Die neue Teilqualifizierung bringt Mitarbeiter voran

Vom Staplerfahrer zum Schichtführer – ein lohnender Kraftakt

Herr der Container: Otto Heltmann ist inzwischen Schichtführer im BSH-Versandlager. Foto: Schulz

Traunreut. Als Schichtführer im Versandlager kümmert er sich auch ums Verladen der ganz großen Dinger: Otto Heltmann vom Haushaltsgeräte-Hersteller BSH Bosch und Siemens Hausgeräte im bayerischen Traunreut. Wohin müssen die Container? Zu welchem Tor sollen die Lkws? Und wer stellt die richtigen Geräte aus dem Großlager bereit? All das will organisiert sein.

„Ich trage mehr Verantwortung als früher“, sagt der Mann in der gelben Warnweste stolz. Mehr als zehn Jahre hatte er als Staplerfahrer für BSH gearbeitet, dann begann er eine besondere Weiterbildung. Es war ein Kraftakt über 18 Monate, Samstagsunterricht inklusive. Heute hat der 36-jährige Heltmann neue Aufgaben – und als Schichtführer 15 Kollegen unter sich!

Chance für un- und angelernte Kräfte

Denn der BSH-Mann ist nun Fachkraft für Lagerlogistik: Heltmann ist einer von mehr als 14.000 Arbeitnehmern, die in den letzten Jahren über das Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (bbw) eine sogenannte Teilqualifizierung absolviert haben. Das Konzept: Ausbildungsinhalte werden in eigenständige Module aufgeteilt. Am Ende kann es aber bis zum Berufsabschluss gehen. Die meisten Teilnehmer sind über 30 Jahre alt und schon lange im Betrieb.

„Die Wirtschaft konzentriert sich heute stärker auf die Potenziale der An- und Ungelernten“, erklärt Dagmar Gerber vom bbw. „Die meisten Weiterzubildenden kommen aus den Betrieben der Metall- und Elektro-Industrie zu uns.“

Ein großer Vorteil des modularen Dazulernens: die Flexibilität. Ehrgeizige Mitarbeiter können sich nach dem Bestehen aller Module zur externen Facharbeiterprüfung anmelden. Anderen reicht dagegen manchmal schon ein einziger Baustein – weil der genau die Fertigkeit vermittelt, die im Betrieb gebraucht wird.

Das Konzept ist in Bayern vom bbw entwickelt worden, die bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände unterstützen es seit 2007. Bundesweit stößt die Sache auf immer stärkeres Interesse: Die Bildungswerke der Wirtschaft und ihre Verbände haben sich im Vorjahr unter der Dachmarke „Arbeitgeberinitiative Teilqualifizierung – Eine TQ besser“ auf gemeinsame Standards verständigt.

Gleiche Inhalte, gleiche Anforderungen, gleiche Abschlüsse: Das hat für beide Seiten Vorteile – etwa, wenn innerhalb Deutschlands die Firma gewechselt wird.

Teilqualifizierung gilt als eine ideale Möglichkeit der Personalentwicklung. „Eigene Leute weiterzubilden ist für uns sehr wertvoll“, sagt der BSH-Gruppenleiter Albert Watzl. Kollege Heltmann sei das beste Beispiel: „Er war über Jahre zuverlässig und hat Persönlichkeit“, so Lagermeister Watzl, „da wusste man, dass er zur Führungskraft geeignet ist.“

Aufstieg durch Weiterbildung: Für Heltmann kam die Chance offenbar genau zur richtigen Zeit. „Nach zehn Jahren im Stapler wurde es schon ein wenig langweilig“, erzählt er. „Mir war klar: Irgendwas muss im Beruf noch kommen.“

Fakten

Teilqualifizierung hat feste Vorgaben

  • Je nach Beruf gibt es fünf bis acht einzelne Module. Ihre jeweilige Dauer beträgt maximal sechs Monate. Die Gesamtdauer soll bei etwa zwei Dritteln der regulären Berufsausbildungszeit liegen.
  • Alle Module müssen unabhängig voneinander belegt werden können. Für jedes einzelne erhält der Mitarbeiter eine separate Bescheinigung.
  • Wenn ein Mitarbeiter alle zu einem Berufsbild gehörenden Module geschafft hat, muss eine externe Kammerprüfung möglich sein.

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