Innovation

Was Waagen alles wissen


Hersteller Mettler-Toledo entwickelt Geräte, die sogar Rezepte kennen

Albstadt. Erstaunte Gesichter im Supermarkt: Die Dame hinter der Theke wiegt das Fleisch für den Tafelspitz. Und schon sprudelt ein Rezept für die passende Meerrettichsoße aus ihr heraus. Prima, aber woher hat sie das so spontan? Die Antwort: Aus der Waage. Lebensmittel-Waagen können heute viel mehr als nur eine Zahl anzeigen.

Einer der großen WaagenHersteller ist das Schweizer Unternehmen Mettler-Toledo, das auch im schwäbischen Albstadt ein Werk betreibt. Dort geht die Entwicklungsarbeit so schnell nicht aus. Marketing-Leiter Daniel Joha erklärt: „Nur wiegen allein genügt schon lange nicht mehr.“ Supermärkte erwarteten von ihren Waagen zum Beispiel, „dass sie Zubereitungstipps geben, oder die Inhaltsstoffe und das Herkunftsland nennen“.

Einzelhandel will mit Service punkten

Der Hintergrund: Anspruchsvolle Kunden wollen zum Beispiel wissen, ob das Brot Gluten enthält. Oder der Käse Laktose. Oder ob das Rindfleisch bio ist. Hier will sich der Einzelhandel gegenüber den Discountern behaupten, erklärt Joha, und mit mehr Beratung aufwarten. „Davon lebt das Geschäft“, so der Marketing-Fachmann, „denn wo man sich gut beraten fühlt, kauft man gerne ein.“

Aber wie kommen die Daten in die Waage? Sie werden einprogrammiert. Moderne Waagen hängen am Computersystem des Supermarkts, per Netzwerk-Anschluss. Es fließen nicht nur Daten rein, sondern auch wieder raus. Denn Supermärkte werten aus, was sich wann wie gut verkauft. So können sie die gefragteren Obstsorten gleich weiter vorne präsentieren als die weniger beliebten.

Die schlaue Waage ist ein Trend, dem technisch fast keine Grenzen gesetzt sind.

So könnte die Waage der

Zukunft mit dem aktuellen Wetterbericht kombiniert werden, und bei Sonnenschein vor allem Grillspezialitäten empfehlen. Und wer die Grillsteaks kauft, bekommt über das Display auch gleich Hinweise auf dazu passende Angebote, zum Beispiel die Kräuterbutter.

Geräte-Entwickler beobachten Kunden

Auf solche Ideen kommen die Waagen-Entwickler aus Albstadt, indem sie mit Filialleitern und Verkäuferinnen sprechen. Manchmal sei es auch aufschlussreich, einfach mal die Kunden im Gemüsebereich zu beobachten, sagt Joha.

So ist die Selbstbedienungswaage entstanden, die weiß, was drauf liegt. Sie ist seit 2008 auf dem Markt. Ihr Geheimnis: Dieses Modell erkennt die Ware, gleicht das Bild mit gespeicherten Daten ab und bietet auf dem Touch-screen Fotos an. Drückt der Käufer drauf, wird das Etikett produziert. Der Verbraucher muss sich weder Nummern merken noch mühsam aus unzähligen Bildchen das richtige raussuchen.

Zu viel sollten Sie im Supermarkt freilich nicht erwarten. So gibt es noch keine Waage, die Ihnen den Einkaufskorb trägt ...!

Rut Katzenmaier

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