Energie-Projekte

Von wegen windige Geschäfte!


Wie ein Unternehmen aus Gelsenkirchen von der Windkraft profitiert

Noch ist Ruhe vor dem Sturm. Doch schon Ende 2011 wird 18 Kilometer vor der Küste von Wales ein neues Projekt Wellen schlagen. Dann beginnt der Bau eines riesigen Offshore-Windparks. Im rauen Wasser, auf einer Fläche von 79 Quadratkilometern. RWE, Siemens und die Stadtwerke München investieren 2 Milliarden Euro in die britische Stromversorgung.

160 Windmühlen werden bis 2014 ins Meer gestellt. Eine Herkulesaufgabe: Das funktioniert nur mit gewaltigen Bau-Plattformen, die fest im Meer verankert sind und sich nach oben und unten bewegen lassen. Und in denen steckt oft Technik aus Gelsenkirchen. Dort stellt das Unternehmen Montanhydraulik Zylinder für solche Kraftmeier her.

Ein Geschäft mit Zukunft, das durch neue Windkraft-Projekte im Meer beflügelt wird. Geschäftsführer Peter Lipphardt: „Und wir möchten immer da, wo hydraulische Antriebstechnik erforderlich ist, dabei sein.“

So schwer wie 375 Lastwagenzüge

Derzeit lässt RWE zwei Plattformen bauen, die aller Wahrscheinlichkeit nach, so Lipphardt, vor Großbritannien zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich um Spezialschiffe mit einem Aufbaukran, der am Einsatzort Baumaterial und Komponenten einer Windkraftanlage wie Getriebe und Flügel um bis zu 100 Meter anheben kann.

Diese Plattformen sind Schwergewichte: Das Modell für RWE bringt es auf bis zu 15.000 Tonnen (inklusive Zuladung) – so viel wie 375 Lastwagenzüge.

Solche Stahl-Giganten dürfen selbst bei extremem Wellengang nicht aus dem Gleichgewicht geraten. Deshalb fahren am Einsatzort Hydraulik-Zylinder aus Westfalen vier Stahl-Stützen bis auf den Meeresgrund aus. Zudem werden auch deren Bodenplatten fest verankert.

Für das RWE-Vorhaben wird jede Plattform mit 48 Zylindern ausgestattet. Sie haben einen Durchmesser von über einem halben Meter und bringen fast 12,5 Tonnen auf die Waage. Aus gutem Grund:

Das Spezial-Schiff kann seine Stützen bis zu 50 Meter in die Tiefe ausfahren, dann lastet auf jedem Zylinder ein Druck von bis zu 2.000 Tonnen.

Bei Montanhydraulik ist die Produktion für RWE in vollem Gange, eine Großbestellung in zweistelliger Millionen-Höhe. Im Oktober geht die Lieferung für die erste Plattform nach Südkorea raus, wo das Schiff gebaut wird.

Dort macht man kräftig Druck

Während Christopher Stommel mit seiner Anlage Löcher für Gewinde in das Ende der drei Meter langen Zylinder bohrt, arbeitet sein Kollege Tobias Kühn in der Endmontage. Und bevor die Zylinder das Werk verlassen, wird jeder mit Hydraulik-Öl gefüllt und mit dem 1,5-Fachen des normalen Betriebsdrucks geprüft, um auch den kleinsten Haar-Riss aufzuspüren.

Die Antriebs- und Regelungstechnik für die Zylinder liefert ein mit Montanhydraulik kooperierendes Spezialunternehmen aus den Niederlanden. Lipphardt: „Wir ergänzen uns hervorragend und sind gemeinsam in der Lage, so anspruchsvolle Projekte wie das RWE-Projekt zu realisieren.“

Für das Unternehmen ist das nicht der erste Auftrag dieser Art. Kürzlich verließen die letzten Zylinder für den Montageplatz eines Windparks an der deutschen Nordseeküste vor Borkum die Fabrik.

Wilfried Hennes

Info: Die Montanhydraulik-Gruppe

Das Unternehmen mit Stammsitz in Holzwickede hat acht Standorte und beschäftigt weltweit 1.000 Mitarbeiter. Der Umsatz lag 2009 bei 212 Millionen Euro. Montanhydraulik produziert im Jahr rund 20.000 Hydraulik-Zylinder, in erster Linie für Mobilkrane, aber auch für Staudämme, Schleusen, Großbagger, Tunnelvortriebsmaschinen und Bauplattformen. Das Werk in Gelsenkirchen hat etwa 190 Mitarbeiter.

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