Bessere Chancen nach Ortswechsel

Warum ein Spanier in Bayern eine Ausbildung macht

Feilt an seiner Zukunft: Manuel Peredo Garcia bei Stangl. Foto: Weigel

Roding. Lange überlegen musste Manuel Peredo Garcia nicht. Neun Monate war er in seiner Heimatstadt Santander im Norden Spaniens arbeitslos. Auch die Jobsuche in anderen Regionen des wirtschaftlich geschwächten Landes hatte nichts gebracht.

Während eines Schweißer-Lehrgangs hörte er von der Chance, in Bayern eine Ausbildung zu machen. Er bewarb sich sofort – und mit Erfolg.

Seit Anfang September lernt Peredo Zerspanungsmechaniker in dem Präzisionstechnik-Unternehmen Stangl & Co. in Roding (Oberpfalz). In Spanien hatte er zehn Jahre als Schreiner und zwei Jahre als Maurer gearbeitet.

Jetzt weiß er genau, was er will: „Mein Ziel ist, die Lehre zu schaffen und dann hier im Unternehmen zu bleiben.“ Mit ihm ist seine Freundin Diana nach Roding gekommen. Sie war auch arbeitslos und macht nun eine Ausbildung zur technischen Produktdesignerin – ebenfalls bei Stangl, einer Firma mit 250 Mitarbeitern, davon 58 Azubis.

Sechs Stunden Deutsch-Kurs in der Woche und Hilfe von den Kollegen im Alltag

Insgesamt sind 19 Spanier im Alter von 19 bis 31 seit gut zwei Monaten zur Lehre im Landkreis Cham, in dem Roding liegt. Das ermöglicht ihnen das Projekt „career(BY)“ der ba­yerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände, der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft und des Landkreises.

Begonnen hatte das Programm mit einem Deutsch-Kurs in Spanien. Im Sommer folgte ein zweimonatiges Praktikum in den Betrieben. „Schon da haben wir gemerkt, dass Manuel Erfahrung im Handwerk und Talent hat“, erzählt Emanuel Senft, der Ausbildungsleiter von Stangl.

Noch finde das Unternehmen relativ leicht Nachwuchskräfte. Aber die Zahl der Schüler in der Region gehe zurück. „Deshalb sind wir bereit, neue Wege zu gehen“, sagt Senft.

Ein großer Schritt war für Peredo und seine Freundin der Umzug nach Deutschland. Senft und seine Azubis unterstützen die beiden. Gemeinsam besorgten sie gebrauchte Möbel und Hausgeräte. „Dann haben wir geholfen, ihre Wohnung einzurichten“, berichtet Senft. Peredo weiß das zu schätzen: „Die Kollegen sind sehr freundlich.“

Größtes Problem für die zwei Spanier ist Deutsch. In einem Kurs lernen sie sechs Stunden in der Woche die Fremdsprache. „Verstehen ist einfacher als selbst zu sprechen“, sagt Peredo auf Spanisch.

Eva-Maria Nelz, eine Mitarbeiterin des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft, springt noch oft als Dolmetscherin ein. Diese Betreuung ist ein wichtiger Teil von career(BY).

Denn die Spanier sollen in ihrer Wahlheimat nicht nur einen Lehrabschluss schaffen, sondern sich auch wohlfühlen. Hilfe können sie gut gebrauchen. „Noch bringt jeder Tag eine neue Herausforderung“, sagt Peredo.


Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?
Ich wollte schon seit langem etwas in der Metallbranche machen. Auch weil dort besser bezahlt wird als in der Bauwirtschaft, in der ich vorher tätig war.

Was reizt Sie am meisten?
Das Fräsen zu lernen und überhaupt ganz exakt zu arbeiten.

Worauf kommt es an?
Zum einen auf das handwerkliche Geschick, zum anderen darauf, immer konzentriert zu sein. Nur dann lässt sich die geforderte Präzision erreichen.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang