Familienunternehmen

Von wegen Schicht im Schacht


Der Spritztechnik-Spezialist WIWA aus Lahnau löst weltweit Probleme

Lahnau. Für den Auftraggeber aus Barcelona musste sich die Technik ganz klein machen. In einem Trinkwasserrohr war Korrosionsschutz an den Schweißnähten aufzutragen, Sandstrahlen inklusive. Wie aber macht man das, wenn in die 250 Meter lange Röhre nur ein schmaler Schacht führt, durch den zwar Menschen passen, nicht aber das benötigte Gerät?

Kurzerhand zerlegte die Mannschaft die Maschinen des Spritztechnik-Spezialisten WIWA aus Lahnau in ihre Einzelteile. Und montierte sie – geübt im Umgang mit den hessischen Geräten – im Rohrinnern wieder zusammen.

Technik muss verständlich sein

Mit solchen schwierigen Bedingungen rechnet Geschäftsführerin Heidrun Wagner-Turczak: „Die ausgeklügeltste Technik nutzt nichts, wenn die Menschen nicht damit umgehen können. Wir achten auf einfache Handhabung und bieten Schulungen an“, sagt sie.

Das 100 Mitarbeiter zählende Unternehmen hat sich auf Spritzgeräte und Förderanlagen spezialisiert. Bei Anlagen im Höchstleistungsbereich ist WIWA sogar Weltmarktführer: „Für jedes Material, das man auf eine Fläche auftragen möchte, bereiten wir den Weg vom Eimer bis zur Spritzpistole“, erläutert die Chefin.

Ihre Geräte sind auf allen großen Werften der Welt zu finden, in der Auto-Industrie, auf Flugzeugträgern, beim Pipelinebau in Russland, bei der Sanierung des Hamburger Elbtunnels und in den Londoner U-Bahn-Schächten. Aber auch beim Schreiner um die Ecke.

Da die zu verarbeitenden Materialien immer komplexer werden, setzt WIWA inzwischen jeden zehnten Mitarbeiter in der Entwicklung und Konstruktion ein. Hier entstehen zum Beispiel Maschinen, die selbst Hartkautschuk spritzen können. Die Anfrage eines Kunden zur Verarbeitung von Klebstoffen im Fensterbau führte sogar zur Gründung einer Tochterfirma. Die „WIWA Systems“ entwickelt und baut komplette manuelle, halb- und vollautomatische Fensterversiegelungs- und Klebeanlagen.

Trotz Krise optimistisch

Die zurückliegenden Jahre bescherten dem Familienunternehmen einen Boom. Der Umsatz wuchs kontinuierlich auf knapp 19 Millionen Euro im Jahr 2008. Die Geschäftsführung investierte in Maschinen, EDV sowie ein neues Produktions- und Schulungsgebäude. Zehn neue Arbeitsplätze entstanden. Seit dem Frühjahr sind jedoch auch in Lahnau die Auswirkungen der Rezession zu spüren: Der Auftragseingang ging zuletzt um knapp 30 Prozent zurück.

„Wir wollen alle Arbeitsplätze halten. Da kommen wir an Kurzarbeit nicht mehr vorbei“, bedauert die Unternehmerin. Dennoch bleibt sie optimistisch: Das Ersatzteilgeschäft läuft nach wie vor gut, Neuentwicklungen sind in der Pipeline, man investiert in Entwicklung. Wagner-Turczak: „Wir haben einen guten Namen in der Welt, Spitzenprodukte, eine tolle Mannschaft, die Weichen richtig gestellt – wir meistern diese Krise.“

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