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Mega-Trend Diversity

Warum Unternehmen in Baden-Württemberg auf Vielfalt in der Belegschaft setzen

Wenn Firmen auf bunt gemischte Teams setzen, tun sie das meist nicht nur um der Chancengleichheit willen: Studien belegen, dass solche Teams erfolgreicher sind. Hier ein paar interessante Projekte aus dem Südwesten.

Stark: Laut Studien sind Teams umso erfolgreicher, je bunter sie gemischt sind. Foto: Adobe Stock

Stark: Laut Studien sind Teams umso erfolgreicher, je bunter sie gemischt sind. Foto: Adobe Stock

In ganz Deutschland gibt es zurzeit immer wieder Demonstrationen und Aktionen für Vielfalt und Toleranz. Viele Unternehmen in Baden-Württemberg setzen längst gezielt auf „Diversity“, so der englische Fachbegriff. Und zwar nicht nur aus Rücksicht auf alle, die „anders“ sind: „Gelebte Diversität im Unternehmen wirkt sich positiv auf den wirtschaftlichen Erfolg und die Produktivität aus“, schreiben Forscher des Fraunhofer-Instituts für System- und Innvationsforschung aus Karlsruhe in einer Analyse, für die sie viele Studien ausgewertet haben.

Diversity macht Unternehmen attraktiver für Fachkräfte

Der Grund für den eindeutigen Zusammenhang: Ein Unternehmen mit mehr Vielfalt ist attraktiver für Fachkräfte und kann sich besser auf unterschiedliche Kunden und Märkte einstellen. Außerdem, so das Fraunhofer-Institut: „Ein wertschätzender Umgang in der Belegschaft fördert die Zufriedenheit der Mitarbeiter und stärkt die Verbundenheit mit dem Unternehmen.“ Anderssein ist im Arbeitsalltag daher ausdrücklich erwünscht: ob es nun eine Frau als Chefin eines Männerteams ist, ein jugendlicher Azubi unter lauter alten Hasen oder ein Muslim unter Christen. Hier ein paar Beispiele aus Betrieben in Baden-Württemberg.  


Kulturen zusammenbringen: Rheinmetall und ZF feiern ihre Vielfalt kulinarisch

Lecker: ZF lädt Praktikanten und Studenten zum „kulinarischen Abend“. Foto: ZF

Warum nur Maultaschen futtern, wenn es auch Thaicurry und marokkanische Tajine gibt? Rheinmetall und ZF setzen auf kulturellen Austausch, auch auf der kulinarischen Ebene. So gab es jüngst in den Kantinen der Rheinmetall-Werke KS Kolbenschmidt (Neckarsulm) und KS Gleitlager (St. Leon-Rot) eine Woche lang Gerichte wie „russische Okroschka“ und „Lammbraten rumänische Art“. 

  „Interkulturelles Rezeptbuch“ mit Beiträgen von Kollegen

Zuvor waren alle aufgerufen gewesen, Rezepte einzureichen. Daraus machte das Unternehmen auch ein interkulturelles Rezeptbuch, mit 60 Beiträgen von Kollegen. Die Mitarbeiter waren begeistert vom professionellen Ergebnis, als die Bücher ausgegeben wurden.

Und bei ZF feierten jüngst Praktikanten und Studierende aus Kressbronn und Friedrichshafen mit einem kulinarischen Abend die Vielfalt ihrer Kulturen und bewirteten sich gegenseitig.

Der Anteil ausländischer Praktikanten und Studenten ist dort auf 28 Prozent geklettert, weil etwa aus Indien und China immer mehr Gaststudenten an den Bodensee kommen.

Menschen mit Handicap unterstützen: Audi kooperiert mit einer Förderschule

Mittendrin: Schüler Sevkan Tekin arbeitete in der Vormontage des A8 mit. Foto: Audi

Damit auch Jugendliche mit körperlichen und geistigen Behinderungen ihren Platz im Berufsleben finden, hat Audi in Neckarsulm eine Kooperation ins Leben gerufen: mit einer Schule für Menschen mit Handicap. Ein Jahr lang arbeiteten jetzt Schüler der Astrid-Lindgren-Schule in Neckarsulm nebenbei an Lernstationen im Audi-Werk, um Einblicke ins Berufsleben zu bekommen.  

