Papierverarbeitung

Vom Schnupftabak-Karton zur modernen Pillenbox: Papierwerk Landshut Mittler feiert 100 Jahre

Wörth an der Isar. „Schau mal: Hier wird der Karton geklebt.“ Geduldig weist Maschinenführer Maximilian Birgmeier seine junge Kollegin Lena Klostermeier auf die diversen Feinheiten hin, die nötig sind, damit die Faltschachtelklebemaschine reibungslos läuft.

Lena will Packmitteltechnologin werden. Seit September ist sie eine von elf Auszubildenden im Papierwerk Landshut Mittler (PLM) in Wörth an der Isar. „Ausbildung hat bei uns Tradition“, betont Geschäftsführer Günther Berninghaus. Neben den Packmitteltechnologen bildet das Unternehmen auch Industriekaufleute, Mediengestalter und Medientechnologen der Fachrichtung Druck aus.

Meistens können alle Azubis nach erfolgreicher Abschlussprüfung übernommen werden. Verena Füßl zum Beispiel, die 2011 ausgelernt hat: Heute bedient die Medientechnologin eine moderne Druckmaschine mit fünf Farben und separatem Lackwerk. „Früher habe ich Schachteln achtlos aufgerissen“, sagt sie, „heute weiß ich zu schätzen, wie viel Know-how und Arbeit darin steckt.“

Und wie ihre Kollegen freut sie sich auf die bevorstehende Jubiläumsfeier Anfang Juli: „100 Jahre – das ist für so ein Familienunternehmen schon was Schönes.“

1914 hatte Emil Mittler, der Urgroßvater von Günther Berninghaus, einen Produktionsbetrieb nebst Großhandlung für Papierwaren gegründet. Wurden anfangs Bücher, Kartonagen etwa für Schnupftabak, Papiertüten und Drucksachen aller Art hergestellt, fertigt PLM inzwischen ausschließlich Faltschachteln – fast zwei Millionen Stück pro Arbeitstag.

Der überwiegende Teil geht in die Pharma-Industrie. Aber auch Kosmetikhersteller und Firmen aus andere Branchen setzen auf PLM-Schachteln. Die gibt’s auf Wunsch mit Lack- oder Glitzer-Dekor, mit Hologrammen – und raffiniert konstruiert. So schaffte es eine von den Niederbayern ausgetüftelte Verpackung im Vorjahr unter die Finalisten beim europäischen Verpackungswettbewerb „Pro Carton/ECMA“: Die aufklappbare Box mit einem Einsatz für Vitaminkur-Ampullen ist aus mehreren Teilen zusammengesetzt.

„Wir sind innovativ, präzise, leidenschaftlich, zuverlässig“, sagt Berninghaus. Das sei das Rezept, mit dem sich die Firma erfolgreich am Markt behaupte. Dazu kommt moderne Technik: In das vor rund 20 Jahren auf der grünen Wiese gebaute Werk wird jährlich im Millionenbereich investiert, vorrangig in den Maschinenpark.

Spezielle Software nützt die Ressourcen extrem aus

„Alle Prozesse sind optimal aufeinander abgestimmt, Störzeiten so gut wie abgestellt“, erklärt Berninghaus, Ingenieur und gelernter Drucker. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Software „ERP“ (Enterprise-Resource-Planning): Sie setzt alle vorhandenen Ressourcen möglichst effizient ein. Sobald zum Beispiel feststeht, wie viele fertige Faltschachteln in einen Karton passen, berechnet ERP die für den Auftrag erforderliche Menge an Umkartons und Paletten, schaut nach dem günstigsten Angebot der Speditionen, stimmt einen Liefertermin ab und erteilt den Auftrag an die Spedition.

„ERP hat fast jeder“, weiß Berninghaus, „wir nutzen die Möglichkeiten aber extrem aus, um durch hohe Produktivität im knallharten Wettbewerb zu bestehen.“

Da kommen auch die gut qualifizierten Mitarbeiter wieder ins Spiel – wie Andreas Geilinger. Der CAD-Konstrukteur hat Drucker gelernt und arbeitet bei Bedarf auch in der Produktion mit. Nach zehn Jahren im Betrieb kennt er alle Abteilungen und Maschinen genau. Diese Erfahrung nimmt er mit in die Entwicklung. „Ich weiß so, was auf den Maschinen geht“, sagt er, „denn auch die tollste Idee für eine Faltschachtel muss ja letztlich auf diesen Maschinen auch laufen …“

Fakten

Papierwerk Landshut Mittler

  • 1914 gründet Emil Mittler eine Papierwarenfabrik in Landshut.
  • 1956 wird der Name des Unternehmens in Papierwerk Landshut Mittler & Co. geändert.
  • 1985 wird die erste Heidelberger Druckmaschine mit Vier-Farben-Lackwerk und elektronischer Farbsteuerung gekauft.
  • 1996 zieht der Betrieb in ein neues Werk in Wörth um, das den strengen Hygieneanforderungen der Pharma-Industrie genügt.
  • 2014 produziert das Unternehmen mit etwa 150 Mitarbeitern mehr als 400 Millionen Faltschachteln pro Jahr. Dafür werden jährlich rund 6.000 Tonnen Karton bedruckt und weiterverarbeitet.

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