Fachkräfte: Gute Aussichten für Azubis

Warum sich junge Leute für die Metall-und Elektro-Industrie entscheiden


Zweite Chance: Philip Möschl hat als angehender Werkzeugmechaniker Spaß am Bearbeiten von Metall. Foto: Weigel

München/Teublitz. 14.782 junge Leute starteten letztes Jahr mit einer Ausbildung in die bayerische Metall- und Elektro-Industrie (M+E) – 6 Prozent mehr als 2011. Damit legt der größte Industriezweig gegen den Trend zu: In allen Branchen zusammengenommen ist die Zahl neu abgeschlossener Lehrverträge im Freistaat um 3 Prozent gesunken.

Die 14.782 neuen M+E-Azubis sind Rekord – und im Zweijahresvergleich mit 2010 sogar ein Anstieg um ein Fünftel. Und den Neulingen wird einiges geboten: Schließlich steht die Branche angesichts rückläufiger Schulabgänger-Zahlen im Wettstreit um die knappen Fachkräfte der Zukunft.

Zwei Drittel mehr Azubi-Vergütung als für Handwerker

So unterschrieben zuletzt von zehn Azubis, die ihre Lehre beendeten, sechs sofort oder nach einem Jahr einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Die übrigen vier verließen die Unternehmen meist aus eigenem Antrieb – etwa um weiter zu lernen.

Zu den guten Ein- und Aufstiegschancen kommt die lukrative Vergütung: Erhält ein angehender Handwerker in seiner Lehrzeit durchschnittlich 555 Euro im Monat, liegt die Vergütung eines M+E-Azubis über dreieinhalb Lehrjahre bei durchschnittlich 925 Euro.

Der Oberpfälzer Philip Möschl (18) spart einen Teil davon, um sich „mal ein tolles Auto zu kaufen“. Er lernt Werkzeugmechaniker beim Autozulieferer Läpple Blechverarbeitung Bayern in Teublitz bei Regensburg: „Ich bin froh, dass ich hier reingekommen bin.“ Weil er gemerkt habe, wie gern er dreht, feilt und schweißt.

Eigentlich wollte er Schlosser werden. Doch weil er die Hauptschule zwar mit Abschluss, aber ohne die freiwillige Prüfung zum qualifizierenden Abschluss verlassen hatte, tat er sich schwer in der Berufschule. Die Firma Läpple, die ihn vom Praktikum kannte, gab ihm eine zweite Chance: „Wenn wir praktische Fähigkeiten sehen“, sagt Ausbildungsleiter Markus Wiendl, „nehmen wir auch theorieschwächere Jugendliche.“ Ihnen bietet die Firma Unterricht mit einem Berufsschullehrer, der zusätzlich zwei Stunden die Woche kommt.

Dass Läpple auf Karosserieteile spezialisiert ist, passt zu Möschl: „Ich bastel viel an meinem Roller.“ Er hat schon einiges gelernt – und erkannt: „Die Meister hier sind sehr hinterher, dass man Leistung bringt. Ich brauch das, sonst schluder ich rum.“

Draht zum Tüfteln: Katrin Scharf lernt Mechatronikerin. Foto: Trenwith

Technik im Fokus

Beispiel WIKA A. Wiegand: Frauen vor!

Klingenberg. Die Abiturientin Katrin Scharf (20) sagt selbstbewusst: „Ich will einen handfesten Beruf haben, bevor ich studiere.“ Im September 2012 hat sie ihre Ausbildung zur Mechatronikerin beim Messtechnik-Spezialisten WIKA Alexander Wiegand in Klingenberg begonnen.

„Oft sind wir Azubis bei Reparaturen im Werk dabei – da wird’s nie langweilig“

Davor hatte die Unterfränkin, die von klein auf Pfadfinderin ist und nach dem Gymnasium ein Jahr mit Kindern in Afrika arbeitete, vor einer schwierigen Entscheidung gestanden: Sollte sie nicht vielleicht doch lieber direkt ein Studium beginnen? Oder eine Ausbildung in einem sozialen Beruf machen oder eine Lehre zur Schreinerin? „Mir liegt Handwerkliches“, sagt sie. „Und weil ich Mathe und Physik in der Schule immer gern mochte, wollte ich aus reinem Interesse eine technische Ausbildung machen.“

Einige ihrer Freundinnen, erzählt sie, waren von dieser Wahl überrascht – worüber sie sich ihrerseits wundert. Denn Mechatronik, der Querschnittberuf aus Elektronik und Mechanik, sei doch schließlich „eine super Basis, auf die ich jedes Studium aufsetzen kann“.

Es gefällt ihr, an Leitungen, Bedienelementen und Schaltplänen zu tüfteln: „Oft sind wir Azubis bei Reparaturen im Werk dabei – da wird’s nie langweilig.“

Hoffentlich findet Scharf mit ihrer Neugier viele Nachahmerinnen, sagt Ausbildungsleiterin Yvonne Busch: „Solche jungen Frauen haben Signalwirkung – über die Branche hinaus.“

Vom Schreibtisch in die Welt: Lucas Ilg, bald Industriekaufmann. Foto: Schulz

Von wegen öder Bürokram!

Beispiel Otto Bihler Maschinenfabrik: Rotation durch alle Bereiche

Halblech. „Ich wollte schon immer ins Büro“, sagt Lucas Ilg (19). Und er berichtet, was bereits über seinen Azubi-Schreibtisch geht: Angebote erstellen und nach Freigabe vom Chef an Kunden schicken, Bestellungen versenden. Oder dafür sorgen, dass Bauteile rechtzeitig verfügbar sind. „Da sieht man, was alles los ist im Betrieb“, stellt der angehende Industriekaufmann der Otto Bihler Maschinenfabrik fest.

Am Stammsitz des Herstellers von Werkzeugmaschinen in Halblech bei Füssen gilt: von wegen Bürokram! In Ilgs Ausbildung geht es nicht um trockene Theorie, sondern neben der Berufsschule vor allem um „Training on the Job“ – also Mitarbeiten im Einkauf, Versand, Lager oder in der Arbeitsvorbereitung. „Ganz bewusst lassen wir die kaufmännischen Nachwuchskräfte durch alle Bereiche der Firma rotieren“, erklärt Katharina Dorsch, die für die Ausbildung bei Bihler verantwortlich ist. „So werden unseren Azubis Zusammenhänge von selbst klar.“

„Ich will in der Welt herumkommen – aber auch immer hierher zurück“

Diese Vielfalt motiviert. Und lässt Ilg ein wenig von der großen weiten Welt spüren: Weil Maschinen von Bihler auf der ganzen Welt laufen, sind E-Mails auf Englisch natürlich keine Seltenheit.

International zu arbeiten, gefällt dem ehemaligen Realschüler, der gerade Spanisch lernt: „Denn ich will in der Welt herumkommen – aber auch immer hierher zurückkehren.“ Noch ist sein Weg zur Arbeit nur ein Kilometer weit.

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