Elektronik

Welt-Empfänger


Wie Kathrein mit Antennen die Märkte erobert

Rosenheim. Weiße Flecken auf der Weltkarte? Da muss Professor Anton Kathrein erst einmal nachdenken. „Nein, da gibt‘s nicht mehr viele.“

Nur in einigen Randstaaten der zerfallenen Sowjetunion stehen keine Antennen aus seinem Unternehmen.

In allen anderen Weltregionen gibt es Technik von Kathrein zum Senden und Empfangen von Mobilfunk, Radio oder Fernsehen. „Mit eigener Produktion, Vertrieb oder beidem sind wir in 75 Ländern präsent“, berichtet der geschäftsführende Gesellschafter stolz.

Ein Jahresvisum für Kuba

Direkte Kontakte zu Kunden und Mitarbeitern sind dem Chef ganz wichtig. Deshalb ist er viel unterwegs – rund 200 Tage im Jahr. Da kommen eine Menge Kilometer zusammen: 350.000 im Flugzeug, 100.000 im Auto.

Denn das Firmennetz mit 60 Töchtern und 14 Werken spannt sich über die ganze Welt. Stammsitz des Marktführers für Antennensystem-Technik ist das beschauliche Rosenheim in Oberbayern.

In der Ferne ist Kathrein nicht nur in den Boom-Regionen China und Brasilien zu finden. Auch in kleineren exotischen Ländern. In Kuba etwa zeigt eine Tochtergesellschaft schon seit mehr als fünf Jahren Flagge.

Auf die Karibikinsel reist Anton Kathrein dreimal im Jahr – als einziger Bayer besitzt er ein Jahresvisum für Fidel Castros Reich. Zuletzt war der 60-Jährige im Februar dort. Und traf sich auf einer Messe mit dem Vizeminister für Informatik und Telekommunikation. „Ein guter Draht zur Politik gehört zum Geschäft“, sagt Kathrein.

In Kuba stellt das Unternehmen als Nummer eins im Markt Antennen für Mobilfunk-Basisstationen auf. „Die alten von der Kon-kurrenz hat gleich der erste Hurrikan  umgeknickt“, erzählt Kathrein. „Mit unseren passiert das nicht. Die halten Windgeschwindigkeiten bis 280 Stundenkilometer aus.“ Qualität ist sein Erfolgsrezept – eben typisch deutsch.

Die ersten Schritte ins Ausland hatte Anton Kathrein schon früh gewagt. 1972 war er im Alter von gerade einmal 21 Jahren Firmenchef geworden – nach dem frühen Tod seines Vaters, des Unternehmensgründers.

„Allein vom deutschen Markt könnten wir schon lange nicht mehr leben“, sagt er. 70 Prozent des für dieses Jahr erwarteten Umsatzes von 1,3 Milliarden Euro erzielt das Unternehmen im Ausland.

Und das Geschäft brummt: Der Auftragsbestand ist so hoch wie noch nie. Besonders stark wachsen die Märkte in Asien, Südamerika, aber auch in Afrika. Der schwarze Erdteil liegt Kathrein besonders am Herzen: „Afrika hat eine große Zukunft.“

Um dort zum Zug zu kommen, geht der Unternehmer manchmal ungewöhnliche Wege. In Südafrika hat er ein zehn Hektar großes Weingut gekauft. Der Grund klingt skurril: „Nur so bekommen wir  Aufträge vom Staat.“

Nach Kongo zum Staatspräsidenten

Dahinter steckt die Förderung der schwarzen Bevölkerung. Für seine Vertriebsgesellschaft am Kap findet Kathrein keine schwarzen Ingenieure. Deshalb entschied er sich für das Weingut, wo er Schwarz-Afrikaner beschäftigen kann. Der Beitrag zur Gleichberechtigung ist die Eintrittskarte für öffentliche Ausschreibungen.

Ziel von Kathreins nächster Afrika-Reise ist Kinshasa, die Hauptstadt von Kongo. Staatspräsident Kabila hat ihn eingeladen. So richtig freut sich der Unternehmer darauf aber nicht. Reisen in dem lange von einem Bür­gerkrieg gebeutelten Land sind beschwerlich. „Schon die Straße vom Flughafen in die Stadt ist sehr schlecht und gefährlich.“

Das macht einem wie Anton Kathrein aber nicht viel aus. Schließlich fährt er in seiner Freizeit begeistert Oldtimer-Rallyes.

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