Förderprogramm für Schüler

Von der Real- an die Hochschule – dank „Studienkompass“

Regensburg. Fast hätte sie es hingeschmissen. Doch jetzt zieht Claudia Krenn das Studium durch: „Ich hab’ mich immer wieder aufgerappelt“, sagt die 23-Jährige aus Maxhütte in der Oberpfalz, „auch wenn ich echt viel büffeln musste.“

Sie legt einen Endspurt hin und macht in ein paar Wochen ihren Abschluss in Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Regensburg.

Als Erste in ihrer Familie schaffte Krenn den Sprung in den Hörsaal. Der „Studienkompass“ hat ihr dabei geholfen. Das Förderprogramm unterstützt Jugendliche, deren Eltern keine Akademiker sind. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft bietet es mit der Stiftung der Deutschen Wirtschaft in Bayern an.

„Zu Hause konnte ich niemanden fragen“, sagt Krenn, deren Eltern kaufmännische Berufe haben. Da erging es ihr wie den meisten Gleichaltrigen, deren Familie (noch) keine Erfahrung mit der Uni hat. Sie erwägen erst gar kein Studium. „Nicht weil sie es nicht könnten, sondern weil ihnen keiner sagt, wie man das macht.“

„Meine Eltern waren zuerst etwas skeptisch, bestärkten mich dann jedoch“

Das Beispiel von Claudia Krenn zeigt, dass es mit der richtigen Unterstützung trotzdem klappt. Drei Jahre lang, von der Klasse elf bis ins erste Semester, begleiten Betreuer und Mentoren aus der Wirtschaft die Jugendlichen. „Welches Fach soll ich nehmen?“ Oder: „Wie füllt man einen Bafög-Antrag aus?“ Auf alle solche Fragen haben sie eine Antwort.

„Mut gehört trotzdem dazu“, sagt Krenn im Rückblick. Dass sie es so weit geschafft hat, liegt nicht nur am Fleiß, sondern auch an etwas Glück. Ein Englischlehrer an der Fachoberschule, wo sie nach der Realschule das Abi machte, drückte ihr ein Flugblatt zum Studienkompass in die Hand.

Krenns Eltern waren etwas skeptisch. „Doch dann bestärkten sie mich“, sagt die Studentin stolz. Und siehe da, den Aufnahmetest bestand Tochter Claudia mit Bravour.

Neben der Schule knüpfte sie schnell Kontakte zu den anderen Jugendlichen im Programm, insgesamt 300 in Bayern. Am Anfang war die Schülerin ganz schön aufgeregt. Das legte sich aber schnell.

„Wir alle hatten ein Ziel im Kopf: Ich will studieren.“ Die Gruppe schnupperte Hörsaal-luft und schaute sich in Betrieben um. „Danach kann man viel besser einschätzen, was einen erwartet“, so Krenn.

Jetzt steckt sie mitten in der Vorbereitung auf die Abschlussprüfung und schreibt ihre Bachelor-Arbeit. Das Thema: Leitungsschutzschalter. Das sind elektrische Sicherungen für Haushalt und Industrieanlagen. Denn Krenn hat sich für ein duales Studium entschieden, eine Kombination aus Hochschule und Praxisausbildung im Betrieb.

Eine Eins in Mathe in der siebten Klasse

Diese machte sie im Siemens-Geschäftsbereich Nieder- und Mittelspannungsprodukte in Regensburg. „Viele müssen erst herausfinden, welches Fach zu ihnen passt“, berichtet Krenn. Sie dagegen hatte „ihren“ Studiengang früh im Kopf.

Als Schülerin hatte sie bereits ein Praktikum bei Siemens absolviert. „Schon damals habe ich mich mehr für die elektrischen Schaltungen als fürs Feilen interessiert.“

Ihr Händchen für Technik entdeckte Krenn sogar noch früher: Nach einer Mathe-Eins im Zeugnis nahm sie den technischen Zweig. „Volltreffer“, sagt Krenn.

Also ist alles gut gelaufen? „Klar“, sagt die Studentin wacker. Doch ohne Studienkompass hätte sie es vielleicht nicht geschafft. „Er zeigt, wo’s langgeht.“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?
Schon in der Realschule habe ich den technischen Zweig gewählt. Den Ausschlag für Elektrotechnik gab dann ein Praktikum in der elften Klasse der Fachoberschule.

Was reizt Sie am meisten?
Ich mag es, jeden Tag etwas Neues zu lernen und herauszufinden, wie alles funktioniert.

Worauf kommt es an?
Klappt etwas in der Praxis nicht sofort, gebe ich nicht gleich auf. Denn am Ende freue ich mich umso mehr, wenn es dann doch hinhaut.


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