Mitarbeiter-Porträt

Warum der Ausbildungsleiter von Lapp Kabel gezielt Flüchtlinge qualifiziert

Thilo Lindner bereitet derzeit acht Neuankömmlinge auf eine Ausbildung vor, vier weitere sind bereits Lehrlinge bei Lapp. Was das Unternehmen in Menschen investiere, bekomme es auch wieder zurück, sagt Lindner.

Liebt seinen Beruf: Thilo Lindner – hier mit Firaas Alkhaliefa aus Syrien und Tedros Gebru aus Eritrea (von links). Foto: Mierendorf

Liebt seinen Beruf: Thilo Lindner – hier mit Firaas Alkhaliefa aus Syrien und Tedros Gebru aus Eritrea (von links). Foto: Mierendorf

Thilo Lindner: „Was man in Menschen investiert, bekommt man auch zurück.“ Foto: Mierendorf

Thilo Lindner: „Was man in Menschen investiert, bekommt man auch zurück.“ Foto: Mierendorf

Stuttgart. Wie können wir all die Menschen integrieren? Thilo Lindner hat die Herausforderung längst angepackt. „Flüchtlinge zu qualifizieren, bringt uns einen großen Mehrwert“, sagt der Ausbildungsleiter der Produktionsbetriebe in der Lapp-Gruppe (Stuttgart). Acht Neuankömmlinge bereitet er gerade auf eine IHK-Ausbildung vor, weitere vier sind bereits Lehrlinge.

Schon 2013 nahm der Kabelspezialist Lapp den ersten Flüchtling auf und machte ihn nach einer IHK-Einstiegsqualifizierung zum Azubi. Als 2015 der große Flüchtlingsstrom kam, sah Lindner darin eine Chance zur Fachkräftesicherung. Das Unternehmen, das derzeit insgesamt rund 60 Auszubildende hat, wollte auch einen Beitrag zur Integration leisten. Das Gefühl, aus der Heimat zu fliehen, kennt Lindner: Der gebürtige Thüringer brach kurz vor der Maueröffnung in den Westen auf.

In drei Jahren sollten bei Lapp neun Betroffene eine Einstiegsqualifizierung für den Beruf Maschinen- und Anlagenführer bekommen. Zunächst lud Lindner zu Schnuppertagen. Bald beschlossen die Verantwortlichen bei Lapp, Qualifizierungen in weiteren Berufen anzubieten, weil es so viele Bewerber gab. Im Ausbildungszentrum lernen die Teilnehmer ein Jahr lang Grundlagen, einen Tag pro Woche gehen sie zur Berufsschule. Einen weiteren Tag gibt Lindner Förderunterricht etwa in Wirtschafts-, Sozial- und Gemeinschaftskunde. Der 49-Jährige begleitet seine Schützlinge auch mal zu Behörden oder hilft bei der Zimmersuche. Oft hat er Ausbilder anderer Betriebe im Haus. Er zeigt dann etwa, wie Integration bei Lapp funktioniert. Weil er auch andere überzeugen will: Es lohnt sich.

Die Zahl der Ausbildungsplätze zum Maschinen- und Anlagenführer hat Lindner im aktuellen Lehrjahr extra verdoppelt, um auch drei Absolventen der Einstiegsqualifizierung unterzubringen. „Die Flüchtlinge tun uns einfach gut“, erklärt der zweifache alleinerziehende Vater. „Viele bringen eine große soziale Freundlichkeit mit und sehr gute naturwissenschaftliche Grundlagen, das hilft enorm bei der Integration ins duale Ausbildungssystem.“

Jeder der geflüchteten Azubis bei Lapp ist auch „Kümmerer“ für diejenigen, die jetzt die Einstiegsqualifizierung absolvieren. Auch Tedros Gebru kümmert sich um die Neuen: Der Mann aus Eritrea saß 2008 in einem Boot, das eine Woche ohne Essen und Trinken auf dem Meer trieb, was einige nicht überlebten. Seit 2015 ist Gebru Azubi bei Lapp. Was ihm hier am besten gefällt? „Die familiäre Atmosphäre!“

Lindner sagt: Die aktuell zwölf Flüchtlinge hätten eine hohe Leistungsbereitschaft und Identifikation mit Lapp. „Alles, was man in sie investiert, zahlt sich wieder aus. Für uns ist das eine echte Erfolgsgeschichte!“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich habe eine Ausbildung zum Industriemechaniker gemacht, dann nach der Wende den Industriemeister Metall mit Ausbilder-Eignungsprüfung und später an der Fern-Uni Arbeitsorganisationspsychologie studiert.

Was reizt Sie am meisten?

Mein Beruf wird nie langweilig, weil Theorie und Praxis sich abwechseln. Und man kann als Ausbilder sehr selbstständig arbeiten, viele eigene Ideen entwickeln.

Worauf kommt es an?

Ich finde es wichtig, nicht nur Fachwissen zu vermitteln. Sondern auch menschliche, soziale und interkulturelle Kompetenzen.


Andere Wertvorstellungen?

Glücklich in Deutschland: Einer der Azubis bei Lapp in Stuttgart. Foto: Mierendorf
Glücklich in Deutschland: Einer der Azubis bei Lapp in Stuttgart. Foto: Mierendorf
  • 96 Prozent der Flüchtlinge finden, „dass man ein demokratisches System haben sollte“, so eine repräsentative Umfrage unter 2.300 Erwachsenen, die zwischen Anfang 2013 und Ende Januar 2016 eingereist sind.
  • 92 Prozent der Befragten sagen, dass „gleiche Rechte von Männern und Frauen“ ein Bestandteil von Demokratien sind.
  • 46 Prozent streben in Deutschland einen allgemeinbildenden Schulabschluss an, 66 Prozent wollen hier einen beruflichen Abschluss machen.
  • Die Umfrage führte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin durch.

Mehr zum Thema:

Über eine Million Flüchtlinge sind nach Deutschland gekommen. Welche Chancen haben sie auf dem Arbeitsmarkt? Wie engagieren sich Betriebe und Verbände, damit aus Fremden Kollegen werden? Was bedeutet die Zuwanderung für die Staatsfinanzen?

aktualisiert am 15.12.2017

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