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Starthilfe für Ingenieure

Was soll ich studieren? Das Projekt MINToring gibt Schülern Orientierung

Mit der Berufswahl sind viele Jugendliche überfordert. Deshalb hat der Arbeitgeberverband Südwestmetall ein spezielles Angebot für alle, die sich grob für Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik interessieren.

Auf Augenhöhe: Linda Mally erklärt Bao-Huong Nguyen und Jana Skrobanek ein Propellermodell (von links). Foto: Stoppel

Auf Augenhöhe: Linda Mally erklärt Bao-Huong Nguyen und Jana Skrobanek ein Propellermodell (von links). Foto: Stoppel

Aufmerksam: Die Schülerinnen bekommen Infos über Studieninhalte. Foto: Stoppel

Aufmerksam: Die Schülerinnen bekommen Infos über Studieninhalte. Foto: Stoppel

Hilfreich: Mathematiker Norbert Röhrl gibt einen Einblick in das Studienfach. Foto: Stoppel

Hilfreich: Mathematiker Norbert Röhrl gibt einen Einblick in das Studienfach. Foto: Stoppel

Stuttgart. Drei junge Frauen beobachten gespannt ein Propeller-Modell: So sieht eine typische Lernsituation aus, in der ältere Studenten interessierten Abiturienten ihr Fach näherbringen. Das Projekt heißt MINToring. Und das Studienfach ist in diesem Fall Luft- und Raumfahrttechnik.

Linda Mally (24) studiert es an der Universität Stuttgart. „Die Winkel der Rotorblätter kann man hier verstellen“, sagt sie und zeigt auf das Modell. Mally ist neben ihrem Masterstudium Mentorin in dem Projekt, mit dem der Arbeitgeberverband Südwestmetall Studien-Interessierte und -Anfänger in einem MINT-Fach unterstützt. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Die junge Frau erklärt ihren Zuhörerinnen: „Unsere Aufgabe war es, von diesem Modell eine Konstruktionszeichnung zu machen.“

Das Programm ist eine Chance, Studiengänge kennenzulernen

Jana Skrobanek (17) und Bao-Huong Nguyen (18) staunen und wollen wissen: „Wie lange hat man dafür Zeit?“ Die beiden Schülerinnen stehen vor dem Abi und streben ein Studium in einem technischen oder naturwissenschaftlichen Fach an. Doch welches ist das richtige? „Das Programm ist eine tolle Chance“, sagt Skrobanek: „Wir erfahren viel über die verschiedenen Studiengänge.“

Jugendliche wie sie starten ein Jahr vor dem Abschluss mit dem ersten Baustein: Bei Workshops, Exkursionen und Probevorlesungen erfahren sie alles rund um ihre Lieblingsfächer und die Hochschulstandorte. An diesem Nachmittag gibt Mathe-Dozent Norbert Röhrl einen Einblick in dieses Studienfach. Skrobanek und Nguyen sind dabei. Ein reines Mathestudium streben sie allerdings nicht an. Skrobanek interessiert sich für Biologie und Chemie: „Mein Favorit ist der Studiengang Technische Biologie“, sagt sie. Nguyen möchte „etwas in Richtung IT“ studieren.

Das Mentoren-Programm soll die passende Fächerwahl erleichtern und helfen, die ersten Stolpersteine an der Hochschule zu bewältigen. Denn gerade in den MINT-Fächern erreichen längst nicht alle die Ziellinie.

Ältere Studierende begleiten Anfänger beim Sprung an die Uni

Während im Schnitt fast jeder Dritte sein Studium vorzeitig aufgibt, liegt die Quote in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern sogar noch deutlich höher. Das geht aus einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung in Hannover hervor. Das Problem: Deutschland hat zwar im Vergleich der Industrieländer die meisten Absolventen in diesen Fächern, so die Industriestaaten-Denkfabrik OECD. Dennoch klafft eine Lücke auf dem Arbeitsmarkt. Auf einen Arbeitssuchenden kommen etwa drei offene Stellen.

„Häufig haben Anfänger einfach falsche Vorstellungen von einem Fach. Dann ist die Enttäuschung groß“, erklärt Projektleiterin Roswitha Böss vom Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft. Studenten, die beim MINToring mitmachen, bleiben dagegen am Ball. Das liegt neben den vielen Infos vor allem am Austausch mit den Studierenden aus höheren Semestern, die mit wertvollen Tipps zur Seite stehen und die Neulinge ermutigen. Sie machen klar: Nicht nur Nerds und Einser-Kandidaten haben eine Chance. „Vier gewinnt“, sagt Mally und meint damit: In den ersten Semestern geht es ums „Bestehen“, nicht um die Noten.

Wichtiger als gute Zensuren seien Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, sich selbst zu organisieren. „Allerdings müssen eine Neigung und das Interesse an diesen Fächern vorhanden sein“, erklärt Projektleiterin Böss.

Besondere Chancen räumt sie Teilnehmern ein, die in ihrer Biografie schon bei anderen Projekten wie der Schüler-Ingenieur-Akademie mitgemacht haben. Böss: „Schüler sollten sich frühzeitig mit ihrer Studien- und Berufswahl befassen.“

Wegweiser zum MINT-Studium

Das Programm MINToring begleitet junge Menschen über drei Jahre.

  • Den richtigen Studiengang finden: Vor dem Abi bekommen Schüler Einblicke in Studiengänge, absolvieren Besuche an Hochschulen, MINT-Camps zur Studienorientierung oder Betriebsbesuche.
  • Der Einstieg: Workshop-Angebote zu Lern- und Wissensmanagement, Studienplanung und Selbstorganisation, Exkursionen. Vorbereitung auf den Abschluss: Workshop-Angebote zur Planung des Bachelor-Abschlusses und zum Übergang in Beruf beziehungsweise Masterstudium.
  • Wer mitmachen kann: Schüler im letzten Schuljahr, die sich für ein Studium in einem MINT-Fach, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik, interessieren.
  • Zahlen und Fakten: Über 200 Schülerinnen und Schüler nahmen bis 2017 teil. 75 Prozent begannen ein MINT-Studium, keiner hat sein Studium abgebrochen. 4 Prozent haben innerhalb des MINT-Bereichs das Fach gewechselt. Rund 40 Prozent der Teilnehmer sind weiblich. Teilnehmende Hochschulen sind Aalen, Esslingen, Karlsruhe, Stuttgart und Ulm.

Mehr zum Thema:

Im Interview gibt Matthias Töpfer vom Arbeitgeberverband Südwestmetall Tipps für die Wahl des richtigen Studiengangs – und erklärt, warum in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern die Abbrecherquote so hoch ist.

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