Behinderte im Job

Warum ein Metallbetrieb auf Menschen mit Handicap setzt


Hagen. Schleifstein reibt auf Metall, die Maschine sprüht Funken wie eine Wunderkerze. Sascha Thiele holt die Teile heraus, prüft die platten Enden. Die nächste Ladung ist dran: pro Loch eine Stahlfeder, natürlich richtig herum und in der passenden Größe. „Sonst gehen sie kaputt“, sagt er.

Es ist eine einfache, monotone Tätigkeit an der Schleifmachine: „Aber ich muss voll konzentriert sein“, betont der Mann Mitte 30. Wie viele seiner Kollegen hat Thiele eine Behinderung. Bei ihm ist es eine Lernschwäche.

Seit vier Jahren arbeitet er bei der Hagener Firma Schrimpf & Schöneberg in der Schleiferei, gilt als akurat und zuverlässig. 16 der 82 Mitarbeiter des mittelständischen Federnherstellers sind geistig oder körperlich behindert. „Es sind hochmotivierte Mitarbeiter mit einem hohen Qualitätsbewusstsein. Auf sie kann man bauen“, lobt Jürgen Hammermeister, einer der beiden Geschäftsführer des Familienbetriebs, der zur Springtec-Gruppe gehört. „Auch wir müssen Geld verdienen. Unsere Behinderten helfen uns dabei.“

Heute sind 18 Prozent mehr Behinderte in Lohn und Brot als noch vor sieben Jahren

Bundesweit gibt es nur 730 Unternehmen mit einem ähnlich hohen Anteil an Behinderten, doch mehr als 37.000, die keinen beschäftigen, heißt es im Jahresbericht der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen.

Sind in einem Betrieb weniger als 5 Prozent der Mitarbeiter Schwerbehinderte, dann muss er zahlen: monatlich maximal 290 Euro für jeden unbesetzten Pflichtplatz. Trotzdem sind Menschen mit Handicap nahezu doppelt so oft arbeitslos wie Nichtbehinderte. Dennoch: Im Vergleich zu 2006 sind 18 Prozent mehr in Lohn und Brot.

Die Hagener Firma, die Druck-, Zug- und Schenkelfedern etwa für Rückbankverriegelungen von Autos herstellt, hatte vor Jahren überlegt, Arbeiten wie das Schleifen oder Verpacken nach Osteuropa auszulagern.

Doch weil man Qualitätsprobleme befürchtete, entschied man sich zur Zusammenarbeit mit den Iserlohner Behinderten-Werkstätten. Mit der Folge, dass die Firma 2009 eine Integrationsabteilung einrichtete: mit damals zwölf neuen Arbeitsplätzen. Das Werk steckte 380.000 Euro in die Anschaffung von Technik und den Umbau von Umkleiden, Toiletten und Arbeitsplätzen.

„Die Hälfte des Geldes kam aus Fördermitteln, den Rest tragen wir selbst“, sagt Hammermeister. Zudem gibt es Betreuungsgeld und Lohnzuschüsse: Schließlich stehen diesen Mitarbeitern fünf Urlaubstage mehr zu, der Krankenstand ist höher. Wegen Knie- und Rückenproblemen können einige die Maschinen nur im Sitzen bedienen. Bei manchen sind die Bewegungen langsamer, andere würden ständig wechselnde Aufgaben nicht verkraften. „Man muss mehr Rücksicht nehmen“, sagt Wilfried Bahner, Vorarbeiter in der Integrationsabteilung und selbst schwerbehindert: „Hauruck geht nicht!“

Derweil hat Hammermeister neue Pläne: Er will bald die ersten Jugendlichen mit Handicap ausbilden.

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