Gute Laune, gute Arbeit

Was Unternehmen für die seelische Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun


Waldkirch. Die Sensoren von Sick lotsen Reisekoffer am Flughafen sicher zu ihrem Ziel, sie erkennen Schiffe in den Schleusen des Panama-Kanals und schützen die Kunstschätze im Pariser ­Louvre vor Diebstahl.

Damit das Unternehmen in Waldkirch bei Freiburg auf Dauer so innovativ bleibt, müssen alle, die dort arbeiten, top sein: „Wir sind auf die Kompetenz unserer Mitarbeiter angewiesen“, sagt Sick-Personalchef Andreas Grieger. Voraussetzung für deren Leistungsfähigkeit sei die Gesundheit – auch die psychische: „Da unsere Lebens- und Arbeitswelt immer komplexer wird, sind die psychischen Belastungen heute stärker im Blickfeld“, ergänzt er.

Unternehmen werden heute zunehmend in die Pflicht genommen, psychische Gefährdungen zu bewerten. Doch das war bei Sick nicht ausschlaggebend.

Das Hightech-Unternehmen hat bereits 2005 ein Verfahren dazu entwickelt und in mehreren Pilotphasen getestet. Seit 2012 wird es an den deutschen Standorten der Sick AG eingeführt: Jedes Jahr werden einige Hundert der rund 3.000 Arbeitsplätze mit der „Ganzheitlichen Gefährdungsbeurteilung“ (GGB) überprüft.

„Mittels Fragebögen an Mitarbeiter und Führungskräfte werden mögliche Fehlbelastungen wie Arbeitsunterbrechungen, Zeitdruck oder Überforderung abgefragt“, erklärt Stefanie Schulze, die bei Sick diesen Prozess umsetzt.

In den anschließenden Workshops sollen die Mitarbeiter dann selbst die Ergebnisse bewerten. Zum Beispiel, ob sie häufige Unterbrechungen bei der Arbeit als positiv oder eher als Stress empfinden.

Schließlich wird jede Gruppe dabei unterstützt, selbst Verbesserungsvorschläge zu entwickeln. Etwa Regeln im Team, wann sich Kollegen gegenseitig ansprechen dürfen und wann das ungestörte Arbeiten absolute Priorität hat.

„Wir wollen alle Mitarbeiter mit ins Boot holen und in die Verantwortung nehmen“, beschreibt Grieger. „Bearbeiten statt jammern“ heißt bei Sick die Devise. Deshalb wurde auch nach den positiven Faktoren gefragt, wie Gemeinschaftsgefühl oder unterstützendes Führungsverhalten.

Jedes Jahr wird ermittelt, was sich verbessert hat

Für Grieger war ein Ergebnis ganz deutlich: „Es sind viele kleine Themen, an denen man arbeiten kann.“ So kann schon mehr Freiheit bei der Urlaubsplanung den Spaß bei der Arbeit fördern. Aber natürlich gibt es auch dickere Brocken wie Konflikte in Arbeitsgruppen oder Zeitdruck, wenn jemand am Ende einer Produktionskette sitzt. Dann kommen ganze Prozessabläufe auf den Prüfstand.

Damit die gewonnenen Erkenntnisse nicht im Alltag untergehen, wird jedes Jahr mit einem angepassten Fragebogen ermittelt, was sich verbessert hat. Die Maßnahmen werden außerdem von „GGB-Kümmerern“ begleitet: Mitarbeiter, die sich dafür ehrenamtlich engagieren. Der Aufwand lohnt, ist sich Grieger sicher. „Damit verfügen wir über ein Frühwarnsystem. Unsere Mitarbeiter müssen heute länger arbeiten können.“ Es sei für jede Firma ratsam, sich mit dem Thema zu befassen. „Dazu brauchen wir keine neuen Verordnungen. Wir sollten die bestehenden intelligent nutzen.“

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