Frauen in der Metall- und Elektro-Industrie

Warum der Autozulieferer Martinrea Honsel auf weibliche Fachkräfte setzt

Meschede. Puppen? „Ich hatte welche, aber nicht viel Spaß daran“, erinnert sich Katharina van Geldern (30). Und Christina Keggenhoff (19) ergänzt: „Ich hatte auch eine, habe aber eigentlich lieber mit Lego gespielt.“ Die beiden Industriemechanikerinnen arbeiten mit 30 weiteren Kolleginnen in technischen Berufen beim Mescheder Leichtmetallguss-Spezialisten Martinrea Honsel, der Motorblöcke, Fahrwerksteile und Getriebegehäuse für Lkws und Pkws herstellt.

Von 1.800 Mitarbeitern sind gerade mal 100 weiblich – das muss sich in Zukunft ändern

Willkommen in einer Männerdomäne: Die Firma beschäftigt an seinen drei deutschen Standorten insgesamt 1.800 Mitarbeiter, darunter aber nur 100 Frauen! Das will Dieter Berndt, Leiter der Personalentwicklung des sauerländischen Unternehmens, ändern. „Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der heute schon bemerkbaren Engpässe bei Facharbeitern“, sagt Berndt, „müssen die Unternehmen sich etwas einfallen lassen, um Frauen für technische Berufe zu begeistern.“ Damit junge Frauen wie Katharina van Geldern erreicht werden.

Sie absolvierte bereits im Jahr 2000 ihre Ausbildung. Christina Keggenhoff dagegen erst vor wenigen Wochen: „Bei uns in der Garage stand immer etwas zum Basteln herum.“ Für typische Frauenberufe wie Kosmetikerin oder Friseurin haben sich beide nie interessiert.

Die Freude am Rumbasteln schon in jungen Jahren sei vielen jungen Frauen eigen, die sich für technische Berufe interessierten, weiß Dieter Berndt aus vielen Gesprächen. Seine Schlussfolgerung: „Wir müssen verhindern, dass Mädchen in klassische Rollen gedrängt werden – Jungs spielen mit Autos, Mädchen mit Puppen und Kinderwagen.“ Der Leiter der Personalentwicklung hält dies für eine gesellschaftliche Aufgabe: „Man muss bei den Mädchen die Begeisterung für Technik wecken.“

Ein harter Job. Bei Martinrea Honsel gibt es neben dem schon klassischen Girls’ Day 80 Schülerpraktikanten pro Jahr und Kooperationen mit diversen Schulen, deren Klassen projektbezogenen Technikunterricht in die Werkhallen verlegen. Der Erfolg aller Mühen in diesem Jahr: 25 neue Azubis in technischen Berufen starten am 1. September. Drei davon sind Mädchen.

„Die jungen Frauen, die es in die Technik zieht, wissen genau, was sie wollen. Sie sind sehr gut informiert“, berichtet Berndt. Und er freut sich über jedes Mädchen, das sich auf den Weg macht, Industriemechanikerin, Elektronikerin oder Maschinenbauingenieurin zu werden. All das gibt es bei Martinrea Honsel. Nicht ohne Grund: „Mädchen sind oft feinmotorisch besser als Jungs. Frauen und Technik – das passt sehr gut zusammen!“

Das findet auch Christina Keggenhoff: „Man sollte nicht schüchtern sein und auch schon mal einen Spruch abkönnen in dieser Männerwelt. Und dann auch die richtige Antwort parat haben.“ Wie ihre Kollegin sieht sie viele Aufstiegsmöglichkeiten, die es in vielen typischen Frauenberufen oft nicht gibt. Katharina van Geldern hat einen weiteren entscheidenden Vorteil ausgemacht: „Ich verdiene das Gleiche wie ein Mann und könnte eine Familie ernähren.“ Ihre Stimme klingt selbstbewusst und stolz.


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Zum Anfang