Ausbildung

Warm-up fürs Ingenieurstudium


Jetzt will das „Technikum“ landesweit junge Frauen für technische Fächer begeistern.

Osnabrück. Physik oder Geschichte? Ramona Heye (22) hatte auf dem Weg zum Abitur zunächst lieber Geschichte als Leistungskurs gewählt. Weil das die meisten Mädchen wählten – und weil ihr Physik zwar reizvoll, aber irgendwie zu schwierig vorkam. Später wechselte sie dann doch zu der Naturwissenschaft. Und jetzt studiert sie als angehende Ingenieurin „Engineering technischer Systeme“.

Den Ausschlag für ihre Berufswahl gab eine Zeitungsanzeige. „Das passte perfekt“, erinnert sich Heye an das Inserat vom Mai 2010 – sie war gerade mit dem Abi fertig.

„Mädchen muss man abholen“

„Die Hochschule Osnabrück“, erzählt sie, „bot jungen Frauen an, zur Berufsorientierung ein Betriebspraktikum plus Schnupperstudium zu absolvieren.“ Und so war Heye dabei, als im Herbst 2010 in Osnabrück das „Technikum“ an den Start ging – mit sieben Teilnehmerinnen und sechs Partnerfirmen.

Sechs Monate lang sollen bei diesem regionalen Pilotprojekt Abiturientinnen „im Unternehmen und an der Hochschule die Arbeit von Ingenieurinnen hautnah erleben“, erklärt Elke Turner, die Projektkoordinatorin der Hochschule. „Dann wissen sie, ob das Studium und der Beruf das Richtige für sie sind.“

Ramona Heye landete in dem auf Kupferverarbeitung spezialisierten Unternehmen KME in Osnabrück. Dort stößt Maschinenbau-Ingenieur Ulrich Pieper als Leiter der Abteilung „Operational Excellence“ unter anderem neue Ideen im Bereich der Mitarbeiter-Gewinnung an.

„Mit ihrem Technikum lief die Hochschule Osnabrück bei uns offene Türen ein“, sagt Pieper. „Wer Mädchen als Fachkräfte erreichen will, muss sie fördern und abholen.“ So durfte die junge Abiturientin bei KME verschiedene Abteilungen durchlaufen. Und mit anpacken. „Anfangs wusste ich nicht einmal, was ein Gleitlager ist“, erzählt sie, „das hat sich schnell geändert.“ In der Lehrwerkstatt fräste und feilte sie, bei den Schlossern wechselte sie Walzen und in der Engineering-Abteilung stellte sie Wartungs- und Inspektionspläne auf.

Bisher blieben alle am Ball

Montags aber schnupperte Heye in den Hochschulbetrieb hinein. Dort lernte sie verschiedene Studiengänge kennen und besuchte Vorlesungen; bei der zu „Informatik für Ingenieure“ absolvierte sie sogar eine Prüfung – mit der Note 1,7.

„Das war für mich Motivation genug“, sagt Heye. Seit 2011 macht sie ein duales Studium – an der Hochschule Osnabrück und mit festen Praxisblöcken bei KME. Die Leistung aus dem Technikum wurde sogar angerechnet. Inzwischen sind in Osnabrück zwei Technikum-Durchgänge erfolgreich gelaufen. Alle 16 Teilnehmerinnen haben ein einschlägiges Studium oder eine technische Ausbildung gewählt.

Nach diesem Erfolgsmodell wird im Herbst 2012 landesweit das „Niedersachsen-Technikum“ starten. Elf Hochschulen haben die Beteiligung zugesagt, allein der VW-Konzern will 25 vergütete Praktikumsplätze bereitstellen.

„Wir werben in unseren 300 Mitgliedsfirmen gezielt für das Projekt“, erklärt Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands NiedersachsenMetall. „Es ist ein weiterer Schritt, um dem Fachkräftemangel aktiv zu begegnen.“

 

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