Monteure im Einsatz

Was diese Notfall-Spezialisten rund um den Globus leisten


Bochum. Heute hier, morgen dort. „Kaum eine Woche am Stück bin ich zu Hause“, sagt Frank Kuligk. Denn immer wieder packt er seine sieben Sachen – und fliegt nach Japan, in den Oman, nach Kuba oder sonstwo in die Ferne. Der hochgewachsene Blonde gehört nicht etwa zum internationalen Jetset, sondern ist Monteur bei der Firma Vogelsang Elektromotoren.

Das Bochumer Unternehmen mit 260 Mitarbeitern hat sich auf die Reparatur und Wartung von Elektromotoren, Generatoren, Transformatoren, Pumpen und Ventilatoren spezialisiert. Und bedient Kunden rund um den Globus: Das sind unter anderem Reedereien, Windparkbetreiber, Stahlwerke und Kraftwerke.

Fällt etwa bei einem Containerschiff auf hoher See ein Generator aus, muss Kuligk rasch ausrücken, um ihn wieder flottzukriegen. Der Fachmann steigt im nächsten Hafen zu und checkt an Bord, ob er den Schaden an Ort und Stelle beheben kann. Wenn ja, holt er sich Hilfe von einer Firma aus einem weltweiten Netzwerk von Elektromaschinenbauern. Oder er lässt das benötigte Teil auch mal in einer Hafenwerkstatt anfertigen. Oft hilft ihm Englisch nicht weiter. „Da gibt’s nur eins – sich mit Händen und Füßen verständigen.“ Er habe bisher jede Maschine ans Laufen gekriegt.
Ist der Schaden jedoch zu groß, baut der Monteur das defekte Bauteil mit Unterstützung der Schiffscrew aus – und schickt es zerlegt nach Bochum, wo seine Kollegen es wieder auf Vordermann bringen.

Der gelernte Elektromaschinenbauer arbeitet seit knapp 25 Jahren bei Vogelsang. „Es gibt auch Kollegen, die schon länger hier sind“, sagt er: „Das ist ein Familienunternehmen. Wer hier angefangen hat, der bleibt.“ Was nicht bedeutet, fachlich auf der Stelle zu treten.

Sich Veränderungen stellen – das tut auch Kuligks Arbeitgeber. „Wir sind ursprünglich Zulieferer für den Bergbau und die Stahl-Indus-trie gewesen“, erzählt Geschäftsführer Christian Vogelsang.

Früher lebte die Firma gut von der Reparatur von Elektromotoren für Bergbaumaschinen. Da die Kohleförderung im Ruhrpott aber immer mehr an Bedeutung verlor, musste sich der Betrieb umorientieren. Flexibilität ist das Markenzeichen der Firma. Deshalb schicken die Kunden ihre defekten Motoren hierhin – anstatt zum Hersteller.

Sich abseilen – auch das gehört zum Job eines Monteurs

In der Produktionshalle hängt ein riesiger Rotor für einen Walzantrieb am Haken. Die Spulen neu wickeln, isolieren, lackieren, prüfen – und zwar schnell, denn der Kunde, ein Aluminium-Werk, will in drei Tagen wieder produzieren. Vogelsang: „Wenn es sein muss, kommen wir auch an Weihnachten. Wir können einen Mann, aber auch 20 Leute schicken.“ Allesamt Fachkräfte. Jedes Jahr bildet die Firma drei bis fünf Elektroniker und Zerspanungsmechaniker aus.

Auch Weiterbildung ist wichtig. Zuletzt hat Kuligk bei einem Windrad-Hersteller sicheres Klettern und Abseilen trainiert: „In 80 Meter Höhe muss man schon aufpassen. Sonst macht man den Fehler nur einmal.“

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