„Berührungsängste abbauen“

Fred Wonka leitet in dem Werk, wo rund 17.000 Menschen arbeiten, die Programmplanung und Fahrzeugsteuerung und ist Pate des Modells. Die wöchentliche Zusammenarbeit habe nicht nur den Schülern, sondern auch den Audianern etwas gebracht: „Durch das enge Miteinander konnten wir Berührungsängste abbauen und zugleich die sozialen Kompetenzen aufseiten der Audi-Mitarbeiter erhöhen.“

Für einen Schüler hat sich daraus sogar ein weiteres Praktikum ergeben: Sevkan Tekin arbeitete im Sommer einen Monat lang als festes Teammitglied in der Vormontage des Audi A8 mit. „Das Praktikum ist für mich eine tolle Chance“, sagt er.

An den Standorten Ingolstadt und Neckarsulm gehören rund 3.200 schwerbehinderte Menschen fest zur Belegschaft.

Flüchtlinge integrieren: Werma hat einen als Azubi eingestellt

Hoffnung: Mohammed Musa kam als Minderjähriger allein ins Land. Foto: Werma

Es war wirklich sehr schwierig, eure Sprache zu lernen“, sagt Mohammed Musa. Der heute 19-jährige Flüchtling aus Eritrea, der 2015 als Minderjähriger ganz allein nach Deutschland kam, hat es aber trotzdem geschafft. Und hier sogar einen Ausbildungsplatz gefunden, beim Mittelständler Werma Signaltechnik in Rietheim-Weilhe.

Geschäftsführer Matthias Marquardt erklärt: „Uns liegt die Integration von Flüchtlingen und die Unterstützung besonders der jungen Menschen sehr am Herzen.“ 2016 war Musa zunächst zwei Wochen Praktikant bei Werma, wo unter anderem Signalleuchten und -ampeln für die Industrie hergestellt werden. Weil er sich gut machte, durfte er dann im Rahmen eines einjährigen Praktikums immer mittwochs im Werkzeugbau mitarbeiten, während er den Hauptschulabschluss absolvierte.

Hier arbeiten viele Leute mit Migrationshintergrund

Etwa seit einem Jahr ist er nun Azubi und lernt den Beruf Anlagenführer. Bei Werma ist Musa nicht der Einzige, der aus einem anderen Land stammt. Personalleiterin Dagmar Bühler verdeutlicht: „Wir haben auch viele andere Mitarbeiter mit Migrationshintergrund.“ Der Diversity-Gedanke sei ein wichtiger Teil der Unternehmensphilosophie.

Mohammed Musa gehört heute fest zum Team. Personalerin Bühler: „Es ist schön, einen Menschen, der in seinem jugendlichen Alter schon so viel Schlimmes erleben musste, wieder strahlen zu sehen und ihm eine Zukunftsperspektive bieten zu können.“

Offenheit für Homosexuelle schaffen: Bei Bosch gibt's dafür ein Netzwerk

Christopher Street Day: Mitarbeiter von Bosch bei der Parade in Stuttgart. Foto: Bosch

Bei Bosch muss sich niemand verstecken, nur weil er eine andere sexuelle Orientierung hat als Otto Normalbürger. Hier gibt es ein Netzwerk für Mitarbeiter, die schwul oder lesbisch sind, oder auch bisexuell, transgender oder intersexuell.

Christoph Kübel, Arbeitsdirektor und Geschäftsführer bei dem Konzern aus Stuttgart, erklärt, was es damit auf sich hat: Das Netzwerk trage zur offenen Unternehmenskultur bei, „in der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter authentisch sein können und wertgeschätzt werden – egal welche sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität sie haben“. Die so entstehende emotionale Sicherheit sei eine wichtige Voraussetzung dafür, „dass Mitarbeiter ihr Potenzial voll ausschöpfen und all ihre kreativen Ideen einbringen“.

Keiner muss Angst haben, sich zu outen

Das Netzwerk wurde bereits 2006 gegründet und hat heute mehr als 400 Mitglieder. Sie setzen sich dafür ein, Berührungsängste abzubauen, und leben im Alltag vor, dass keiner Angst haben muss, sich zu „outen“. Sie sind auch immer beim Christopher Street Day in Stuttgart dabei. Bosch-Mitarbeiter Jean-Claude Loux, einer der Initiatoren, sagt: „Mit unserer Teilnahme tragen wir dazu bei, Vorurteile in der Gesellschaft abzubauen.

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