Investitionen: Nur wer wagt, der kann gewinnen

Warum ein bayerischer Mittelständler sogar in der Konjunkturflaute viel Geld in die Hand nimmt


Bogen. Am liebsten würde Konrad Schnupp sofort loslegen: „Wenn wir das passende Grundstück gefunden haben, bauen wir gleich eine neue Produktionshalle“, kündigt der Unternehmer an. Dafür will er gut 3 Millionen Euro in die Hand nehmen – ein ganz schön dicker Brocken für die Schnupp GmbH & Co. Hydraulik KG in der niederbayerischen Kleinstadt Bogen, eine Firma mit rund 23 Millionen Euro Jahresumsatz.

Das Familienunternehmen fertigt Spezialmaschinen, etwa riesige Pressen für die Auto-Industrie. Für die nächsten 14 Monate ist es gut ausgelastet. „Was danach kommt, wissen wir allerdings noch nicht“, betont der Chef.

Trotzdem will er nun schrittweise den größten Teil des Betriebs an einen neuen Standort in der Nähe verlagern. „Wo wir jetzt sind, können wir uns nicht weiter ausdehnen“, sagt Schnupp.

1979 hatte der Maschinenbau-Ingenieur allein in einer Garage angefangen. Inzwischen hat er 136 Mitarbeiter – und das Firmengrundstück ist fast komplett zugebaut. Allerdings: Investitionen bedeuten für Schnupp, wie für jeden anderen Unternehmer, ein erhebliches Risiko. Meistens dauert es viele Jahre, bis das reingesteckte Geld dann wieder verdient sein kann. „Aber Investitionen sind lebenswichtig“, sagt Oliver Koppel, Forscher am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), „ohne sie bleibt kein Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig. Deshalb sind Gewinne so wichtig, aus ihnen werden ja auch Investitionen finanziert.“

Schnupps persönliche Devise lautet: „Was der Betrieb erwirtschaftet, wird zum allergrößten Teil investiert.“ Davon hält ihn auch nicht das beschleunigte Rauf und Runter der Konjunktur ab. Als während der Krise 2009 Kurzarbeit nötig war, wurde die Zeit genutzt, um einen Prüfstand zu bauen und Mitarbeiter weiterzubilden.

„Gott sei Dank haben wir damals sogar sieben neue Stellen geschaffen“, sagt der Firmenchef. Unter anderem für Azubis, die Schnupp von benachbarten Betrieben übernahm. Mit der größeren Mannschaft ließen sich dann im Aufschwung die vielen Aufträge bewältigen.

Schnupps Strategie: „Man muss antizyklisch denken und handeln.“ Also auch dann investieren, wenn die Konjunktur auf Talfahrt ist. IW-Ökonom Koppel hält das für den richtigen Weg: „In der Flaute haben die Unternehmen mehr Zeit und Luft – zum Beispiel, um Maschinen oder Computer zu ersetzen und Abläufe zu verbessern.“ Allerdings sind 2009, in der tiefsten Rezession seit Bestehen der Bundesrepublik, die „Brutto-Anlageinvestitionen“ (das Geld für neue Maschinen und Gebäude einschließlich der Abschreibungen) der Branche deutlich gesunken.

Nicht mit jedem Auftrag lässt sich Geld verdienen

Nicht so bei Schnupp: 2010 ging der Auftrag für ein neues Gebäude raus, 1,5 Millionen Euro wurden in den 2012 fertig gewordenen Bau investiert.

„Das war ein Superpreis“, sagt Schnupp und freut sich, „jetzt würde es 20 Prozent mehr kosten.“ Denn die Baupreise haben seitdem ja kräftig angezogen.

Viel Geld riskiert Schnupp auch in der Forschung und Entwicklung. Die komplexen Spezialmaschinen der Firma sind Einzelstücke, die oft erheblichen Entwicklungsaufwand erfordern. „Mit manchen Aufträgen haben wir schon satte Verluste gemacht“, gibt der Unternehmer zu, „weil nicht alles so funktioniert hat, wie der Kunde und wir uns das vorgestellt haben.“

Zum Glück passiert das nur selten. Und Schnupp hat sich an die Risiken längst gewöhnt: „Man muss damit eben umgehen können.“ Das bringt der 64-Jährige nun auch seiner Tochter Carmen (28) bei – denn die Maschinenbau-Ingenieurin soll später einmal die Firma übernehmen.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang