Dichtungen

Was den Riesenbohrer im Schweizer Gotthard-Tunnel in Gang hält


Hamburg. Was tun, wenn beim Löcherbohren etwas schiefläuft, der Bohrer gar bricht? Der Heimwerker kauft sich einfach einen neuen – doch beim Arbeiten im großen Stil, wie beim Bau des 57 Kilometer langen Gotthard-Basistunnels in der Schweiz, wäre ein Ausfall der Tunnelbohrmaschine der logistische Super-GAU. Also muss vorgesorgt werden: unter anderem am Herzen des Riesenbohrers, durch Schutz des Hauptlagers.

Dieser besteht aus einer in Form gebrachten Elastomer-Mischung und kommt von Merkel, einem Unternehmen der Freudenberg Sealing Technologies. „Wir sind weltweit führender Lieferant von Dichtungen und Dichtsystemen für alle Anwendungen der Schwerindustrie“, sagt Geschäftsführer Bernd Koch.

Rund 400 Mitarbeiter produzieren am Standort Hamburg Dichtungen für herausfordernde Anwendungen: etwa Walzanlagen in der Stahlindustrie, Großpressen, Antriebe in der Schifffahrt, Papierherstellung, Windkraftanlagen.

„Zum Schutz des Bohrers im Gotthard-Tunnel“, so Koch, „werden Wellendichtringe in Systemanordnung eingesetzt.“ Eine Rollenlager-Konstruktion mit sechs Metern Durchmesser und rund 20 Tonnen Gewicht stützt das Schneidrad gegen Vorschubkräfte und Drehmomente ab. „Das Dichtsystem verhindert den Austritt von Schmierstoff nach außen“, erklärt Koch, „vor allem aber schützt es vor dem Eindringen von Abraum und Schlamm ins Innere der Maschine – das wäre die Ausfallursache Nummer eins.“

2.500 Bar Druckspitze sind kein Problem

Ob Hitze, Kälte, aggressive Medien, höchste Drücke bis 2.500 Bar oder eine verlässliche Funktion über eine Lebensdauer von 20 Jahren – die Dichtungen von Merkel kommen mit extremen Anforderungen zurecht. Dabei profitiert der Standort von einer über 100-jährigen Tradition bei der Herstellung solcher Industriedichtungen.

Der Kunde als Innovationstreiber

Bei dieser Art von Dichtungen spricht man nicht von Massenware. „Wir produzieren Stückzahlen von 1 bis 500, bei kleinen Abmessungen auch mehr“, berichtet Koch. Vieles ist sogar Handarbeit oder basiert auf speziellen Fertigungsverfahren.

So werden die Dichtungen für Tunnelbohrmaschinen mit bis zu zwölf Metern Durchmesser „endlos“ gefertigt: Sie haben später keine Fügestelle, stehen so für höchste Funktionalität und die geforderte Zuverlässigkeit. Angesichts des maximal möglichen Durchmessers von unter drei Metern auf der Vulkanisationspresse mussten sich die Merkel-Ingenieure etwas Besonderes einfallen lassen.

Große Bedeutung hat in diesem Geschäft die Nähe zum Kunden: „Basierend auf unseren Standard-Lösungen sind jederzeit kundenspezifische Sonderentwicklungen möglich“, so Koch. Merkel erfüllt auch ausgefallene Wünsche – sie sind eine treibende Kraft für innovative Dichtungslösungen. „Unseren Kunden zu helfen, auch bei scheinbar aussichtslosen Anforderungen, hat für uns oberste Priorität“, sagt Koch. „Bisher haben wir noch immer die passende Lösung gefunden.“

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