Papierverarbeitung

Von der Lochkarte zum Flugticket: Wie die Firma Hummel technologischen Wandel meistert


Magstadt. „Der Konkurrenzkampf ist hart, wir müssen immer noch besser werden: Deshalb ist Weiterbildung einfach wichtig.“ So sieht es Stefan Müller, Technik-Chef der Firma Hummel in Magstadt (nahe Stuttgart).

Der gelernte Drucker und sein kleines Team sind verantwortlich dafür, dass der Maschinenpark des mittelständischen Unternehmens stets reibungslos funktioniert. Das in Schulungen und Seminaren Gelernte hilft Müller, wenn es darum geht, Maschinen an sich wandelnde Produkte anzupassen oder auch darum, Kollegen anzuleiten.

Von der Lochkarte zum Flugticket

Müller freut sich denn auch schon aufs nächste Seminar. Sein Arbeitgeber wiederum hat wiederholt gezeigt, dass „lebenslanges Lernen“ letztlich auch für ein Unternehmen Pflicht ist! 1957 war der Druck- und Datenspezialist vom ehemaligen IBM-Manager Karl Hummel gegründet worden, um mit anfangs drei Mitarbeitern Lochkarten herzustellen.

Jüngeren Lesern sei das kurz erklärt: Die Lochkarte war über Jahrzehnte der wichtigste EDV-Datenträger! Mit der Entwicklung neuer Technologien wurde dieses gestanzte Papier aber allmählich verdrängt.

Hummel stieg rechtzeitig um: auf den Druck von Endlos-Formularen. Dazu kamen Magnetbandstreifen, Etiketten, Barcodes. Hummel wurde so zu einer Firma mit besonderem Know-how in Sachen Daten- und Fälschungssicherheit. Heute drucken 175 Mitarbeiter unter anderem Thermobelege für Kontoauszugsdrucker von Banken und Sparkassen, codierte Etiketten für Paketdienste, Wettscheine für Anbieter von Pferdewetten sowie Tickets, Bordkarten und Gepäckanhänger für Fluggesellschaften.

Hummels Software-Abteilung schreibt sogar bedarfsgerechte Computerprogramme für die Kunden: „Wir sind Drucker und Datenmanager“, betont Helmut Herbstritt, Mitglied der Geschäftsleitung. „Unser Grundkonzept hat sich trotz des technologischen Wandels eigentlich nicht geändert: Wir stehen für Vielfalt und kompletten Service rund um den Datendruck.“

Und so kommen jährlich Millionen Tickets aus Magstadt: für die Airlines, aber etwa auch für Fährlinien, Bahnen und Konzertagenturen. „Und weil wir da von Anfang an dabei waren, haben die klassischen Tickets bis heute das Format der guten alten Lochkarte“, erklärt Herbstritt.

Wobei das Unternehmen in diesem Bereich schon wieder umdenken muss: Noch vor zwei Jahren liefen zwei Druckmaschinen, um die Nachfrage zu decken. „Inzwischen können viele Passagiere ihre Flugtickets selbst ausdrucken – daher ist bei uns nur noch eine Druckmaschine ausgelastet“, sagt Produktionsleiter Roland Henne. Macht ihm das Sorgen? „Wir leben mit der Veränderung“, sagt Henne.

Etiketten mit Transpondern

Eine Option, die entstehenden Lücken zu schließen, sind hochveredelte Produkte mit Codierungen und RFID-Transpondern. Das Kürzel steht für „Radio Frequency Identification“, das berührungslose Erkennen einer Sache per Funk. Etiketten mit Barcodes und Transpondern druckt Hummel schon eine Weile.

Neuestes Produkt ist eine raffinierte Parkscheibe für eine Autoversicherung – Details dürfen noch nicht verraten werden. Um die Kreativität zu fördern und das vorhandene Know-how noch besser nutzen zu können, setzt Hummel verstärkt auf Weiterbildung.

Beispiel Inessa Pryven: Die junge Leiterin der Materialwirtschaft hat gerade ein Seminar für Führungskräfte absolviert. „Fachwissen und gesunder Menschenverstand sind das eine“, sagt die Ingenieurin, „aber es gibt eben auch Techniken, die man kennen sollte, um zum Beispiel bei Konflikten sicher aufzutreten.“

Und Pryven hat festgestellt: Bei Schulungen profitiert man auch durch den Kontakt mit Kollegen aus anderen Betrieben – weil die ganz verschiedene Fragen und Probleme mitbringen.

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