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Weich und belastbar


Trumpler produziert umweltfreundliche Fettchemie für Lederwaren

Worms. Schuhe, Handtaschen, Sitzmöbel oder Autogarnituren: So richtig edel sind sie oft nur aus Leder. Die Bearbeitung der Häute ist ein langer Prozess. Ohne Chemie geht es gar nicht. Trumpler in Worms ist Spezialist auf dem Gebiet: Das Unternehmen stellt seit 1868 Fette und chemische Hilfsmittel für die Gerbung her.

Testen in der eigenen Versuchsgerberei

In der Produktion reiht sich Kessel an Kessel. 60 Kilometer Rohrleitungen schlängeln sich durch die Hallen. Sie fördern und entsorgen die gelagerten Fette, Rohstoffe und Basisprodukte. Chemikant Fuat Sen greift an ein Ventil und reguliert die Einstellung.

„Ich kontrolliere die Anlagen und fülle die Kessel mit den jeweiligen Rezepturen“, erklärt der 23-Jährige. Mit den fertigen Produkten werden später die Tierhäute entfettet, enthaart und gegerbt. Das verhindert die Fäulnis. Beim Gerben fixieren die speziellen Zusätze die Hautfasern. Das Ergebnis: Leder.

Bevor die pflanzlichen und synthetischen Gerbstoffe und Fettungsmittel bei den Kunden landen, testet Trumpler sie in seiner hauseigenen Versuchsgerberei. In rotierenden Fässern werden die Häute wie in einer Waschtrommel mit den Chemikalien durchmischt.

Patrick Junker greift sich ein nasses Stück und trägt es zur nächsten Station. Der 23-Jährige ist der erste Gerber-Lehrling in Worms. „Ein interessanter und seltener Job“, sagt er stolz und lächelt. „Nur die Arbeit mit den rohen Häuten war anfangs gewöhnungsbedürftig.“ Diese werden von der Fleisch-Industrie geliefert. Meist stammen sie von Rindern. Aber auch Ziegen- und Schafshäute sind dabei.

Nach dem Gerben drückt eine sogenannte Ausreckmaschine das Wasser wie eine Heißmangel aus dem Leder und verteilt die Falten. Welche Eigenschaft das Leder bekommt, wird durch das Fettungsmittel bestimmt. „Je nach Anwendung und Kundenwunsch soll sich das Leder zum Beispiel in Weichheit und Dehnbarkeit unterscheiden“, erklärt Christiane Weißenbach, Leiterin der Abteilung Nasszurichtung.

Kunden in der ganzen Welt

Anwendungstechniker Andreas Frank nimmt ein getrocknetes Stück in die Hand. Im Labor prüft der 37-Jährige die Belastbarkeit, Reißfestigkeit und Wasserabweisung. Er nickt zufrieden. Erst wenn die Qualitätskontrolle ihr Okay gibt, verlassen die chemischen Mittel das Werk.

Rund 200 Spezialitäten hat der Chemiebetrieb im Sortiment. Er beliefert Gerbereien auf allen fünf Kontinenten. Weltweit gibt es Produktionsstandorte.

Umweltschutz schreibt das Unternehmen groß: Mehr als 50 Prozent der Rohöle stammen aus nachwachsenden Ressourcen wie Raps und Sonnenblumen. Zudem investierte Trumpler 2011 rund 500.000 Euro in eine thermische Nachverbrennungsanlage. Sie reduziert den Ausstoß von Treibhausgasen, die bei der chemischen Behandlung der Rohstoffe entstehen. „Wir liegen 90 Prozent unter den erlaubten Grenzwerten“, sagt Geschäftsführer Thomas Feigel.

 

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