Innovation

Vorsicht Super-Blitzer!


Das Unternehmen eso in Tettnang hat eine intelligente Anlage entwickelt, der nichts entgeht

Tettnang. Kennen Sie das? Sie beschleunigen Ihr Auto hinter einer Kurve. Plötzlich: ein Blitz! Mensch, das wird teuer … Haben Sie sich auch schon mal gefragt, ob Blitzer überhaupt zuverlässig sind? AKTIV wollte es genau wissen, und besuchte den europäischen Marktführer, die Firma eso im schwäbischen Tettnang.

In der Fertigung sehen die Geräte noch ganz harmlos aus. Mitarbeiterin Erika Ammann steckt gerade Frontplatten von Rechnern zusammen. Heraus kommt der Schrecken aller Tempo-Sünder: ein neues digitales Messgerät, das kleiner, raffinierter und beweissicherer ist als frühere Modelle. Der Super-Blitzer! Er heißt „ES3.0“.

Radar-Warngeräte sind zwecklos

Draußen ist eine solche Anlage im Test: Sensoren, Blitz und Kameras verstecken sich hinter der Leitplanke der B 467 nach Lindau. Hier sind nur 70 Stundenkilometer erlaubt. Eso-Geschäftsführer Christoph Münz (31) zeigt auf die Geräte: „Haben Sie den Blitz gesehen? Den Fahrer hätte es erwischt.“ 

Sein Unternehmen setzt seit der Gründung vor 32 Jahren auf das Lichtschranken-Prinzip. Das neueste volldigitale Modell erhielt 2006 die Zulassung, nachdem es gut ein Jahr lang von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt auf Zuverlässigkeit geprüft worden ist.

Die Anlage funktioniert so: Fünf Sensoren erfassen, wie schnell ein Fahrzeug vorbeifährt. Sie können gleichzeitig beide Fahrtrichtungen kontrollieren. Oder alle Spuren einer Autobahnrichtung. 

Drei Meter weiter lösen Blitz und Kamera aus, wenn das Fahrzeug zu schnell unterwegs ist. „Das soll ich sein?“ – diese Frage können Sie sich sparen:  Dank digitaler Technik sind die Aufnahmen gestochen scharf. Motorradfahrer werden auch von hinten abgelichtet, um das Nummernschild zu haben – mit früherer Technik kamen sie ungeschoren davon. Auch rasende Drängler haben Pech, die Kameras sehen alles und übertragen es ins Einsatzfahrzeug. Radarwarngeräte sind zwecklos.

Eine Kampfansage an Raser? Der Firmenchef winkt ab: „Es geht uns nicht darum, Leute zu ärgern“, sagt er. „Es gibt Regeln, die müssen überwacht werden. Vor allem, wenn sie Unfälle verhindern sollen.“

Die Bundesländer rüsten auf

Übrigens haben sich schon fast alle Bundesländer mit der neuesten Technik eingedeckt – zum Stückpreis von 80.000 Euro inklusive Innenausbau des Fahrzeugs. Die Geschäfte laufen gut: Rund 200 „ES3.0“-Anlagen hat das Unternehmen in den vergangenen 34 Monaten verkauft.

Der Entwicklungsaufwand hat sich gelohnt. „An dem Gerät tüfteln wir seit 1996“, erklärt Münz. Alle 42 festen und 15 freien Mitarbeiter sowie die zwei Azubis haben am Prototypen gearbeitet. Fünf Patente hält eso auf die Technik. „In den Anlagen steckt viel Handarbeit“, sagt Münz. So wird die Büro-Einrichtung, die einen Kleintransporter zur mobilen Einsatz-Zentrale macht, von einem Schreiner gefertigt.

Bis Anfang 2010 ist eso ausgelastet und hat ein neues Gebäude bezogen. Da kann jede Arbeit an jedem Platz erledigt werden. Münz: „Das macht die Fertigung rationeller.“ Zwar ist der Betrieb nicht zu 100 Prozent krisenfest. Aber das macht Münz keinen Kummer: „Wir sitzen so fest im Sattel, dass wir auch schlechte Zeiten überbrücken können.“

Carola Renzikowski

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