Wandelbarer Werkstoff

Was PVC alles kann


PVC: Eine der größten Anlagen Europas steht bei Vestolit in Marl

Marl. Die Visitenkarte von Michael Träger ist schön glatt und biegsam. „PVC“, sagt der Geschäftsführer von Vestolit und meint damit die Abkürzung für Polyvinylchlorid. Falls die Plastik-Karte in der Hemdtasche bleibt, kein Problem:
„Man kann sie mitwaschen und sogar bügeln.“

PVC-beschichtet sind zudem die Tapeten im Büro, die Stufen zur Chefetage, und auch die Fensterrahmen bestehen aus Hart-PVC. Vestolit ist einer der führenden PVC-Hersteller in Europa.

Rund 400.000 Tonnen des weißen Pulvers verlassen jährlich die Anlage im Chemiepark Marl. Je nach Rezeptur kann der Kunststoff hart oder weich, glasklar oder gefärbt, isolierend oder antistatisch sein. Er ist witterungsbeständig, schwer entflammbar und abriebfest, lässt sich schweißen, schneiden, sägen, kleben, hämmern. Kurzum, er ist äußerst vielseitig.

Kunden testen ihre Rezepte im Technikum

Das Rohmaterial nutzt man etwa für Fensterprofile, eine Spezialität des Unternehmens. Zusätzlich bietet Vestolit den Kunden die Prüfung und Entwicklung ihrer eigenen Rezepturen in einem Technikum an. Dort verteilt Chemikant Daniel Werminghaus gerade eine blaue PVC-Paste auf einer Vliesbahn. Das beschichtete Textil wird durch den Gelierkanal, eine Art Backofen, geschickt.

Auf diese Weise entstehen Tapeten, Planen, Regenkleidung, allerlei Schäume und Folien. „Unsere langjährigen Kunden sind vor allem Mittelständler“, sagt Träger. „Wegen der Fokussierung auf den deutschen Markt merken wir noch wenig von der Wirtschaftskrise.“ Rund 40 Chemikanten wurden in den letzten Monaten eingestellt und die Azubis übernommen. So sorgt das Unternehmen für den reibungslosen Generationswechsel.

Mehr Sorge bereiten hingegen die steigenden Produktionskosten. PVC entsteht auf der Basis von Salz und Erdöl. Vom Salzabbau bis zum fertigen Pulver macht Vestolit alles selbst. Die größte Sole-Pipeline Europas, die das Unternehmen gemeinsam mit Chemie-Konzern Solvay betreibt, bringt das Salzwasser von der holländischen Grenze in den Chemiepark Marl. Hier spaltet Strom in der Elektrolyse-Anlage die Salzmoleküle in Natrium und Chlor auf.

Viel Strom für die Elektrolyse

Obwohl Vestolit die weltweit effizienteste Elektrolyse-Technik betreibt, schluckt die Herstellung jede Menge Energie: „Müssten wir die Abgabe für erneuerbare Energien zahlen wie jeder Privathaushalt, hätte uns das die geschäftliche Grundlage entzogen“, sagt der Firmenchef.

Doch selbst diese energieintensive Industrie kann zur Stabilität der Netze beitragen. Der PVC-Produzent würde sich bereit erklären, bei einem Stromversorgungsengpass die Elektrolyse abzuschalten. Dafür hat die Politik die Voraussetzung durch Befreiung von Netznutzungsentgelten geschaffen.

Artikelfunktionen


Schlagwörter: Chemie Energie

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Info: Vestolit

Rund 600 Vestolit-Beschäftigte stellen in Marl Thermoplaste und Pasten-PVC her. 2011 erwirtschafteten sie einen Umsatz von 458 Millionen Euro. Aus dem Kunststoff entstehen etwa Fensterprofile, Tapeten, Windrad-Flügel, Planen oder Blutbeutel.

Unternehmen in diesem Artikel

VESTOLIT GmbH

Map
VESTOLIT GmbH
Paul-Baumann-Straße 1
45772 Marl

Zum Unternehmensfinder
Adventskalender-Gewinnspiel

Service-Angebote auf AKTIVonline:

Wirtschaftslexikon
Unternehmensfinder
Energiespar-Rechner
Messe-Kalender
Ferien-Kalender
'' Zum Anfang