Mit kleinem Schubs zur Traumnote

Warum Faton Krasniqi nach schwierigem Berufseinstieg als Azubi durchstarten konnte

Altheim. Der Frust war groß.Viele Bewerbungsschreiben, aber nur Absagen: Wie andere Jugendliche mit schwachen Schulnoten hat das auch Faton Krasniqi (19) erlebt. Trotzdem bekam der ehemalige Hauptschüler am Ende seine Chance auf eine Ausbildung – und das in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie.

Die HA-BE Gehäusebau, eine Blech bearbeitende 230-Mann-Firma in Altheim bei Landshut, hat Krasniqi zum Maschinen- und Anlagenführer ausgebildet. Und wie: In der praktischen Abschlussprüfung reichte es vor einem Jahr sogar zu einer glatten Eins, in der Theorie immerhin noch zur Note zwei. „Ich wollte es allen beweisen“, sagt er.

„Dann ist bei mir der Groschen gefallen“

Krasniqi hat nach schwacher Schullaufbahn die Kurve gekriegt. Voraussetzung dafür war sein Wille. Enorm geholfen haben ihm aber auch sein Betrieb – und das Förderprogramm „power(me)“.

Die Metall- und Elektroarbeitgeberverbände bayme und vbm haben das Projekt 2011 ins Leben gerufen und mitfinanziert. Es unterstützt Jugendliche, die als leistungsschwach gelten, während ihrer Ausbildung. Die Erfahrungen sind so positiv, dass in diesem Jahr zusätzlich das Programm „power25+(me)“ startet. Es begleitet junge Erwachsene im Alter zwischen 25 und 35 bei einer Umschulung.

„Ich habe Hilfe gebraucht“, erklärt Krasniqi, warum er in der Ausbildung plötzlich durchgestartet ist. „Es war wie ein kleiner Schubs.“ Immer waren Ansprechpartner um ihn herum. In zusätzlichen Förderstunden konnte er gezielt an seinen Schwächen arbeiten. „Ich habe gemerkt, dass sich mein Einsatz auszahlt“, sagt er. „Deshalb ist bei mir dann der Groschen gefallen.“

Jugendliche in der Ausbildung an die Hand nehmen – so lautet das Konzept von power(me). Und es ist die Philosophie von HA-BE-Ausbildungsleiter Roland Ubrig. „Jungs wie Faton müssen erst erwachsen werden“, sagt er. „Sie auszubilden, ist schon anstrengend, aber es ist toll, ihre Entwicklung zu sehen.“

HA-BE vertraut seit Jahren auch auf Auszubildende, deren Zeugnisse nicht zu den besten gehören. Warum? „Die Zahl der Bewerber nimmt rapide ab“, berichtet Ubrig. „Außerdem brauchen wir ja nicht nur Häuptlinge, sondern auch Indianer.“

Bei Werkzeugmechanikern setzt der Ausbildungsleiter den Realschulabschluss voraus. „Aber nicht jeder Auszubildende braucht die mittlere Reife“, sagt er. Für viele Tätigkeiten in der Industrie reiche es aus, einfaches technisches Verständnis mitzubringen, fleißig zu lernen und gewissenhaft zu arbeiten. „Und das kann schließlich fast jeder leisten, der sich reinhängt.“

Techniker oder Meister ist möglich

Fehlende Ausbildungsmöglichkeiten für Haupt- und Mittelschüler, die immer wieder beklagt werden, erkennt Ubrig nicht. „Im Gegenteil“, sagt er, „ihre Chancen sind heute besser denn je.“ Die Industrie brauche sie ebenso wie das Handwerk.

Bei HA-BE ist man mittlerweile sehr froh, Faton Krasniqi eine Chance gegeben zu haben. Er macht sich so gut, dass Ubrig ihn schon als zukünftigen Techniker oder Meister sieht: „Faton kann das erreichen, wenn er sich weiter so entwickelt wie bisher.“

Der hat mittlerweile das nötige Selbstvertrauen. „Man kann vieles schaffen, wenn man es nur unbedingt will“, sagt er. „Das habe ich während meiner Ausbildung gelernt.“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?
Ich wollte in die Industrie. Nach erfolglosen Bewerbungen für andere Berufe bot sich mir mit der Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer die Chance dazu.

Was reizt Sie am meisten?
Ich mache etwas mit den Händen. Und am Ende des Tages sehe ich, was ich geschafft habe. Außerdem kann ich selbstständig arbeiten.

Worauf kommt es an?
Ich muss sehr genau sein. Zudem helfen mir mein technisches Verständnis und mein gutes räumliches Vorstellungsvermögen.


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