Innovative Personalpolitik

Was sich Betriebe einfallen lassen, um Fachkräfte zu gewinnen


Maroldsweisach/Illertissen/Giebelstadt. Vor sieben Jahren war Jürgen Geyer klar, dass was passieren muss. „Wir bekamen zu wenig Ingenieure für unsere technisch anspruchsvollen Aufgaben“, erzählt der Werkleiter von Weiss Spindeltechnologie, einem Hersteller von Spindelsystemen für Werkzeugmaschinen aus Maroldsweisach. Kaum einer mochte ins ländliche Unterfranken ziehen.

Selbst einheimische Uni-Absolventen wollten nicht mehr zurück, wenn sie erst mal in der Großstadt waren. Geyer musste sich was einfallen lassen – wie viele Chefs und Personalleiter im immer härteren Wettbewerb um Fachkräfte.

Seit 2006 setzt Weiss deshalb darauf, junge Menschen früh an die Firma binden: mit dem dualen Studium. Zwei Jahre Ausbildung, drei Jahre an der Hochschule in Schweinfurt: Dann sind die Maschinenbau- und Mechatronik-Ingenieure fertig, kennen Betrieb, Abläufe und Produkte und können früh Verantwortung übernehmen. „Nur ein Absolvent blieb bislang nicht bei uns“, sagt Geyer.

Was die Lage schwierig macht, ist die an sich erfreulich niedrige Erwerbslosenquote im Freistaat. Sie beträgt nicht mal 4 Prozent. In einigen Landkreisen liegt sie unter 2 Prozent – weil ein gewisser Teil der Menschen immer im beruflichen Umbruch ist, sprechen Ökonomen da von Vollbeschäftigung.

„Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt“, klagt Karl Hegele, Personalleiter von Weiss Kunststoffverarbeitung im schwäbischen Illertissen. Insbesondere Facharbeiter seien kaum noch zu bekommen. Mehrere Mitarbeiter stammen deshalb aus anderen Teilen Deutschlands, etwa aus dem Osten. Aber einige wollen nach kurzer Zeit wieder zurück. „Heimweh“, sagt Hegele.

Seit ein paar Jahren stellt man zunehmend ältere Beschäftigte aus der Region ein. „Wer mit 55 eine Chance bekommt, hängt sich voll rein“, erklärt Hegele. „Dass Ältere zu Beginn oft etwas mehr Unterstützung brauchen, nehme ich da gerne in Kauf.“ Auch 62-Jährige haben bei ihm schon unterschrieben – und nicht enttäuscht.

Personalexperten können diesem Ansatz viel abgewinnen. „Die älteren Mitarbeiter haben heute ja meist noch mehr als zehn Berufsjahre vor sich“, argumentiert Joachim Hasebrook von der im westfälischen Münster ansässigen Managementberatung zeb. Ältere stärker einzubinden, sei aber nur eine Option gegen den Fachkräftemangel, fügt der Experte hinzu.

Auch die Aus- und Weiterbildung der Jungen sei wichtig. „Die bindet man etwa mit Mentorenprogrammen gut ans Unternehmen, denn man kann sie so schneller und besser in höhere Positionen einarbeiten.“ Das mache einen Betrieb attraktiv für den Nachwuchs. Hilfreich seien auch ein angenehmes Arbeitsumfeld und flache Hierarchien.

„Mit Anzeigen in Handy- und Tablet-Spielen holen wir die jungen Leute ab, wo sie sind“

Damit punktet zum Beispiel die Firma Handy­Games in Giebelstadt nahe Würzburg. Im Unternehmen, das Spiele für Smartphones und Tablets entwickelt, beträgt das Durchschnittsalter 30 Jahre. „Anzug und Krawatte trägt bei uns keiner“, sagt der kaufmännische Leiter Udo Bausewein. In den Pausenräumen gibt es kostenlos Obst und Süßes. Viele Kollegen treffen sich auch privat – häufig zum „Gamen“.

Um Personal anzuwerben, setzt die Firma auf Messen – und ansonsten nur auf digitale, in ihren Spielen eingebaute Stellenanzeigen. Bausewein: „Wir holen die jungen Leute da ab, wo sie sind.“

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Unternehmen in diesem Artikel

WEISS Kunststoffverarbeitung GmbH & Co

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WEISS Kunststoffverarbeitung GmbH & Co
Rudolf-Diesel-Straße 2-4
89257 Illertissen

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Weiss Spindeltechnologie GmbH

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Weiss Spindeltechnologie GmbH
Birkenfelder Weg 14
96126 Maroldsweisach

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HandyGames

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HandyGames
i_Park Klingholz 13
97232 Giebelstadt

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