Ausbildung

Wege in die Modewelt


Experten empfehlen eine klassische Grundlage - die Schneiderlehre

Wolfgang Joop, Karl Lagerfeld, Jil Sander: Das sind klangvolle Namen, die junge Leute von der Modebranche träumen lassen. Doch geniale Geistesblitze reichen nicht aus, um solchen Star-Designern nachzueifern: Bei aller Kreativität sollte man erst einmal mit einer Nähmaschine umgehen können.

„Eine Schneider-Ausbildung ist immer eine gute Basis für angehende Designer“, sagt Uwe Kauert, Chef von Cinque Uomo in Mönchengladbach. „Je wichtiger die Passform der Teile ist und je höher der Anspruch an den Schnitt, desto wichtiger die technische Qualifikation.“ „Eine solide Berufsausbildung ist im Design-Bereich von Vorteil“, weiß auch Jürgen Pistol, Leiter Human Ressources bei Gerry Weber in Halle (Westfalen).

Sehr gutes Englisch nötig

Für Axel Alhorn, Bugatti-Personalleiter in Herford, geht ohne Lehre gar nichts: „Bei uns ist die technische Ausbildung unabdingbar – man muss wissen, was in den industriellen Abläufen umsetzbar ist.“

Nach einer Schneiderlehre gibt es dann viele Möglichkeiten, die kreative Richtung einzuschlagen: die Weiterbildung zum Schnitttechniker oder zur Schnittdirektrice, ein Modedesign-Studium, den Besuch einer Modeschule – oder auch den internen Aufstieg innerhalb der Firma.

Wer in Sachen Design aktiv werden will, darf jedenfalls keine Angst vor dem Computer haben. Außerdem braucht man sehr gute Englischkenntnisse. Das wichtigste Erfolgsgeheimnis heißt aber: Praxis, Praxis, Praxis! „Leute, die direkt von den Modeschulen kommen, erleiden meist einen regelrechten Praxisschock“, weiß Cinque-Uomo-Chef Kauert. Denn die Kreativität muss zum Stil des Hauses passen. Einzelgänger mit abgedrehten Ideen, die mal eben ein paar Skizzen aufs Papier werfen – so sieht der Alltag nicht aus: „Designer müssen teamfähig sein“, betont Jürgen Pistol von Gerry Weber. In der Praxis ist nämlich jeder Entwurf Teamwork.

Knallharte Branche

Bei Bugatti vertraut man zum Beispiel auf die Erfahrung von Designerin Angelika Kotlarski, die den Sportswearbereich verantwortet. Sie bespricht jedes Modell mit dem Vertrieb, der weiß, was der Kunde kauft. Auch der technische Leiter Michael Barke hat ein Wörtchen mitzureden: Es kommt vor, dass ein Entwurf geändert werden muss, damit die Produktion effektiver läuft.

Wer eine Position wie Kotlarski erreicht hat, dem bleibt fürs Privatleben oft nur wenig Zeit. „Viele hören nur New York oder Mailand – aber sehen nicht, dass man auf solchen Reisen den ganzen Tag unterwegs ist, um sich über die aktuellen Trends zu informieren.“ Kotlarski ist eigentlich immer auf Ideensuche, egal, ob sie fernsieht oder im Urlaub ist: Notizen und Fotos sind der Fundus, aus dem sie die neuen Kollektionen entwickelt. Und das muss schnell gehen: Für jede Saison entwirft sie in nur vier bis sechs Wochen 50 bis 60 Modelle.

Die Modewelt ist knallhart und verzeiht Fehler selten. „Es gibt kaum eine Branche, in der man so schnell vom totalen Erfolg zum totalen Absturz kommen kann“, warnt Cinque-Uomo-Chef Kauert. Es gebe aber hervorragende Perspektiven: „Wirklich gute Designer sind schwer zu finden und haben daher viele Möglichkeiten.“

Designer werden dringend gesucht

Jürgen Pistol von Gerry Weber pflichtet ihm bei: „Seit einigen Jahren gibt es einen großen Nachholbedarf: Qualifizierte Modedesigner werden dringend gesucht.“

Übrigens: Auch der technische Bereich bietet Chancen – und wiederum ist die Schneiderlehre eine perfekte Grundlage. Danach kann eine Fortbildung zum Techniker folgen oder ein Studium der Bekleidungstechnik. „Diese Kräfte werden auch an unseren Produktionsstätten im Ausland eingesetzt“, sagt Bugatti-Personalleiter Alhorn. Wer Spaß an der Mode und ein Händchen für Technik hat, kann also auch so die große, weite Modewelt kennenlernen.

www.textile-your-future.de

www.modedesign.de

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