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Vom Azubi zum Abteilungsleiter und Chef von 160 Mitarbeitern

Weiterbildung beim Hausgeräte-Hersteller Miele: Diese Karriere hat sich gewaschen

Bastian Schultz hat es beruflich schon weit gebracht: Der Mann lernte bei Miele Industriemechaniker, bildete sich weiter zum Techniker. Er wurde Schichtleiter, dann Meister und schließlich Abteilungsleiter. Was treibt den Mann an?

In der Vormontage von Miele: Bastian Schultz mit Maschinenführer Ralf Stollhans. Hier kommen vor allem Roboter zum Einsatz. Foto: Wirtz

In der Vormontage von Miele: Bastian Schultz mit Maschinenführer Ralf Stollhans. Hier kommen vor allem Roboter zum Einsatz. Foto: Wirtz

„Wo ist hier der Fehler?“ Bastian Schultz mit einer Innentrommel für die Ausbildung. Foto: Wirtz

„Wo ist hier der Fehler?“ Bastian Schultz mit einer Innentrommel für die Ausbildung. Foto: Wirtz

Im Ski-Urlaub: Schultz braucht Sport – „sonst wird man schlapp und unzufrieden“. Foto: Wirtz

Im Ski-Urlaub: Schultz braucht Sport – „sonst wird man schlapp und unzufrieden“. Foto: Wirtz

Gütersloh. Beim Wäschewaschen macht sich der Mann keinen Kopf: Hauptsache, Buntes und Weißes nicht zusammenwerfen. Bastian Schultz schwärmt vom schonenden Waschen dank einer patentierten Wabenstruktur der Trommel mit winzigen Löchern. Er könnte auch das Innere der Maschine zerlegen und wieder zusammenbauen, aber wozu? „Eine Miele hält viele Jahre ohne Reparatur.“

Dass der 36-Jährige seinem Haushaltsgerät ein so gutes Arbeitszeugnis ausstellt, hat seinen Grund: Waschmaschinen sind sein Job. Schultz leitet die Aggregatfertigung bei Miele in Gütersloh, dem Stammsitz des Unternehmens. In der Abteilung werden Laugenbehälter und Innentrommeln aus Edelstahlblech gebogen, geschweißt, gelocht und vieles mehr.

Dann vereinen die Miele-Leute beide Bauteile mit weiteren Komponenten zu einem Aggregat, prüfen die Qualität, und ab geht es in Richtung Endmontage. Im Jahr läppert sich das zu rund 850.000 Waschmaschinen.

Ob Vater oder Onkel: Die halbe Familie arbeitet beim Hausgerätehersteller Miele

Schon seine Großeltern hatten eine Miele zu Hause. Der Opa war bei dem Hersteller, der Vater ist Qualitätsmanager im Werk in Bielefeld, beide Onkel arbeiten ebenfalls beim Weiße-Ware-Produzenten. Solche Familiengeschichten sind bei Miele keine Seltenheit. Schultz lernte hier Industriemechaniker, und es war ihm früh klar, dass er noch mehr lernen will.

Vier Jahre lang pendelte Schultz am Wochenende nach Osnabrück, um sich nebenberuflich als Techniker weiterzubilden. Samstags gab es Unterricht, sonntags Klausuren. Die Woche über hatte er im Dreischicht-Betrieb durchgearbeitet. „Da muss man schon den Alltag zu organisieren wissen. Wer in den Tag hineinlebt, hat keine Chance!“, weiß er. Doch einige seiner Freunde hatten sich für den gleichen Bildungsweg entschieden und zeigten Verständnis.

Als frischgebackener Techniker bekam Schultz das Angebot, stellvertretender Schichtleiter zu werden. Damals war er erst 25 Jahre alt. „Es gab nicht so viele junge Leute auf solchen Positionen in der Fertigung, und als junger Vorgesetzter muss man sich Gehör verschaffen, mit gutem Beispiel und mit Fingerspitzengefühl vorgehen können.“

In der Schlüsselposition ist Bastian Schultz verantwortlich für rund 160 Mitarbeiter

Bald wurde Schultz Schichtleiter, dann Meister für die Vormontage der Aggregate, kümmerte sich um die Inbetriebnahme einer neuen Fertigungsstraße. Seit Anfang 2018 ist er für die gesamte Aggregatfertigung mit rund 160 Mitarbeitern verantwortlich – und ist auch eingebunden in das Qualitätsmanagement, die Personalplanung und die Ausbildung.

Schultz: „Ohne Aggregate können die anderen Abteilungen nicht produzieren, deshalb müssen wir die Anlagen bei einem Variantenwechsel schnell umrüsten und Störungen zügig beheben.“ Da jede neue Waschmaschinen-Generation veränderte Komponenten mit sich bringt, muss Schultz auch eng mit der Konstruktion, der Gießerei und dem Presswerk zusammenarbeiten, damit Stückzahlen und Qualität stimmen.

Trotz des anspruchsvollen Jobs macht Schultz nebenbei an der Fachhochschule Münster ein Wirtschaftsingenieur-Studium, schreibt gerade seine Bachelorarbeit. Vor Klausuren nehme er sich auch mal einen Tag Gleitzeit oder Urlaub.

Neue Herausforderungen gehören auch in der Freizeit dazu

Nun liegt er nach einer derart stressigen Woche geschafft auf dem Sofa? Denkste! Auf dem Kalender stehen Joggen, Mountainbiking und Fitnessstudio. „Ohne Sport wird man schlapp und unzufrieden.“ Auch den Urlaub mag er aktiv. Im Sommer steht Schultz auf dem Surfbrett, im Winter auf Skiern.

Neue Herausforderungen gehören halt auch in der Freizeit dazu. „Ich habe spät mit dem Skifahren angefangen“, sagt er: „Im Erwachsenenalter lernt man es zwar nicht so schnell und gut. Aber möglich ist es.“  


Persönlich:

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Etliche Familienmitglieder arbeiten bei Miele, und ich hatte immer schon Interesse an einem technischen Beruf.

Was reizt Sie am meisten?

Die Abwechslung zwischen Bürojob und hochinteressanter Fertigung. Es macht Spaß, Verantwortung zu tragen und Leute voranzubringen.

Worauf kommt es an?

Auf Leistungsbereitschaft und die Fähigkeit, sofort die richtige Lösung mit kühlem Kopf zu finden, auch wenn die Bürotür im Sekundentakt auf- und zugeht.

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