Nischenprodukt

Warum der Industrie-Zulieferer KSL mit Staub Geld verdient

Lauingen. Für jede schwäbische Hausfrau wäre er ein Graus – Staub. Doch ausgerechnet im Stammland der Kehrwoche hat ein Unternehmen entdeckt, dass sich damit Geld verdienen lässt. Die KSL Staubtechnik aus dem bayerisch-schwäbischen Lauingen an der Donau ist einer der wenigen Anbieter weltweit, die sich ausschließlich mit diesem Produkt beschäftigen.

Die kleine Firma (34 Mitarbeiter) bringt davon jährlich 1.500 Tonnen auf den Markt. Sauber abgepackt lagern die Produkte in der Werkhalle. Mit den Wollmäusen, also dem berühmt-berüchtigten Schmutz unter dem Bett, haben sie natürlich nichts gemein.

Der größte Teil geht als Trennmittel in die Industrie. Geschäftsführer Rupert Stadler erklärt: „Das kommt etwa zum Einsatz, damit Kunststofffolien nicht verkleben oder bedruckte Papierbögen nicht aneinander haften bleiben.“

Am Anfang war es nur ein Abfallprodukt

Begonnen hat das Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals war für den Gründer Konrad Schumacher Staub zunächst nur ein Abfallprodukt – aus dem familieneigenen Kalksteinbruch. Die Kalkreste wurden jedoch zum zweiten Standbein. Aus dem daraus gewonnenen reinen Calciumcarbonat entwickelte das Unternehmen ein sogenanntes Druckbestäubungspuder, das erste in Deutschland.

Mittlerweile produziert KSL Staub aus den unterschiedlichsten Materialien. Je nach Anwendung etwa auch aus Stärke oder speziellem Zucker. „So einen Staub können Sie dann sogar essen“, sagt Stadler. Schließlich müssen bei Folien, die als Verpackung für Nahrungsmittel dienen, die lebensmittelrechtlichen Vorschriften eingehalten werden.

Ein spezielles Mahlverfahren zerstößt das Material, statt es zu zerquetschen. Dann wird so lange gesiebt und kontrolliert, bis am Ende alle Körner nahezu gleich groß sind.

Den Einstieg in das Geschäft mit Prüfstaub hat vor ein paar Jahren ein Autohersteller geebnet. „Er fragte uns, ob wir den sogenannten Arizona-Staub künstlich herstellen können“, erinnert sich KSL-Marketingleiter Wolfgang Bundesmann. Mit diesem nach dem US-Bundesstaat benannten Norm-Staub testet die Industrie zum Beispiel, ob Luftfilter funktionieren oder Gehäuseteile dicht schließen.

Prüfstäube sind noch ein kleiner Bereich, doch laut Stadler der spannendste. Je nach Anforderung bekommt der Kunde nicht nur das Standardprodukt, sondern auch ganz individuell zusammengestellten Prüfstaub. Das erfordert Erfinderreichtum. „Um Insektenpulver zu simulieren, haben wir Tierfutter verwendet“, erzählt Bundesmann. Als Material aus menschlichem Haar gebraucht wurde, kauften die Staub-Stöberer Echthaarverlängerungen.

Auch detektivisches Gespür ist gefragt. So hatte ein Autohersteller Probleme mit seinen Scheibenwischern – sie nutzten sich in China viel schneller ab als in Europa. Daraufhin entwickelte KSL den passenden Staub zur Ursachenforschung. Und zwar nur anhand der Luftdaten aus China, man musste dazu noch nicht einmal dorthin fliegen.

Spätestens an dieser Sparsamkeit hätte die schwäbische Hausfrau dann doch ihre wahre Freude.


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