Gesundheit

Was Urin-Tests über unsere Gesundheit verraten

Mannheim. Wer beim Arzt diskret auf der Toilette verschwindet, muss vermutlich eine Probe abgeben: „Durch die Untersuchung des Urins lassen sich bestimmte Krankheiten im Frühstadium erkennen“, weiß Manfred Maurer von Roche Diagnostics in Mannheim. Das Gesundheitsunternehmen stellt Teststreifen her, die eine schnelle Urindiagnostik ermöglichen – Maurer leitet diese Abteilung.

Mit dem Urin scheidet der Körper Stoffe aus, die er nicht mehr braucht. Diese können auf bestimmte Krankheiten hinweisen, noch bevor wir sie bemerken. Dazu gehören Erkrankungen von Niere, Diabetes oder der Leber.

Das Verfahren ist einfach zu handhaben und rezeptfrei in der Apotheke als Selbsttest erhältlich: Einen Teststreifen (Combur 5 Test) eine Sekunde lang in ein Probengefäß mit dem Urin tauchen, gut eine Minute Reaktionszeit abwarten und schon wird das Ergebnis sichtbar.

Die Streifen bestehen aus einer stabilen Trägerfolie. Darauf sitzen farbige Testfelder. Diese sind nur mit einem Nylonnetz fixiert: „So vermeiden wir falsche Testergebnisse, die durch Klebstoffe verursacht werden können“, erklärt Maurer. Die Felder enthalten spezielle Reagenzien: Diese verändern deutlich ihre Farbe, sobald der Harn bestimmte Stoffe enthält. Experten nennen das „Farbumschlag“.

Nach einer Minute lässt sich das Ergebnis ablesen, indem man die individuelle Verfärbung mit Standard-Farbquadraten einer mitgelieferten Farbskala vergleicht. Tückisch: Mit dem Urin scheiden wir auch überschüssiges Vitamin C aus. Jede fünfte Probe kann Konzentrationen enthalten, die das Testergebnis potenziell verfälschen.

„Unsere Teststreifen sind deshalb mit Jodat, einem Salz, imprägniert“, erläutert Maurer. „Das eliminiert das Vitamin C im Urin.“ So werden falsch-negative Ergebnisse für die Blut- und Glukosewerte (Zucker) verhindert.

Die Idee, im Urin etwas über die Gesundheit abzulesen, ist übrigens nicht neu: Schon der griechische Arzt Hippokrates beobachtete vor über 2.000 Jahren Veränderungen von Geruch und Farbe des Harns bei Krankheiten. Im Mittelalter versuchte man, von der Farbe des Urins auf Krankheiten zu schließen. Den ersten „Teststreifen“ entwickelte der Pariser Chemiker Jules Maumené: Er imprägnierte im Jahr 1850 Merinowolle mit „Zinnchlorür“ (Zinnsalz) und erhitzte ein mit Urin benetztes Stoffstück über einer Kerze. Färbte es sich schwarz, enthielt die Probe Zucker – ein Hinweis auf Diabetes.

„Industriell gefertigte Teststreifen gibt es seit den 50er-Jahren“, sagt Maurer. Roche Diagnostics (früher Boehringer Mannheim) brachte 1964 seine ersten Urinteststreifen mit drei verschiedenen Parametern auf den Markt, heute sind es bis zu zehn: spezifisches Gewicht, pH-Wert, Leukozyten (weiße Blutkörperchen), Blut, Eiweiß, Glukose sowie die Stoffwechselabbauprodukte Nitrit, Keton, Urobilinogen und Bilirubin.


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