur Produktion von Epichlorhydrin. Beide werden Leuna Harze ein ganzes Stück unabhängiger machen.

Ein Argument für weitere Investoren

Das Unternehmen produziert sogenannte Epoxidharz-Systeme für die Herstellung von Lacken, faserverstärkten Kunststoffen, Baumaterialien sowie Komponenten der Elektrotechnik (Mehr unter: Schon gewusst? Vielseitiger Werkstoff). Chlor und das Folgeprodukt Epichlorhydrin sind dabei Vorstoffe – die bisher von außen zugekauft werden mussten. Jetzt produziert man selbst: allein 15.000 Tonnen Chlor im Jahr. „Das verbessert unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter“, sagt Geschäftsführer und Eigentümer Klaus Paur.

„Zudem stärkt es den Stoffverbund am Chemie-Standort“, so Paur. Denn erstmals in der über 100-jährigen Geschichte wird nun Chlor in Leuna produziert. Das sei für weitere Investoren ein zugkräftiges Argument.

In der Strategie von Leuna Harze sind die neuen Anlagen „ein weiterer wichtiger Schritt zur Rückwärtsintegration der Epoxidharz-Produktion“, erklärt der Geschäftsführer.

Man übernehme also diverse Zwischenschritte bei der Herstellung des Endprodukts. Damit hat das Unternehmen schon vor Jahren begonnen, als es eine Anlage zur Herstellung von sogenanntem Bisphenol F bauen ließ. Das alles bedeutet auch größere Eigenständigkeit bei der Rohstoffversorgung.

Zusätzliche Arbeitsplätze

Die neue Anlage sei auch unter dem Aspekt des Umweltschutzes ein Fortschritt, so Paur weiter. „Gefahrstoff-Transporte auf Straße und Schiene sind aufwendig, teuer und immer etwas heikel.“ Übrigens beziehe man das Glycerin, das bei der Herstellung des Epichlorhydrins eingesetzt wird, aus der regionalen Biodiesel-Produktion.

Seit 1995, als Leuna Harze aus Überbleibseln des Chemiekombinats ausgegründet wurde, ist das Unternehmen ständig gewachsen: In fünf Ausbauschritten wurden über die Jahre insgesamt 200 Millionen Euro in den Ausbau und die Modernisierung gesteckt. „Nichts spricht mehr für einen Standort als Investitionen“, kommentiert Paur lakonisch.

Mittlerweile beträgt der Jahresumsatz des Unternehmens mehr als 100 Millionen Euro. Der Mittelständler beschäftigt aktuell 150 Mitarbeiter und 12 Auszubildende. Tendenz steigend. Allein in den nächsten Monaten sollen 20 neue Mitarbeiter hinzukommen.

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