Aufstiegschancen

Weiterbildung bringt’s: Vom Installateur zum Chef von 38 Leuten

Bad Berleburg. Das waren turbulente Zeiten für Andreas Haßler, vor fünf Jahren. Als er öfter mal zur freiwilligen Feuerwehr rüberging und sich einschloss – „um in Ruhe für die Meisterprüfung zu lernen“.

Der damals 44-jährige Feuerwehrmann war gerade Vater von Zwillingen geworden: „Dabei hatten wir schon drei Söhne.“ Und dann noch Pauken für den Meister? „Klar, das war nicht einfach“, erinnert sich Haßler. „Aber es hat sich gelohnt.“

Heute ist er Abteilungsleiter. Bei Ejot in Bad Berleburg (Siegen-Wittgenstein), einem führenden Hersteller von Verbindungstechnik, wo der gelernte Gas- und Wasserinstallateur bereits seit 25 Jahren arbeitet. Die Firma hat weltweit 2.600 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von fast 370 Millionen Euro.

Der berufliche Aufstieg von Haßler ist in dem Unternehmen kein Einzelfall. Es investiert kräftig in die Zukunft seiner Mitarbeiter. „Deutlich mehr als die Hälfte der Belegschaft bildet sich bei uns weiter“, sagt Andrea Neuland, Leiterin der Personalentwicklung, während sie in ihrem dicken Weiterbildungskatalog blättert. Ejot, so Neuland, wendet jährlich „einen hohen sechsstelligen Betrag“ für Schulungen auf.

Immer kompliziertere Maschinen und Fertigungsabläufe, Änderungen bei den gesetzlichen Regelungen sowie neue Software-Programme – all das mache lebenslanges Lernen unabdingbar. So denkt man in den meisten Betrieben: Laut einer aktuellen Analyse des IAB-Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit engagieren sich 54 Prozent der Firmen in Weiterbildung. Bei Großunternehmen wie Ejot sind es im Schnitt sogar 97 Prozent.

Selbst gestandene Mitarbeiter können in dieser Firma berufsbegleitend noch ein Wirtschafts- oder Ingenieurstudium machen. Wobei das Unternehmen in vielen Fällen das Gros der Kosten übernimmt. Rund 30 Beschäftigte absolvieren derzeit Lehr- und Studiengänge nach Feierabend.

Nach der Fortbildung zum Meister Chef von 38 Mitarbeitern

Ejot besetzt Führungspositionen bevorzugt mit eigenen Leuten. Wie Andreas Haßler. Dreimal die Woche drückte der Vater im Marburger Berufsbildungszentrum noch mal die Schulbank. Machte im Betrieb Überstunden, um Freiraum fürs Lernen zu haben. Aber die Plackerei hat sich bezahlt gemacht. Nun leitet der Industriemeister einen Teil der Logistik. Durch seine Abteilung gehen Millionen Schrauben für die Auto- und Bau-Industrie. Seine 38 Mitarbeiter sortieren und verpacken bis zu sechs Millionen Stück am Tag.

Svenja Boc fiel der Geschäftsleitung schon früh auf: Die Ausbildung zur Werkstoffprüferin schloss sie mit einer Eins ab. „Deshalb wurde ich gefragt, ob ich einen Meister-Lehrgang dranhängen will.“ Seit dem vergangenen Jahr macht die 25-Jährige das: „Die Familie ist stolz auf mich.“

Eine Meisterstelle peilt sie erst später an. „Ich fühle mich noch zu jung für Führungsaufgaben. 30 wäre das richtige Alter dafür.“ In der Zwischenzeit macht sie vielleicht noch eine Schulung zur Beauftragten fürs Qualitätsmanagement.


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