Investitionen

Von Leuna aus: Alles im Griff


Gase-Spezialist Linde steuert Luftzerleger aus der Ferne – bald auch in ganz Europa

5,5 Milliarden Euro wurden seit 1990 in den Chemie-Standort Leuna gesteckt – davon 500 Millionen vom Linde-Konzern. Er ist hier auf vielfältige Weise engagiert und präsent. Zwei Beispiele:

Holger Ecksteins Arbeitsplatz sieht kompliziert aus. Computer, blinkende Monitore, massenhaft Tastaturen, Telefone. Die Monitore bilden diverse Luftzerleger-Anlagen ab – in Form von Prozess-Schemata, Tabellen, Schaubildern und Live-Aufnahmen.

Eckstein ist Anlagenfahrer im „Remote Operations Center“ (ROC) von Linde Gas in Leuna. Diese Fern-Leitwarte wurde Ende November in Betrieb genommen. Von hier aus werden nicht nur die Anlagen vor Ort gesteuert – die stündlich 300.000 Kubikmeter Luft in Sauerstoff, Stickstoff und verschiedene Edelgase zerlegen; die Endprodukte werden für verschiedenste Anwendungen in der Industrie benötigt. Gesteuert werden auch fast alle anderen Linde-Luftzerleger in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz.

Mehr Effizienz, weniger Energie

„Bis 2012 kommen die Anlagen aus Benelux hinzu“, berichtet Eckstein. „Und ab 2015 steuern wir fast alle europäischen Luftzerleger.“ Das werden dann etwa 70 große Anlagen sein sowie zusätzlich rund 130 kleinere „Ecovar-Anlagen“ direkt beim Kunden. Spätestens dann werden die sechs Arbeitsplätze im ROC, die rund um die Uhr besetzt sind, nicht mehr reichen.

„Grund für die Zentralisierung der Prozess-Steuerung sind in erster Linie die Kosten“, erklärt Kai Brötzmann, der ROC Operation Manager. Zudem könnten Wartungen und Stillstände besser koordiniert werden; kurze Wege zum Vertrieb und zur Distribution erlaubten es, Kunden-Anfragen schneller zu klären.

Und: Zwei Drittel der Kosten von Linde Gas in Europa sind Energiekosten. „Das Remote Operations Center erlaubt eine besonders energiesparende Fahrweise der Anlagen“, erklärt Brötzmann.

Das bedeutet auch Veränderungen für einige Linde-Mitarbeiter – die in den nächsten Jahren aus anderen Standorten nach Leuna ziehen und von hier aus Anlagen steuern.

Die Arbeit vor den Bildschirmen ist viel komplizierter, als es dem Laien auf den ersten Blick erscheinen mag. „Jeder von uns beobachtet ständig mehrere Anlagen zugleich“, erklärt Eckstein. „Und wir müssen genau darauf achten, was an welcher Stelle jeweils gerade vor sich geht.“

Denn sobald Anzeichen darauf hindeuten, dass im Prozess etwas falsch läuft, muss sofort eingegriffen werden. Das gilt auch für unplanmäßig hohen Energieverbrauch. Oder für bestimmte Prozess-Schritte in noch nicht vollautomatisierten Anlagen.

Der weltweit größte Standort

Um angemessen reagieren zu können, müssen die Anlagenfahrer stets konzentriert und hellwach sein. „Das strengt an“, gibt Eckstein zu. Belastbarkeit sei nötig, aber auch Gelassenheit.

Sein Chef Brötzmann formuliert es so: „Die Anforderungen bei diesem Job entsprechen denen von Fluglotsen. Das kann nicht jeder.“ Eckstein kann. Schon die Chemikanten-Lehre hat er 2006 mit „Sehr gut“ beendet. Gleich anschließend begann er – neben der Arbeit – die vierjährige Ausbildung zum Chemietechniker.

Bald stehen die Prüfungen an. Weder er noch sein Chef zweifeln am Erfolg. Dann kann Eckstein auch als Schichtleiter arbeiten.

Leuna ist der weltweit größte Gase-Produktionsstandort von Linde. 450 Beschäftigte betreiben hier außer Luftzerlegern auch Anlagen zur Produktion und Verflüssigung von Wasserstoff. Die neue Fernleitwarte ist mit Investitionen in Höhe von 5 Millionen Euro verbunden. Es ist ein weiterer Schritt nach vorn. Seit 1990 hat der Linde-Konzern hier schon hundertmal so viel investiert.

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