Schließtechnikfirma profitiert von der Globalisierung

Warum der Autozulieferer Witte auf das Freihandelsabkommen TTIP setzt

Velbert. Klack, klack, klack! 50.000-mal geht die Heckklappe im Testlabor auf und wieder zu. „Und das ist nicht alles, was so ein Schloss durchstehen muss, bevor es reif für die Serie ist“, erzählt Christof Köster, Versuchs- und Messtechnikleiter bei Witte Automotive in Velbert.

Köster lässt die neuen Bauteile in der Klimakammer bei 60 Grad schmoren und bei 40 Grad minus frieren, besprüht sie mit Salzwasser und beschießt sie mit Sandstrahl: „Wir simulieren jedes Wetter.“

Witte ist auf Schließ-, Verriegelungs- und Sicherheitssysteme für Fahrzeuge spezialisiert. Das Unternehmen beliefert alle namhaften Autohersteller, wie VW, Audi, Daimler, Ford oder Volvo.

Komplexe Sachen in den Griff bekommen, das kann Witte sowohl wortwörtlich als auch im übertragenen Sinne. Denn die Türgriffe und Heckklappen sind voll mit Elektronik auf kleinstem Raum.

Für den Lamborghini Huracán haben Entwicklungsleiter Reinaldo Mensch und sein Team einen Griff entwickelt, der völlig plan mit der Karosserie ist. Dadurch fügt er sich perfekt in das Design des Sportwagens ein, der in 3,2 Sekunden von 0 auf 100 sprintet und 325 Spitze erreicht. Mensch: „Entriegelt der Fahrer mit seiner Funkfernbedienung die Tür, schwenkt der Griff automatisch heraus.“

Obwohl die Autokonjunktur seit Jahren in vielen Ländern Achterbahn fährt, kennt sie bei diesem Familienunternehmen (3.950 Mitarbeiter) nur eine Richtung: nach oben. Im letzten Jahr knackte es die Umsatzmarke von 500 Millionen Euro. Auch für 2015 erwartet Firmenchef Rainer Gölz ein Plus.

Gründe: Die Nordamerikaner kaufen wieder mehr Autos, und in China wird der Absatz weiter zulegen. Witte profitiert davon auch dank der sogenannten VAST-Allianz. Das ist ein Verbund zwischen den Velbertern und zwei US-Autozulieferern, die ähnliche Produkte herstellen. Gemeinsam sind sie in der Lage, alle Modelle einer Automarke auszurüsten, die rund um den Globus vom Band laufen.

Die USA sind ein wichtiger Markt, und Gölz gehört deshalb zu den Befürwortern des geplanten Freihandelsabkommens TTIP. Unter diesem Kürzel wollen die EU und die USA einen gemeinsamen Markt bilden – ohne Zölle und andere Handelsschranken. Den Autoherstellern und ihren Zuliefer-Firmen würde TTIP die Arbeit erleichtern. Noch gelten in Europa und den Staaten für viele Bauteile unterschiedliche Vorgaben. „Was bei der Entwicklung zu Doppelarbeit führt“, sagt Gölz. Durch das Freihandelsabkommen ließen sich die Kosten senken – und die Branche hätte mehr Mittel frei, um in wichtige Innovationen zu investieren. Wie etwa die Entwicklung des selbstfahrenden Autos.

Mit Rückfahrkameras in der Heckklappe trägt Witte einen Teil dazu bei. Das Objektiv fährt erst heraus, wenn man den Rückwärtsgang einlegt. Inzwischen entwickelt die Firma eine Geräte-Generation, die hinten eine komplette Rundumsicht erlaubt.


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