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Wechselt die Reifen der Düsenjets: Die Räderwerkstatt der Lufthansa in Frankfurt

Frankfurt. Wenn Dirk Heil und sein Team einen Reifenwechsel machen, dann ist das eine aufwendige Sache. Schließlich sind die Räder, die sie tauschen, bis zu 300 Kilogramm schwer. Und sie haben einen Durchmesser von fast 1,5 Metern!

Heil leitet die Lufthansa-Räderwerkstatt am Frankfurter Flughafen. Rund 26.000 Reifen wechseln seine Mitarbeiter jedes Jahr – von den kleinen Kurzstreckenflugzeugen bis zum Airbus 380.

Ein A 380-Rad trägt das Gewicht eines Lkw

Die Werkstatt kümmert sich um die Reifen von rund 900 Flugzeugen – nicht nur für die Kranich-Linie, sondern auch für zahlreiche andere europäische Airlines. Sie ist eine der weltgrößten Räderwerkstätten.

Und es läuft vieles anders als in der Autowerkstatt. So gibt es bei Jets keine Sommer- und Winterreifen: Flugzeuge haben das ganze Jahr das gleiche Profil; tiefe Längsrillen sollen das Flugzeug vor Aquaplaning schützen. Die Reifen bei Lufthansa, so betont Werkstattleiter Heil, müssen ganz andere Gewichte aushalten: „Bei einem A 380 lastet auf jedem der 20 Haupträder das Gewicht eines Lkw. Und bei der Landung beschleunigen die Räder innerhalb von Sekunden von 0 auf fast 300 Stundenkilometer.“

Entsprechend schnell nutzen die Reifen ab. Ausgetauscht werden sie exakt dann, wenn das Profil nicht mehr ausreichend ist: Bei Kurzstreckenfliegern ist das etwa alle drei Wochen der Fall, nach etwa 250 Landungen. Bei der Langstrecke, wo man viel seltener startet und landet, gibt es nur etwa dreimal im Jahr neue Reifen.

Ist das Rad mit einem speziellen Hydraulikheber abmontiert, bauen es die Ingenieure komplett auseinander. Erst dann kann der Reifen abgenommen und zur Erneuerung zum Hersteller geschickt werden. „So ein Rad kann aus bis zu 80 Teilen bestehen, und davon muss ein Großteil abgeschraubt werden“, berichtet Heil.

Anschließend werden alle Einzelteile gereinigt, begutachtet und mit speziellen Verfahren auf Risse überprüft. Ist das Rad wieder zusammen und mit einem neuen Reifen versehen, wird dieser mit Stickstoff gefüllt. Das Gas kühlt und wirkt der schnellen Erhitzung bei Start und Landung entgegen.

Besteht der Reifen die letzte Endkontrolle, ist das Rad wieder bereit zum Fliegen. Fünf Stunden hat es dann in der Werkstatt verbracht. Der Wechsel am Jet dauert etwa 30 Minuten.

Während das Rad – versehen mit anderem Reifen – schon wieder in der Luft ist, wird der alte Reifen noch beim Hersteller erneuert. „Dort wird von Hand das verbliebene Profil abgeraspelt“, erklärt Heil. „Dann wird neues Gummi wie Zahnpasta aufgetragen und alles in einer Form gebacken.“ Anschließend geht der Reifen zurück nach Frankfurt, um mit einem anderen Rad wieder montiert zu werden. So wird der Reifen bis zu achtmal runderneuert, bis er schließlich ganz ausgewechselt wird.

Wie schnell ein Reifen abnutzt, hängt auch von der Jahreszeit ab. „Im Sommer haben wir doppelt so viele Reifenwechsel wie im Winter“, sagt Heil. Das liege nicht nur daran, dass im Sommer mehr Menschen verreisen. Bei Hitze nutzten sich die Reifen schneller ab.

140 Mitarbeiter hat die Reifenwerkstatt – 90 von ihnen sind für Räder zuständig, die anderen beschäftigen sich mit Bremsen. Momentan arbeiten sie noch auf 5.500 Quadratmetern. Aber im Januar 2017 soll die Werkstatt auf 14.000 Quadratmetern neu eröffnen. Und noch mehr Reifen versorgen.


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