Wo Anpacken Spaß macht

Was sich Metall- und Elektro-Betriebe so alles zur Mitarbeiter-Motivation einfallen lassen


Marklkofen/Augsburg/Coburg/Schwabach. An seinem Arbeitsplatz beherrscht er jeden Handgriff souverän, doch Thomas Birkner (26) will mehr erreichen. Im Filterwerk von Mann & Hummel hat er vor rund zehn Jahren seine Ausbildung zum Mechatroniker gemacht. „Bei den Kollegen konnte ich sehen, dass mit höheren Abschlüssen verantwortungsvollere Stellen zu bekommen sind“, sagt der Niederbayer am Standort Marklkofen bei Dingolfing. „Diese Aufstiegschancen und die Aussicht auf mehr Geld motivieren auch mich, ganz klar.“ Das Resultat: Er qualifizierte sich zum Techniker.

Wie Birkner gibt es für die 3,7 Millionen Beschäftigen der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie viele Punkte, die sie motivieren. Eine leistungsorientierte Vergütung trägt dazu und zur Bindung an die Firma zwar bei, aber sie steht nicht an erster Stelle.

66 Prozent der Unternehmen setzen auf familienfreundliche Arbeitsbedingungen

Das zeigen Studien wie eine im vergangenen Herbst veröffentlichte Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Die repräsentative Befragung der Gesamtwirtschaft zeigte, dass gerade die innovativen und wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen auch stärker auf personalpolitische Maßnahmen setzen.

Das entscheidende Ergebnis: Nur jede zweite dieser deutschen Top-Firmen setzt auf den Motivator Geld. Weitaus wichtiger sind für 66 Prozent familienfreundliche und chancengerechte Arbeitsbedingungen.

Die bietet Mann & Hummel zum Beispiel mit 113 verschiedenen Arbeitszeitmodellen. Jeder Vierte der 3. 000 Mitarbeiter nutzt das für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder für Weiterbildungen – wie Birkner. Der stellte erst mit der Zeit fest, dass Technik spannender ist, als ihm in Physik und Mathe an der Hauptschule klar war.

Er qualifizierte sich stufenweise, reduzierte dafür seine Wochenarbeitszeit von 38 auf 35 Stunden und lernte nach der Arbeit zunächst für den Technikerabschluss.

Zur Vorbereitung vor Prüfungen konnte er Extra-Tage freinehmen. Inzwischen studiert er an der Fernhochschule Darmstadt Mechatronik. „Wir freuen uns über jeden, der sich weiterbildet“, sagt Personaler Johann Steinbrunner.

Der Filterhersteller vereinbart dafür die Arbeitszeit individuell und gewährt Zuschüsse bis 500 Euro. Davon profitierten im vergangenen Jahr weitere 23 Mitarbeiter. „Das hellt das Innovationsklima im Betrieb auf. Und sichert uns Aufträge im Wettbewerb, was letztlich dem ganzen Standort nützt.“

Deshalb bemühen sich die Unternehmen, mit Anreizen gut ausgebildete und eingearbeitete Mitarbeiter zu halten. So setzt MAN Diesel in Augsburg unter anderem auf einen Einsatz im Ausland während der Lehre: als Belohnung für sehr gute Noten, aber auch als Testlauf für künftige Aufgaben.

„Es war toll, in den drei Wochen im französischen Nachbarwerk zu zeigen, was man gelernt hat“

Den hat Theresia Büschl (19), seit März fertig ausgebildete Anlagenmechanikerin, im französischen Werk von MAN Diesel in Saint Nazaire gemeistert: „Es war toll, in den drei Wochen dort zeigen zu können, was man gelernt hat“, berichtet sie begeistert. „Ich kann mir gut vorstellen, immer mal wieder für MAN im Ausland zu arbeiten.“

Ausbildungsleiter Kaspar Fischer begründet die „Schnupperaufenthalte“ damit, dass neun von zehn Motoren exportiert werden. „Da ist es wichtig, dass die jungen Leute früh sehen, wie es bei Kunden in aller Welt läuft.“ Viele machten dadurch einen Sprung in ihrer Reife.

Mit dem Programm „Leonardo da Vinci“ übernimmt die Europäische Union die Hälfte der Gesamtkosten für Auslandsaufenthalte.

400 Kilometer Team-Lauf an drei Tagen

Auch Mittelständler können ihren Fachkräften solche „Zuckerl“ bieten, wie die Firma Gaudlitz in Coburg beweist. Zwei frisch ausgebildete Werkzeugmechaniker schauten sich eine Woche im China-Werk in Wuxi um – mit Zwischenstopp in Schanghai. Dass der Zusammenhalt unter Kollegen ebenfalls einen Motivationsschub geben kann, weiß man bei der mittelfränkischen Richard Bergner Holding (RIBE) in Schwabach. Der Autozulieferer veranstaltete vor einem Jahr daher den ersten „RIBE-Internlauf“: An drei Tagen wechselten sich 90 Kollegen auf der 400 Kilometer langen Strecke vom Standort Radebeul in Sachsen zum Hauptwerk in Mittelfranken ab.

Reinhold Arnold, seit gut 30 Jahren im Schwabacher Werkzeugbau, lief 60 Kilometer und sagt: „So lernt man Kollegen aus der Verwaltung anders und viel besser kennen.“

Er ist gut trainiert, doch es störte ihn nicht, dass auch Laufanfänger mitmachten: „Schließlich ist nicht die Zeit, sondern das gemeinsame Ankommen das Ziel“, betont Arnold. „Nichts motiviert mehr als echte Teamleistung.“ Das sei dann auch am Arbeitsplatz zu spüren.

Die Vorbereitungen für das nächste Sportereignis unter Kolle­gen laufen auf jeden Fall schon auf Hoch­touren.

Tipps zur praktischen Unterstützung für Firmen, die mehr erreichen wollen, bietet der "PersonalKompass" des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln. Hier geht´s zum kostenlosen PDF-Download: www.iwkoeln.de

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