Stanzteile aus NRW

Warum für diese Firma Werkzeugmacher so wichtig sind


Solingen. Tack, tack, tack, tack …Die Stanzautomaten in der Werkshalle der Firma Ernst Ludwig Emde spucken unermüdlich Kleinteile aus, machen dabei einen Höllenlärm. Wie ein schweres Geschütz. 200 bis 1.000 „Schuss“ pro Minute. „Stanzautomaten können nur tack, tack, das aber hochpräzise“, sagt Geschäftsführer Horst Gabriel.

Der 55-Jährige ist Chef eines Solinger Traditionsunternehmens, das 1932 von seinem Großvater gegründet wurde. Er selbst ist seit 1989 Geschäftsführer: „Ich bin die berüchtigte dritte Generation, die eine Firma ruiniert“, lacht er. Dabei hat er den Betrieb erfolgreich durch die Jahrzehnte geführt und dabei einiges auf den Kopf gestellt.

Schon immer fertigte die Firma Befestigungsteile für Schirme, wie etwa die kleinen Nippel am Rand des Schirmtuchs. Gabriel: „Wir sind Lieferant für den berühmten Knirps. Der Taschenschirm wurde lange Zeit in Solingen hergestellt.“ Doch zwei Zahlen machen den Wandel deutlich: 1986 erwirtschaftete der Betrieb 90 Prozent des Jahresumsatzes mit den Schirmteilen, heute sind es nur noch 2 Prozent. Grund: Schirme sind als Accessoire aus der Mode gekommen und werden kaum noch in Deutschland hergestellt.

Geschickt nutzte die Firma die Erträge aus der Schirmteileproduktion, um ab Mitte der 80er-Jahre die Elektro-Industrie zu erobern – und ein Jahrzehnt später mit Stanzteilen für Autozulieferer ins Geschäft zu kommen. Beide Branchen bringen heute je 40 Prozent des Jahresumsatzes von 4,5 Millionen Euro.

Firma liefert bis nach China und Russland

Erdungsbügel und Kontakte aus Solingen, die sich in jeder Steckdose befinden, gehen an namhafte Elektrofirmen wie Gira und Jung. Autohersteller der Premiumklasse verwenden ebenso elektrische Verbindungsteile aus der Klingenstadt – auch der Stecker für die Tankpumpe im Bugatti Veyron kommt von dort.

Tack, tack, tack: 200 Millionen Teile aus Kupfer, Bronze, Edelstahl, Messing, aber auch aus Dichtungspapier fertigen die 30 Mitarbeiter im Jahr. Und die in einer eigenen Abteilung hergestellten Werkzeuge sind kleine Wunderwerke der Mechanik und das eigentliche Kapital der Firma. Sie werden in einem  verschlossenen Raum hinter einer feuerfesten Tür aufbewahrt.

Derweil konstruiert Peter Saul am Computer die komplexen Werkzeuge, die wie eine Art Metall-Lasagne (drei Platten mit Füllung) aufgebaut sind: „Für meine Arbeit braucht man gutes räumliches Vorstellungsvermögen und jede Menge Erfahrung“, sagt der 45-Jährige.

Tack, tack, tack: Stanzautomaten können nur den Hammer niedersausen lassen. Aber die Werkzeuge darin nutzen die brachiale Kraft. Sie biegen, lochen, kanten, ziehen tief, drücken Rillen, schneiden aus oder formen Gewinde. Am besten alles zusammen bei einem einzigen Arbeitshub: Fertig ist ein Flach­stecker.

Die guten Werkzeugmacher und die rationelle Fertigung machen den Erfolg aus, sagt Firmenchef  Gabriel: „Wir liefern sogar in Billiglohnländer wie Russland, China oder Brasilien.“

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