Produktivität

Was bleibt von unserer Hände Arbeit?


Aufschlussreiche Zahlen über Leistung und Verdienst

Wiesbaden. Wie war es heute auf der Arbeit? Ordentlich was los gewesen? Auf solche Fragen nach Feierabend können wir meist spontan antworten, wir haben das ganz gut im Gefühl. Aber wie misst man das eigentlich objektiv?

Die Antwort gibt es, wie so oft, beim Statistischen Bundesamt in Wiesbaden. „Für jedes Produkt gibt es eine Meldenummer“, erklärt dessen Experte Karl Bloos. „Und Tausende von Industrie-Betrieben in Deutschland schicken jeden Monat eine Liste mit Stückzahl und Wert raus. Die einen per E-Mail, die anderen wie früher handgeschrieben.“

Was Bloos und seine Kollegen in den letzten 15 Monaten erfuhren, hat es in sich. Es zeigt nicht, ob wir persönlich Leerlauf hatten oder Mega­stress. Aber es zeigt, wie unsere Betriebe insgesamt durch die Krise gekommen sind. Und mit welchem Aufwand sie um jede Stelle gekämpft haben.

Beschäftigung bislang fast stabil

Ein Zehntel weniger Produktion als ein Jahr zuvor – das ist die Bilanz der chemisch-pharmazeutischen Industrie für das Krisenjahr 2009. Doch während in der Metall- und Elektro-Industrie im Jahresverlauf 200.000 Arbeitsplätze verloren gegangen sind, waren es in unserer Branche nur ungefähr 10.000.

Im November 2009, so weit reicht die Auswertung des Statistischen Bundesamtes, hatten die Betriebe ab 50 Mitarbeiter 397.000 Menschen auf der Payroll. Hinzu kommen einige Zehntausend in Kleinbetrieben, die keine Meldebögen ausfüllen müssen. Und die Tarifrunde in der Chemie, die im Frühjahr ansteht und auch Teile der Kunststoff-Verarbeitung sowie der Gummi-Industrie umfasst, betrifft sogar 550.000 Beschäftigte. Im Rückblick bleibt dies: 397.000 Jobs – das sind 2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, bei 10 Prozent weniger Produktion!

Zwar hat auch die Chemie das zu einem Teil mit staatlich geförderter Kurzarbeit  abgefedert. Der Höchststand lag mit 47.000 im April. Doch Urlaubs-, Weihnachtsgeld, Altersvorsorge und ein Teil der Sozialbeiträge werden trotzdem fällig. „Bei Kurzarbeit sinken die Arbeitskosten nicht proportional zur Arbeitszeit“, stellt Eugen Spitznagel klar, Experte am IAB-Institut in Nürnberg. Es gehört zum Verbund der Arbeitsagenturen und hat aus deren Daten für 2009 hochgerechnet: Quer durch alle Wirtschaftszweige kostete die Kurzarbeit die Betriebe 5 Milliarden Euro, die Arbeitnehmer 3 Milliarden und den Staat 6 Milliarden.

„Gemeinsamer Kraftakt“

Und so ziehen die Zahlensammler aus Wiesbaden, was die Chemie angeht, eine doppelte Bilanz. Die Lohnkosten je Produkteinheit sind im Zuge der Krise um bis zu 28 Prozent nach oben geschossen – und das Produktionsergebnis je Beschäftigten ging um bis zu 21 Prozent in den Keller. Im Wettbewerb um Kunden in aller Welt ist das eine schwere Hypothek. Denn nicht überall wurde dem Erhalt der Arbeitsplätze so klar Priorität eingeräumt und das Thema Rendite vorübergehend hintenan gestellt.

Zwar wurde es zuletzt wieder besser. Doch abgehakt ist die Krise nicht. Hans Paul Frey, der Hauptgeschäftsführer des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie, gibt zu bedenken: „Bisher konnten wir uns in einem gemeinsamen Kraftakt gegen flächendeckenden Jobabbau stemmen. Dieser Erfolg hat die Unternehmen eine Menge Geld gekostet.“


Bilanz der Krise: Ein Buckel und eine Delle

Trotz des massiven Produktionseinbruchs ab Herbst 2008 baute die Chemie kaum Stellen ab. Sie nahm in Kauf, dass die Lohnstückkosten vorübergehend durch die Decke gingen (siehe Galerie, Grafik oben). Leerlauf und Kurzarbeit drückten die Produktivität (siehe Galerie, Grafik unten). Das riss trotz staatlicher Förderung Riesenlöcher in die Gewinn- und Verlustrechnung.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang