Austausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft

Warum der Schraubenproduzent Nedschroef Altena Studenten als Unternehmensberater einsetzt

Altena. „Die Firma wächst und wächst. Und wo ein Plätzchen frei ist, kommt noch eine Maschine rein“, sagt Guido Henke, während er in der Presserei nach dem Rechten schaut. In seiner Abteilung ist es eng. Zu eng. Henkes Arbeitgeber Nedschroef Altena fertigt drei Milliarden Schrauben im Jahr, für die Fahrzeug-Industrie weltweit. Und braucht dafür mehr Fläche.

Ende 2016 soll die neue Halle auf dem Nachbargrundstück stehen, dem Hersteller zusätzliche 5.000 Quadratmeter bieten und nebenbei die Produktionskosten um 10 Prozent senken. Abteilungsleiter Henke und seine Kollegen bekommen dann ordentlich Platz – auch dank der Hilfe von Studenten.

Für das größte Investitionsprojekt (6 Millionen Euro) am Standort Altena hat sich das Unternehmen mit 250 Mitarbeitern nicht an einen Fabrikplaner gewandt. Sondern an den Technologiescout Andreas Becker. Der Ingenieur vermittelt Kontakte zwischen Firmen und Wissenschaftlern in Südwestfalen. Die Beratung ist kostenlos und wird vom Transferverbund Südwestfalen getragen, einem Zusammenschluss der Wirtschaftsförderungen, der Kammern und der Hochschulen aus der Region.

Diesmal schaltete Becker ein Wissenschaftsteam ein, das sich auf Logistikplanspiele im Mittelstand spezialisiert hat: Ein Professor und zwei Studenten von der Fachhochschule Südwestfalen vermaßen alle 200 Maschinen und bildeten sie auf Magneten nach. Rot die Pressen, grün die Walzen: Die Plättchen, die an Figuren eines Brettspiels erinnern, gaben die Anlagen in Form und Maß wieder. Zwar ging es bei der Beratung vor allem um den Neubau, doch auch die bestehende Fertigung kam auf den Prüfstand. Die neue Halle wird lang und schmal, trotzdem sollen die Mitarbeiter kurze Wege haben und gehärtete und ungehärtete Produkte sich nicht in die Quere kommen.

„Die Studenten haben ihren Blaumann angezogen und Wochen in der Produktion verbracht“, sagt Geschäftsführer Karlheinz Munz, „sie haben die Mitarbeiter befragt: Warum steht diese Maschine hier und nicht dort? Von welcher Seite muss man Zugang haben? In welcher Ecke muss die Absaugungsvorrichtung sein?“

Dann durfte die Belegschaft mitspielen und die Magnete auf dem Plan hin- und herschieben. Bis es passte. Guido Henke, der Mann in der Presserei: „Auch Dinge wie Sanitäts- und Pausenräume haben wir besprochen.“

Einer der beiden Studenten, Christian Engel, nutzte das Beratungsprojekt als Sprungbrett in den Beruf. Seit Januar steht der junge Betriebswirt bei Nedschroef auf der Gehaltsliste. Er wird den Bau der Halle weiter betreuen.


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