Die etwas anderen Fachkräfte von Phoenix Contact

Warum der Elektrotechnik-Spezialist auf Migranten, Menschen mit Handicap und Ältere setzt


Blomberg. Fabian David (20) sitzt lässig in der Firmenkantine und erzählt von der Freude, als er seinen dualen Ausbildungsplatz bei Phoenix Contact in Händen hielt: „Es war immer mein Traum, beim größten Arbeitgeber der Region anzufangen. Und der ist wahr geworden.“

David qualifiziert sich zum Elektrotechniker, lernt dafür auch noch an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo. Das Besondere: Der junge Mann ist von Kindesbeinen an schwerhörig und weiß, wie schwierig es oft für Menschen mit Handicap ist, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu bekommen. Also alles keine Selbstverständlichkeit für Fabian.

Für Geschäftsführer Gunther Olesch (57) schon, der auch Professor an der Hochschule in Lemgo ist. Es gehört zu seiner Strategie, neue Fachkräfte-Potenziale zu erschließen: Menschen mit Migrationshintergrund oder Handicap – oder einfach nur Ältere.

Rechtzeitiger Strategiewechsel

Olesch: „So sind wir vorbereitet auf den demografischen Wandel. Wenn der zuschlägt, ist es zu spät, um zu reagieren.“ Schon 1993 bereitete er den Strategiewechsel vor. Seine Vision damals: „Wir wollen einer der besten Arbeitgeber der Region sein.“

Viel deutet darauf hin, dass Phoenix Contact das geschafft hat. Das Unternehmen ist Weltmarktführer in der Elektrotechnik für Industrieanlagen und sorgt zum Beispiel mit seinen Steckern für das sichere Weiterleiten von Strom und Daten. 70 Prozent des Weltmarkts wird von Firmen aus Ostwestfalen-Lippe bedient. Und Phoenix Contact ist so groß wie alle Mitbewerber in der Region zusammen.

Olesch ist denn auch stolz auf die vielen internationalen Studien, die das Familienunternehmen Jahr für Jahr zu den besten Arbeitgebern in Deutschland zählen.

Etwa wegen der Gesundheitsprogramme. Oder der extrem flexiblen Arbeitszeitmodelle. Der wichtigste Grund aber, so Olesch: „Wir haben eine ethische Unternehmenskultur. Alle Mitarbeiter sind auf unsere Prinzipien eingeschworen, fair und mit gegenseitiger Achtung miteinander umzugehen. Und jeder kann das einfordern.“

Dabei ist Olesch kein Romantiker. Sondern einfach nur Realist: „Wir sitzen hier auf dem Land und sind nicht so attraktiv wie Porsche – und trotzdem können wir unseren Bedarf an hoch qualifizierten Mitarbeitern fast komplett decken.“ Auch, weil er auf die etwas anderen Fachkräfte setzt.

Mit 64 Jahren neuen Job gefunden

Wie etwa den angehenden Verfahrensmechaniker Aziz Babaian. Der 20-Jährige stammt aus Georgien. In der zehnten Klasse nahm er an einem gemeinsamen Förderprojekt seiner Hauptschule und des Unternehmens teil.

Der junge Mann, der im zweiten Lehrjahr ist, erinnert sich: „Am Ende des Vorbereitungsjahrs hielt der Ausbilder drei Verträge in der Hand. Einer war für mich. Ohne das Projekt hätte ich – wie viele meiner Klassenkameraden – wohl keinen Ausbildungsplatz bekommen.“ Das Beste: Aziz hat schon eine Übernahmegarantie in der Tasche.

Joachim Schöbel bekam wegen seiner Erfahrung eine Chance: Der 64-Jährige ist als Prüfmittelbauer mitverantwortlich für die Qualität der Produkte. Er hatte nach der Insolvenz seines früheren Arbeitgebers bereits den Rentenantrag eingereicht, dann aber nach nur zwei Wochen eine neue Stelle bei Phoenix Contact. Schöbele ist froh, wieder einen Job zu haben: „Für den Körper ist es gut zu arbeiten, für die Seele, gebraucht zu werden.“

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Info: Phoenix Contact

Das Unternehmen beschäftigt in 47 Ländern insgesamt 12.300 Mitarbeiter, die Hälfte davon in Deutschland und 3.900 am Stammsitz Blomberg. Mehr als 1,5 Milliarden Euro Umsatz machte Phoenix Contact im vergangenen Jahr.

Zum Produktangebot gehören neben Steckverbindungen auch Automatisierungs-, Steuerungs- und Funktechnik. Die Kunden kommen weltweit aus den Branchen Automobil, Chemie, Pharma, Maschinenbau und Energieerzeugung.

Unternehmen in diesem Artikel

PHOENIX CONTACT GmbH & Co. KG

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PHOENIX CONTACT GmbH & Co. KG
Flachsmarktstraße 8
32825 Blomberg

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