Arbeitsmarkt

Was wird aus Europas Jugend?


Chancen auf Berufseinstieg sinken dramatisch – aber nicht in Deutschland

Luxemburg. Wer leidet in Europa am stärksten unter der Wirtschaftskrise? Monat für Monat wird deutlicher: Es sind die jungen Leute! Sie verlieren ihre Jobs – oder finden gar nicht erst einen.

Mehr als 5,2 Millionen Arbeitslose unter 25 Jahren meldet die EU-Statistikbehörde Eurostat. Ob in Frankreich, Irland, Polen oder Schweden: Die Quote steigt rasant, jeder Fünfte ist inzwischen betroffen, in England warnen seriöse Zeitungen schon vor einer „verlorenen Generation“. In Spanien schaffen sogar 38 Prozent des Nachwuchses keinen Berufseinstieg.

Ausbildungspakt hat gewirkt

Unter den großen EU-Staaten gibt es nur eine bemerkenswerte Ausnahme: Deutschland. Zwar hat in den letzten Monaten die weltweite Krise auch bei uns die Jugend erwischt, stärker als alle anderen Altersgruppen. Aber der Anteil der Berufsanfänger, die jetzt statt eines Jobs nur Frust und Langeweile finden, ist immer noch deutlich niedriger als 2005!

Damals hatte sich die Große Koalition vorgenommen, „die Jugendarbeitslosigkeit nachhaltig zu senken“. Das gelang: dank der Bemühungen von Politik und Wirtschaft (Stichwort: Ausbildungspakt) und dank eines kräftigen Aufschwungs.

Auch im Rezessionsjahr 2009 müssen sich junge Leute in Deutschland weniger Sorgen um ihre Zukunft machen als die meisten ihrer europäischen Altersgenossen. Das liegt zum einen an unserem „dualen“ Ausbildungssystem: Wer eine solide betrieblich-schulische Lehre absolviert hat, wird seltener arbeitslos. Zum anderen hilft der demografische Wandel: Die Zahl der Schulabgänger sinkt.

Im Zuge der Krise haben Industrie und Handel zwar weniger Lehrstellen besetzt als im Vorjahr: Ein Minus von 9 Prozent hat die Spitzenorganisation DIHK per Ende August ermittelt. Aber noch stärker, um 14 Prozent, ist laut Bundesagentur für Arbeit die Zahl derer ge-sunken, die eine betriebliche Ausbildung anstreben.

Lehrstellen-Lücke schrumpft weiter

Und so notiert die Bundesagentur in ihrem jüngsten Monatsbericht: Im August hatte sie noch 99.000 potenzielle Azubis in den Akten – aber auch 65.000 freie Plätze. Fazit: „Die rechnerische Differenz zwischen unbesetzten Ausbildungsstellen und noch unversorgten Bewerbern hat sich gegenüber dem Vorjahr weiter verringert.“ Womöglich schließt die Nachvermittlung die Lücke.

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Schlagwörter: Arbeitszeit

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