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Vorsichtig verbinden


Wie die Firma Weiss hohe Rohstoffpreise verkraften kann

Illertissen. Der griechische Held Herakles bezwang der Sage nach eine neunköpfige Hydra. Die Beschäftigten des Unternehmens Weiss Kunststoffverarbeitung im schwäbischen Ort Illertissen arbeiten neben einem Ungetüm, das noch viel mehr „Schlangenhälse“ zu bieten hat: ein wilder Wust von Versorgungsschläuchen, die an einer riesigen Verteilstation hängen.

In der Fertigungshalle stehen 65 Maschinen, mit denen Kunststoffprodukte in fast allen Farben und Formen hergestellt werden: Dübel, Motorteile, Komponenten für Kindersitze. Die Anlagen werden manchmal täglich für neue Aufträge umgerüstet.

Höhere Kosten weitergeben

So wie früher Telefonistinnen Kabel umgesteckt haben, müssen die Mitarbeiter von Weiss die Transportschläuche für das Kunststoff-Granulat den richtigen Versorgungsbehältern zuordnen. Denn ohne den passenden Rohstoff läuft in der Produktion überhaupt nichts.

„Das Material macht rund die Hälfte unserer Herstellungskosten aus“, erklärt Jürgen Weiss, der das Familienunternehmen gemeinsam mit Vater und Onkel führt. Diese große Abhängigkeit stellt die Firma immer häufiger vor Probleme. Denn die Entwicklung der Rohstoffpreise kennt seit Jahren vor allem eine Richtung: nach oben.

„Eine Preissteigerung von nur 10 Prozent verteuert unsere Produkte um 5 Prozent“, rechnet Weiss vor. „Da hilft keine Rationalisierung mehr.“ Ohne flexible Lieferverträge, um höhere Kosten an Geschäftspartner weitergeben zu können, stünde es schlecht um das Unternehmen.

„Zum Glück kennen wir aber viele Kunden seit Jahrzehnten“, sagt Weiss. „Mit denen können wir reden.“ Zu ihnen gehört zum Beispiel der Münchner Automobilzulieferer iwis, für den die Schwaben Spanner für Motorketten liefern.

Aber verlässliche Partner sind nicht das einzige Ziel von Weiss: „Unabhängig zu sein, ist für uns sehr wichtig“, erklärt der Geschäftsführer. Das Unternehmen verfolgt deshalb die Strategie, an möglichst viele Firmen zu liefern – aus möglichst vielen Branchen.

Solange kein Geschäftspartner allein so bedeutend ist, um Preise zu diktieren, fühlt sich Weiss auf der sicheren Seite. Gleiches gilt für die angestrebte Vielfalt an Produkten. „Die hat sich gerade in der vergangenen Krise bewährt“, sagt er.

Neue Aufgaben übernehmen

Verstärkt Dienstleistungen rund um die eigentliche Produktion anzubieten, macht auch unabhängiger von Rohstoffpreisen. Aber das ist vor allem aus anderen Gründen längst nötig. „Ein Kunststoffteil nach Zeichnung bauen, kann heute doch jeder“, erklärt Weiss.

Mittlerweile übernimmt die Firma deshalb auch Logistik-Aufgaben: Fertige Produkte bleiben bis zur Bestellung des Kunden im Hochregallager.

Zudem werden Partner schon während der Entwicklung neuer Produkte beraten. Auch an Konstruktionsplänen arbeiten Experten von Weiss mit. „Beides sind unsere Kernkompetenzen“, sagt der Geschäftsführer.

 

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