Rauchen

Was wird aus den Rauchern?


Früher Morgen bei Kaco Gerätetechnik in Ne­ckarsulm: In die schwäbische Fabrik, die sogenannte Wechselrichter produziert, schleppt der Fahrer eines Bio-Hofs kistenweise Orangen, Äpfel und Bananen. Die Rechnung kriegt der Chef. Ralf Hofmann will, dass seine Leute ge­sund leben. Vor allem aber will er nicht, dass sie ungesund leben. Wer eine Zigarette rauchen will, hat’s ziemlich schwer – so wie inzwischen in vielen deutschen Betrieben.

Die Sachlage bei Kaco sieht so aus: Auf dem gesamten Betriebsgelände herrscht absolutes Qualmverbot. Der Firmenchef hat Süchtigen schon höchstpersönlich das Erfolgsbuch „Endlich Nichtraucher“ in die Hand gedrückt, sie zu Entwöhnungs-Kursen eingeladen, zum Beispiel Holger Heim (28), den Leiter der Platinen-Bestückung: „Eine Schachtel am Tag war das schon“, beschreibt er seine Vergangenheit, schnappt sich einen Ap­fel, und sagt: „Ich bin froh, dass ich aufgehört habe. Das hat nur Positives.“

Unterschrift einmal im Monat

In dem Unternehmen, das immerhin 250 Mitarbeiter be­schäftigt, sind derzeit kaum Raucher bekannt. Und die Belegschaft ist ziemlich ge­sund. „Wir haben einen Krankenstand von unter 2 Prozent“, freut sich Personalleiter Daniel Holzaepfel. Im deutschen Durchschnitt sind 3,4 Prozent aller Mitarbeiter krank.

Ähnlich entschlossen agiert die Geschäftsführung der Berliner Großdruckerei Laserline: Sie bietet jedem Mitarbeiter in jedem Monat einen 100-Euro-Schein als Belohnung fürs Nichtrauchen. Etwa 110 der 160 Mitarbeiter kassieren die Prämie. Dafür müssen sie unterzeichnen, dass sie im zu­rückliegenden Monat abstinent waren – natürlich auch privat. Auch hier ist das Motiv durchaus betriebswirtschaftlich: Raucher kosten den Betrieb Geld.

Was ist dran? Die „Nichtraucher-Initiative Deutschland“ fand mit Daten des Statistischen Bundesamtes heraus: Raucher und Ex-Raucher sind um 50 Prozent öfter krank als „Nie-Raucher“. Und das in München ansässige „Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen“ schätzte schon vor Jahren die Kosten von nikotin- und teerbedingter Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung auf gut 8 Milliarden Euro per annum.

Natürlich gibt es viele eindrucksvolle Gegenbeispiele – Altkanzler Helmut Schmidt lässt grüßen. Dennoch: Rauchen ist und bleibt nun einmal ein Laster. Wer deswegen gegen Vorschriften und Vereinbarungen verstößt, kann sogar den Job riskieren: Bei Laserline wurde einem Mitarbeiter gekündigt, weil er die Nichtraucher-Prämie kassierte und trotzdem heimlich rauchte. Firmensprecher An­dreas Romey: „Das ist Be­trug.“ Einen Feldzug ge­gen Raucher gebe es nicht: „Ich ha­be selbst gelegentlich Pfeife ge­raucht und die Prämie nicht immer beantragen können. Deswegen wird aber keiner ge­schnitten oder benachteiligt.“

Den Kindern ein Vorbild sein

Etwas ganz anderes haben sich die Geschäftsführer bei Rolladen Braun in der Oberpfalz (75 Mitarbeiter) einfallen lassen: Sie stiften für jeden ehemaligen Raucher, der ein ganzes Jahr lang auf Glimmstängel verzichtet hat – eine Parkbank! Die wird in der Gemeinde Weiding aufgestellt. „Da ist dann der Name des Mitarbeiters eingraviert“, veranschaulicht Wolfgang Braun, der den Betrieb mit seinen drei Brüdern führt.

Für sie war weniger ausschlaggebend, dass Raucher Kosten verursachen. „Wir wollten einfach diejenigen unterstützen, die aufhören möchten“, sagt Braun. „Wenn wir gleichzeitig der Gemeinde etwas Gutes tun können, umso besser.“ Der Startschuss fiel im Sommer. Marcus Schlamminger (31) freut sich schon auf „seine“ Bank. „Ich wollte sowieso aufhören, hätte es sonst irgendwann später versucht“, sagt er. Er will seinen zwei Kindern ein Vorbild sein.

Und was, wenn der Wunsch nach einer Fluppe mal groß ist? Das Problem kennt der Fensterbauer – und er weiß auch die Lösung: „Dann hole ich mir Schokolade.“ 

Die Fakten: 29 Prozent qualmen – jeder Zweite von ihnen will aufhören

Auch ohne technischen Grund, etwa Brandgefahr, kann im Betrieb ein generelles Rauchverbot verhängt werden. Das steht im „Ge­setz zum Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens“, das seit September 2007 Teil der Arbeitsschutz-Verordnung ist. Die EU-Kommission geht noch weiter: Sie will das Rauchverbot am Arbeitsplatz so­gar zwingend vorschreiben.

Laut Institut für Demoskopie Allensbach rauchen aktuell nur noch 29 Prozent der Bundesbürger ab 14 Jahren. Im Jahr 2003 waren es noch 34 Prozent. Und 1950 rauchte noch jeder Zweite, von den Männern sogar 88 Prozent.

Laut Apotheker-Verband ABDA wollen 54 Prozent der Raucher angeblich aufhören. Die Zahl der Zigaretten-Automaten hat sich in sieben Jahren auf bun­desweit 400.000 halbiert. Und auch wenn die Statistik wegen der Schmugg­lerware lü­cken­haft ist: Der Pro-Kopf-Absatz von Zigaretten geht zurück, ebenso wie der Absatz von „Feinschnitt“ zum Selberdrehen. 

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang