Werkstoffe

Warum Wickeder Westfalenstahl so wichtig für unsere Euro-Münzen ist

Wickede. Wenn wir eine Mikrowelle öffnen oder Kleingeld in die Hand nehmen – fast immer spielen sie eine Rolle: plattierte Werkstoffe, wie sie bei der Wickeder Westfalenstahl hergestellt werden. Das sind Materialien, in denen zwei, drei oder mehr Metalle fest verbunden sind.

Bei der Mikrowelle sind es die Reflektorbleche, die aus diesen Metallen bestehen. Und wer eine 1- oder 2-Euro-Münze in den Kaffeeautomaten wirft, bekommt sein Heißgetränk ziemlich sicher, weil im Kern der Münzen ein bestimmtes Stück plattierten Metalls steckt, das der Automat erkennt.

Wofür plattierte Metalle aus Wickede so alles gut sind, erklärt Claudia Pieper, Leiterin des Technischen Produktmanagements, an einem weiteren Beispiel: „Eine unserer Varianten besteht aus Aluminium und Weichstahl. Daraus werden etwa Rohre hergestellt, die bei der Kühlung in Kraftwerken zum Einsatz kommen.“

1.100 Grad – mit extremer Hitze werden die Metalle verbunden

Die plattierten Metalle haben eine Reihe von Vorteilen gegenüber einem Vollmetall. So ist eine Kombination von Kupfer und Edelstahl günstiger als reines Kupfer. Und stabiler.

Aus dem Verbundmaterial lassen sich etwa Hausdächer herstellen. „Das ist deutlich preiswerter als ein herkömmliches Kupferdach, außerdem ist es leichter und verbeult nicht so schnell bei Hagel“, sagt Pieper. Die Metalle werden als aufgerollte Bänder, sogenannte Coils, angeliefert und zunächst aufwendig gereinigt.

Nach einer weiteren Vorbehandlung der Oberflächen – sie müssen je nach Bedarf unterschiedlich rau sein – verpresst das Unternehmen die Metalle mit extremer Walzkraft. Anschließend werden sie „haftungsgeglüht“. Das geschieht in Öfen bei Temperaturen zwischen 230 und 1.100 Grad, je nach Art der Metalle. Jetzt sind sie untrennbar miteinander verbunden.

In den 80er-Jahren wurde hier erstmals eine Plattierung hergestellt, die die hohe Wärmeleitfähigkeit von Kupfer mit den Eigenschaften von Edelstahl verband – eine Kombi, die sich bis heute in Profi-Kochgeschirr findet.

Neben den plattierten Werkstoffen liefert das Unternehmen aber auch kaltgewalzten Bandstahl. Wie es da in der Fertigung zugeht, sieht man bei Markus Reiners.

Druck machen mit äußerster Präzision

Er sitzt in einem abgedunkelten Leitstand vor einem halben Dutzend Monitoren, die Augen flitzen von links nach rechts. Die Bildschirme zeigen farbige Skalen, die ihm mitteilen, ob es irgendwo winzige Abweichungen in der Präzision der mächtigen Walzmaschine gibt. „Die Walzen erzeugen einen Druck von bis zu 1.000 Tonnen“, sagt Reiners trocken.

Und sollte er irgendwo Lust auf ein heißes Getränk haben, kann er dank seiner Kollegen darauf vertrauen, dass der Automat gegen das passende Kleingeld auch eins herausrückt.

Firmen-Steckbrief

Töchter in Europa, den USA und China

  • Die Wickeder Westfalenstahl GmbH produziert plattierte Werkstoffe und kaltgewalzten Bandstahl.
  • Die 320 Mitarbeiter am Stammsitz in Wickede haben im letzten Jahr einen Umsatz von 121 Millionen Euro erwirtschaftet. Die Firma hat Töchter in Europa, den USA sowie China und beschäftigt insgesamt 1.100 Menschen.
  • Im vergangenen Jahr feierte das Unternehmen sein 100-jähriges Bestehen.

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