Exportschlager mit harter Spitze

Von 100 Gramm bis 600 Kilo: Solida ist mit Spezialmeißeln weltweit im Geschäft

Remscheid. Marmor, Stein und Eisen bricht – wenn rund um den Globus Meißel aus Nordrhein-Westfalen ans Werk gehen. Die Produkte der Firma Solida Werkzeugtechnik in Remscheid spalten den weißen Marmor im italienischen Carrara. Sie zerlegen Steine und Stahlbeton in Asien, um Platz für Neues zu schaffen. Oder sie rammen, mit Spezialaufsatz versehen, Weidezaunpfähle in die Weiten Amerikas.

5.000 verschiedene Meißeltypen fertigt man in Remscheid, zu 70 Prozent fürs Ausland. Die 75 Mitarbeiter erwirtschaften rund 10 Millionen Euro Jahresumsatz.

Einer der Arbeitskräfte ist der Schmied Andreas Salsedo. Er lässt im Sekundentakt seinen Hydraulik-Hammer mit 2.000 Tonnen Druck auf die glühende Meißelspitze niedersausen. Bringt sie zwischen den Schlägen immer wieder in eine neue Position. Und steuert über ein Fußpedal den Rhythmus und die Kraft des Hammers.

„Für den Job hier brauchst du ein gutes Auge und gute Reflexe“, sagt Salsedo. Denn: „Der Stahl muss bekanntlich geschmiedet werden, solange er heiß ist!“ Der Mann versteht sein Handwerk. „In 14 Jahren“, erzählt er, „habe ich nur einen einzigen Meißel vermurkst.“

Was das 1946 gegründete Familienunternehmen erfolgreich gemacht hat? Thomas Schäfer, der es in dritter Generation als Geschäftsführer leitet, nennt drei Meilensteine: Der Einstieg ins Erstausrüster-Geschäft Mitte der 60er-Jahre (der Solida als Zulieferer für die Profi-Werkzeuge der großen Elektro-Bohrhämmer-Hersteller etablierte), der Umzug 1988 innerhalb des Stadtgebiets (der eine erhebliche Ausweitung der Produktion möglich machte) und schließlich ab der Jahrtausendwende die Abkehr von der Massenware hin zu Spezialwerkzeugen.

„Die Massenherstellung lohnte in Deutschland nicht mehr“, erzählt Schäfer. „Wir sind in die Nische gedrängt worden. Das war für uns ein heilsamer Schock.“

Neben den Meißeln für Elektro-Hämmer produziert die Firma auch solche für klassische Pressluft-Hämmer; außerdem ganz große Meißel, die bei Baggern zum Einsatz kommen. „Den Bauarbeiter mit dem klassischen Presslufthammer findet man vorzugsweise noch im Straßenbau in den USA“, so Schäfer. „Der Trend geht weltweit aber eindeutig zum Hydraulikhammer. Wenn man so will, wird uns Menschen der Meißel mehr und mehr aus der Hand genommen.“

Ein Meißel kann zwischen 13 Zentimetern und drei Metern lang sein. Er kann 100 Gramm wiegen, aber auch 600 Kilo. Manche kosten nur ein paar Euro, andere gleich mehrere Tausend. Aber immer ist sein Vorprodukt eine Stange aus Stahl, die – nach Geheimrezept gekocht – aus einem Stahlofen in der Nähe kommt. Und dann werden die Arbeitsenden eines jeden Meißels geschmiedet und durch und durch gehärtet.

Schäfer selbstbewusst: „Wir treiben das Schmieden auf die Spitze. Für den harten Einsatz am Bagger macht das sonst keiner.“


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