Auch bei Armani, Boss und Beate Uhse sorgen sie für Ordnung

Warum die Metallregale der Firma Julius vom Hofe so gefragt sind

Lüdenscheid. Diese Frau kann anpacken: „Ich baue unsere Regale im Schlaf auf. Und das ohne jede männliche Hilfe.“ Dabei ist sie nicht etwa „Billi“-Regal-Spezialistin bei einem allseits bekannten schwedischen Möbelhaus. Nein, Christiane Sieper-Meyer (52) führt die Geschäfte des Lüdenscheider Regalsysteme-Herstellers Julius vom Hofe, der auf eine über 150-jährige Geschichte zurückblickt.

Regal total: Die 123 Mitarbeiter am westfälischen Stammsitz und im thüringischen St. Ganglof produzieren pro Jahr 650.000 Meter Regale aus 5.500 Tonnen Bandstahl. Der Umsatz erreichte im vergangenen Jahr 21 Millionen Euro.

Damit er weiter wächst, setzt die Firma, deren Geschicke Sieper-Meyer in fünfter Generation gemeinsam mit Christian Jünemann (51) lenkt, auf Innovation: Als einziges deutsches Unternehmen bietet es speziell beschichtete Regale für die Lebensmittel-Industrie an. Mit „Antibac“ hat es zudem für Krankenhäuser eine antibakterielle Ausrüstung im Angebot, die das Wachstum von so gefährlichen Bakterien wie MRSA, Ecoli oder Pseudomona Erigonosa hemmt. Und für Hersteller besonders empfindlicher elektronischer Bauteile wie zum Beispiel PC-Chips liefert der Betrieb Regale, die blitzartige statische Entladungen verhindern, es „funkt“ also nicht mehr.

Zudem sind alle Regalsysteme in der kompletten RAL-Farbpalette erhältlich. Designer fliegen dabei auf spezielle Glitzer- und Glimmer-Lacke für hippe Regalsysteme in Shops von Armani, Cartier, Manufactum oder Boss. Auch das berühmte Münchner Wirtshaus Roeckl setzt in Küche und Gastraum auf Regal-Design aus Nordrhein-Westfalen.

Es gibt offensichtlich viel zu stapeln, weitaus mehr als Aktenberge in Finanzämtern und Anwaltskanzleien. Borussia Dortmund und Bayern München nutzen die Regale aus Lüdenscheid ebenfalls. Und Deutschlands bekannteste Erotik-Versender Beate Uhse und Orion bringen so Ordnung in den Bestand der Sex-Spielzeuge.

Das, was außer Landes geht, findet sich unter anderem im Werkzeuglager bei Coca-Cola in Moskau. Hierzu Sieper-Meyer: „Unsere Aufbauanleitung gibt es in 17 Sprachen. Auch Chinesisch gehört dazu.“

Wo auch immer auf der Welt in Hofe-Regale gestapelt wird, alles hat seinen Anfang als große Bandstahl-Rolle. Da wird geschnitten, gestanzt, gelocht, da werden Kanten gebogen und gefalzt. Das Ergebnis sind zwei Stecksysteme und ein Schraubsystem, die bis zu 7,50 Meter hoch und zwischen 30 und 100 Zentimeter tief sind. Dabei kann ein einziges Regal bis zu zwei Tonnen tragen!

Trotzdem gleicht kaum ein Regal dem anderen. Die Firma hat 15.000 Artikel im Angebot; allein in der Versandabteilung arbeiten 35 Beschäftigte. Leiterin Kristina Tillmann (37): „Zum Konfektionieren brauchen wir deshalb Leute, die höllisch aufpassen und mitdenken. Wenn hier jemand pennt, ist der Ärger mit dem Kunden programmiert.“

Für Chefin Christiane Sieper-Meyer war das Leben in einer Welt aus Regalen vorgezeichnet: „Ich hatte schon im Kinderzimmer alles aus Stahlregalen.“


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