Verlängertes Berufsleben

Warum ein Ingenieur der Maschinenfabrik Reinhausen noch als Rentner arbeitet

Regensburg. Wenn Alfred Maier durch die Montagehallen der Maschinenfabrik Reinhausen (MR) in Regensburg geht, schüttelt er viele Hände. Da und dort bleibt er kurz für einen Plausch stehen. Seit zwei Jahren ist er in Rente, aber richtig aufgehört hat der 67-jährige Maschinenbau-Ingenieur mit der Arbeit noch nicht.

In Schulungen für neue, überwiegend junge Mitarbeiter gibt er sein Wissen weiter – Erfahrung aus 35 Berufsjahren in der Konstruktionsabteilung der Firma. „Das ist mir ein großes Anliegen“, begründet Maier sein Engagement als freier Mitarbeiter.

MR stellt Laststufenschalter und Umsteller her, zylinderförmige, mannshohe Geräte für Trafos. Sie regeln unter anderem die Spannung. „In den letzten Jahren sind hier viele in Rente gegangen und mit ihnen ein Teil des Produktwissens“, sagt Maier. „Nach wie vor interessiere ich mich für Technik, und ich habe noch eine enge Bindung zur Firma.“

MR nutzt auch die Erfahrung von anderen ehemaligen Mitarbeitern. „Aktuell haben wir mit fünf von ihnen einen Beratervertrag“, berichtet Matthias Markl, der die interne Personalberatung des Unternehmens leitet. Die meisten von ihnen waren in der Entwicklung tätig.

Wie für alle anderen bayerischen Metall- und Elektrobetriebe ist es wichtig, Wissen zu behalten. „Entweder geben diejenigen, die bald in den Ruhestand treten, ihr Know-how direkt an die Nachfolger weiter“, erklärt Markl. „Oder das Wissen wird klar strukturiert schriftlich festgehalten.“

„Noch immer bin ich im Betrieb gut vernetzt, vor allem mit den Konstrukteuren“

Alfred Maier vermittelt seine Spezialkenntnisse an Gruppen mit 15 bis 20 Teilnehmern. Er fängt mit Grundlagen der Elektrotechnik an, erklärt, wie ein Transformator funktioniert, und referiert über Produktnormen sowie -vorschriften und natürlich über die einzelnen Laststufenschalter-Typen, die MR produziert. Wie aber bleibt Maier stets auf dem aktuellen Stand der Technik?

„Ich informiere mich regelmäßig im Intranet der Firma“, erzählt der rührige Pensionär. Und bei Bedarf fragt er die Kollegen: „Noch immer bin ich gut vernetzt, vor allem mit der Konstrukteursgruppe, die ich früher geleitet habe.“

Manche Laststufenschalter, die Maier mit entwickelt hat, werden heute noch hergestellt – ohne große Veränderungen. „In unserer Branche sind die Produktzyklen ziemlich lang, manchmal 30 bis 40 Jahre.“

Für Neues ist Maier aber immer offen. „Mein ganzes Berufsleben war ein einziges Lernen.“ Am Zeichenbrett hatte es begonnen. Ende der 80er-Jahre folgte die CAD-Konstruktion am Computer.

Das Wissen auf 425 Folien gebündelt

Die Unterlagen für die Schulung hat Maier von dem Vorgänger übernommen, überarbeitet und mit vielen Grafiken anschaulicher gemacht. Auf 425 Folien hat er sein Wissen zusammengefasst.

Den Unterricht im nächsten Winter bereitet er schon vor. „Vielleicht mache ich’s auch noch im übernächsten“, sagt er. „Danach muss man sehen, dann gehe ich ja immerhin auf die 70 zu.“

Wie lange die Verlängerung seines Berufslebens noch dauert, hängt auch von der Gesundheit ab. 2005 hatte Maier einen leichten Herzinfarkt und musste deshalb kürzertreten – mit Altersteilzeit. In der Freistellungsphase von 2009 bis 2012 setzte er aber die Schulungen fort, mit denen er ein Jahr zuvor begonnen hatte.

Seitdem hat er mehr Zeit für sein großes Hobby: „Schon 1974 habe ich im Urlaub und auf Familienfeiern mit dem Filmen angefangen.“ Und auch dank seiner Tätigkeit für MR stellt Maier zufrieden fest: „Langweilig ist mir als Rentner bisher noch nicht geworden.“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?
Als Jugendlicher ging ich auf meinem Schulweg in Passau am Verwaltungsgebäude eines Kraftwerks vorbei. Da sah ich immer einen Mann im weißen Kittel am Zeichenbrett arbeiten. Das wollte ich dann auch machen.

Was reizte Sie am meisten?
Neue Produkte entwickeln. Das ist für Ingenieure die Königsdisziplin.

Worauf kommt es an?
Für MR ist Qualität das A und O. Technische Fehler, die schlimme Folgen haben können, gilt es zu vermeiden. Zum Glück ist mir das immer gelungen.


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