Wo steckt Papa den ganzen Tag?

Warum manche Familien der Franz-Morat-Gruppe seit Generationen treu bleiben


Eisenbach. Vater und Großvater arbeiten im gleichen Betrieb. Das will sich die kleine Fabienne (2) jetzt mal ansehen. Heute ist Familientag beim Kunststoff-Spezialisten F. Morat in Eisenbach, und Papa Andreas Kleiser zeigt Fabienne und seiner Frau, wie er arbeitet. „Das da“, sagt er und deutet auf eine Stahlkonstruktion, „ist ein Werkzeug. Damit stellen wir dieses Teil her.“

12 Betriebe in einem kleinen Dorf

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Firma darf jeder Mitarbeiter seiner Verwandtschaft die Produktion zeigen. In der Umgebung dürfte es allerdings nur wenige Leute geben, die das Unternehmen noch nicht kennen: Hier arbeiten komplette Familien, seit Generationen.

Mitarbeiter-Fluktuation? Diese Kennziffer beträgt hier so gut wie null Prozent. Im Schwarzwald-Dorf Eisenbach gibt‘s auch gar keinen Grund, die ländlichen Gefilde zwecks Jobsuche zu verlassen: Das 2.100 Einwohner-Dorf ist ein Wirtschaftsmotor. Zwölf Industriebetriebe mit insgesamt 1.600 Beschäftigten sind hier angesiedelt, alles Spezialisten in der Verzahnungs- und Feinwerktechnik. Selbstbewusst sprechen die Einheimischen vom „Getriebe der Republik“ oder dem „Gear Valley“.

In der Franz Morat Gruppe mit ihren zwei Unternehmen Framo Morat und F. Morat entstehen Hightech-Antriebe, die die Welt in Bewegung halten: für Elektroautos, Treppenlifte und Windräder, aus Kunststoff und Metall. „Da ist man schon stolz drauf“, schwärmt Kleiser. Er hat hier seine Ausbildung gemacht, weil er den Betrieb von den Eltern kannte. 71 Mitarbeiter sind hier schon über 30 Jahre im Betrieb.

Gökhan Balkis ist Geschäftsführer der Firmengruppe mit ihren 500 Mitarbeitern. Dass sie in einer ländlichen Gegend angesiedelt ist, sieht er keineswegs als Nachteil: „Für uns ist der Standort sehr attraktiv“, betont er. „Denn der Erfahrungsschatz der Mitarbeiter spielt für unseren weltweiten Erfolg eine Hauptrolle.“ Die Auftragslage ist bestens. Die Gruppe wächst und plant jetzt sogar ein neues Werk.

Antriebe für spezielle Ansprüche

Früher für die Uhrenindustrie tätig, entwickelt Morat heute Antriebe für ganz spezielle Ansprüche. So muss zum Beispiel ein medizinisches Reha-Gerät hoch präzise einstellbar sein. Oder ein Zahnrad eine längere Lebensdauer haben als üblich. „Oft schaffen wir das, woran andere scheitern“, sagt Balkis. Auch Holger Tröndle hat sich nach seinem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens für Eisenbach entschieden: „Hier kenne ich viele Leute“, sagt er. „Und man kann in einem Familienunternehmen schnell Verantwortung übernehmen.“

Auch seine Kollegin Mascha Roth nutzt die Karrieremöglichkeiten in Eisenbach: Sie absolviert hier ihr duales Studium der Betriebswirtschaft. Und geht jetzt sogar für eine Weile nach China – das hat der Geschäftsführer durch die Kontakte der Firma ermöglicht.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang