Karriere durch Weiterbildung

Von der Chemielaborantin zur Ausbilderin für Chemie-Berufe – am bbz Chemie Berlin

Eigentlich sollte Juliane Dräger im Labor stehen und Farben mischen. Doch während der Ausbildung zur Lacklaborantin merkte sie: Ich will mehr! Und startete am bbz Chemie in Berlin ihre Karriere zur Ausbilderin.

Schaut mal her: Ausbilderin Juliane Dräger (Mitte) weiß genau, warum Azubis ihr zuhören. Foto: Sturm

Schaut mal her: Ausbilderin Juliane Dräger (Mitte) weiß genau, warum Azubis ihr zuhören. Foto: Sturm

Kompetent: bbz-Chefin Ines Krämer (rechts) ist auf ihre junge Ausbilderin stolz. Foto: Sturm

Kompetent: bbz-Chefin Ines Krämer (rechts) ist auf ihre junge Ausbilderin stolz. Foto: Sturm

Berlin. „Haben Sie noch Fragen?“ Nein, die Azubis der Berliner Wasserbetriebe, die im Berliner Bildungswerk der Nordostchemie, dem bbz Chemie, zur Fachkraft ausgebildet werden, wollen heute von Ausbilderin Juliane Dräger nichts mehr wissen. In den letzten zehn Minuten wird das Labor aufgeräumt, dann ist Feierabend: Freitagnachmittag, 16 Uhr. Auch Juliane Dräger hat jetzt Arbeitsschluss. Ein freies Wochenende zum Erholen wartet auf sie. „Daran muss ich mich erst gewöhnen“, gibt sie zu. Denn in den letzten dreieinhalb Jahren fing jetzt der zweite Teil ihrer Arbeitswoche an.

Berufsbegleitendes Studium ist hart, hat aber viele Vorteile

Die 26-Jährige hat sich zur Ausbilderin weiterqualifiziert und motiviert nun den dringend gesuchten Nachwuchs für die Industrie. Am bbz Chemie bekommen junge Leute ihre Erstausbildung als Chemie-, Biologie- oder Physiklaborant, Chemikant, Pharmakant oder Produktionsfachkraft Chemie. Auch Firmenmitarbeiter können sich weiterqualifizieren, etwa im berufsbegleitenden Studium zum Bachelor Chemieingenieuerwesen.

Juliane Dräger, gelernte Chemielaborantin, schaffte den Sprung über die Ausbilderassistentin und das Bachelorstudium zur Ausbilderin. Den Studiengang hat das bbz mit Betrieben der Nordostchemie konzipiert und 2010 in Kooperation mit den Hochschulen Merseburg und der Provadis Frankfurt/Main in den Fachrichtungen Chemie- oder Pharmatechnik sowie Chemie begonnen. „Die Vorlesungen und Seminare ziehen sich von Freitagnachmittag über den kompletten Sonnabend“, berichtet Dräger.

Das Studium ist sehr praxisnah und bezieht die Industrie mit Projektarbeiten, welche die Studenten anhand von Problemstellungen aus ihren Firmen erarbeiten, sehr eng mit ein. Man kann zwischen einem berufs- und ausbildungsbegleitenden Modell in einer Blockphasen- und Wochenendvariante wählen.

Start ist jeweils der September, sofern es genügend Bewerber gibt. Das lockt bundesweit junge Leute sowie gestandene Facharbeiter, Meister oder Techniker nach Berlin. „Sicher, es war eine harte Zeit“, gibt die junge Frau zu. Aber sie sieht auch die Vorteile des berufsbegleitenden Studiums: „Kleine Gruppen, der Zusammenhalt, man hilft sich.“ Auch die Arbeitgeber wüssten das Engagement zu schätzen. Sie hätten während des Studiums den Mitarbeiter „an Bord“. Und der habe wiederum ein Einkommen.

Aber warum die Mühe? „Ich habe schon in der Lehre gemerkt, dass die Arbeit zwar interessant ist, mich aber nicht komplett ausfüllen wird.“ Vor jungen Leuten stehen und Wissen vermitteln, das reizte sie. So blieb Dräger nach der Lehre ein Jahr im Ausbildungsbetrieb, wechselte dann ans bbz Chemie und ist seit ihrem Studienabschluss im Oktober selber Ausbilderin.

„Das macht Frau Dräger bravourös, sie hat große fachliche Kompetenz und bei den Azubis ein prima Standing“, lobt Ines Krämer, Geschäftsführerin der Einrichtung. Sie hatte nie Zweifel an der jungen Frau, die sich tief ins Studium kniete und sich als Ausbilderassistentin die Erfahrungen und das Know-how ihrer Kollegen zu eigen machte. Unter den Azubis heißt es über die junge Frau, die aus der Altmark (Sachsen-Anhalt) stammt und nun in Berlin zu Hause ist: „Frau Dräger ist nett, aber streng.“ Diese sagt lächelnd: „Ich achte darauf, wie die Azubis etwas machen. Wenn ich Fehler sehe, weise ich in nettem Tonfall darauf hin und begründe meine Meinung auch.“

Das kommt bei den Azubis sehr gut an, sie fühlen sich ernst genommen und gefordert. Befehle oder Belehrungen taugen für die Ausbildung nicht, weiß Dräger, überzeugende Argumente und anschauliche Experimente dagegen umso mehr. Sie ist im Traumjob angekommen, ein Masterstudium ist derzeit nicht geplant.

„Jetzt will ich erst mal alle Facetten meines Berufs kennenlernen.“ Und die freie Zeit genießen. So habe sich bei ihr etwa eine ganze Reihe bislang ungelesener Bücher angesammelt.

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Für die Chemielaborantin habe ich mich nach einem vierwöchigen Betriebspraktikum entschieden. Ausbilderin wollte ich dann schon in der Lehre werden.

Was reizt Sie am meisten?

Die Vielfalt des Berufs. Vor allem die Herausforderung, Wissen anschaulich zu vermitteln. Zudem lernt man selber ständig dazu.

Worauf kommt es an?

Wissbegierig sein, gerne mit Menschen arbeiten. Besonders wichtig: Genauigkeit, Freude an der Arbeit, alle gleich behandeln.


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