Investitionen

„Wann bekommt man schon mal so eine Chance?“


Die Firma Tip Top beschichtet jetzt auch riesige Kesselwagen

 

 

Wittenberg. Die neue Kesselwagenhalle ist hell und sauber. Die Tip Top Oberflächenschutz Elbe GmbH hat sich hier, in der Lutherstadt Wittenberg, ein neues Produk­tionsstandbein geschaffen. Und jetzt sind Michael Tandel, Christian Rose, Rene Österreicher und Steffen Sell dran.

 

 

 

Die vier Facharbeiter sind Männer der ersten Stunde. „Wann bekommt man schon mal so eine Chance?“, fragt Tandel. „Durchgängig dabei zu sein – von der Planung des neuen Geschäftszweiges über den Bau der Fertigung bis hin zu den ersten Aufträgen?“

 

 

 

Der 28-jährige Techniker hat deshalb sofort zugegriffen, als ihm die Leitung angeboten wurde. Das Projekt schafft Chancen – auch für Steffen Sell. Er hatte bei Tip Top zunächst ein Praktikum gemacht, während seiner Ausbildung zum Anlagenmechaniker im örtlichen Berufsbildungszentrum. Jetzt wird er für den Job in der neuen Kesselwagen-Halle gebraucht.

 

 

 

Insgesamt sechs neue Arbeitsplätze

 

 

 

Nachts rollen die riesigen, metallischen Behälter an, über eine reaktivierte Gleis-Anlage. „Wenn wir morgens kommen, steht die Arbeit schon vor der Tür“, formuliert es Sell. Die Kesselwagen haben viel hinter sich. Einige haben schon 20 Jahre lang extrem aggressive Chemikalien gefahren.

 

 

 

Tandel und sein Team verschaffen sich zuerst einen Eindruck, öffnen den „Mannlochdeckel“, prüfen die Dicke und die Härte der angegriffenen Gummihaut. Gibt es Risse? Halten die Flicken?

 

 

 

Eine Mängelliste wird erstellt, anschließend der Kunde informiert. „Dann machen wir uns an die Arbeit“, sagt Tandel. Sieben bis zehn Tage bleiben ihm und seinen Kollegen in der Regel, um den rollenden Transportbehälter zu reparieren. Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit. „Wir dürfen nicht pfuschen“, sagt Sell. „Wir haben eine große Verantwortung. Nicht auszudenken, wenn giftige Flüssigkeiten ins Erdreich austreten würden.“

 

 

 

Insgesamt 2,2 Millionen Euro investierte Tip Top in den Bau der gut 1.000 Quadratmeter großen Halle und in die Wiederinstandsetzung der Gleisanlage.

 

 

 

Vier Kesselwagen passen dort hinein, zudem ist Platz für Tanksattelauflieger oder Spezialtransporter. „Wir haben mit einem großen Kesselwagen-Vermieter einen Service-Vertrag“, sagt Geschäftsführerin Doris Namislo. Der war letztlich die Entscheidungsgrundlage für die Erweiterung.

 

 

 

 

 

 

 

Insgesamt sechs neue Arbeitsplätze sind so entstanden. Jetzt beschäftigt die Firma 191 Mitarbeiter an den Standorten Wittenberg und Warstein (Nordrhein-Westfalen). Angefangen hatte es im Jahr 1992 mit 110 Beschäftigten, 1,3 Millionen Euro Umsatz – und tiefroten Zahlen. Inzwischen hat sich Tip Top zu einem führenden Unternehmen für Gummierungs- und Beschichtungsarbeiten entwickelt.

 

 

 

Der Umsatz liegt inzwischen bei 45 Millionen Euro. Er kommt zur Hälfte aus dem Ausland, rührt etwa aus dem Aufbau von Chemieanlagen oder Rauchgasentschwefelungsanlagen. Aktuelle Baustellen liegen zum Beispiel auf den Philippinen, in Madagaskar, Saudi-Arabien, England und Tschechien.

 

 

 

Gewinne werden investiert

 

 

 

„Unser Kerngeschäft ist hier in Wittenberg die Werkstattgummierung“, sagt die Geschäftsführerin. Die Gummierer von Tip Top schützen Stahl vor Laugen, präparieren Walzen und verhindern, dass Pumpen von innen heraus zerfressen werden.

 

 

 

„Es dauerte lange, bis es bergauf ging“, sagt Namislo, „aber die Mutter hat zu uns gehalten.“ Tip Top gehört zur Münchener Stahlgruber-Gruppe. Gewinne werden in Investitionen gesteckt.

 

 

 

Weitere Projekte will Namislo nicht ausschließen, doch sie plädiert für kleine Schritte: „Zunächst müssen wir Gewinne erwirtschaften, um die Kredite für das Kesselwagen-Servicecenter zurückzahlen zu können.“

 

 

 

Marcel Duclaud/Werner Fricke

 

 

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